88 Jahre und kein bisschen leise 

 

Harald hat heute Geburtstag. Seinen 88ten. Als wir ihn bitten, ob wir auch seine Hände fotografieren dürfen, willigt er sofort ein und sagt: "Diese Hände haben über 50 Jahre hart körperlich gearbeitet". Harald bereitete gerade das Kaffeetrinken am Nachmittag vor und war am frühen Morgen schon im Fitnessstudio. Das ist für ihn einmal in der Woche ein fester Termin und nicht ohne Stolz erzählt er, dass er dort der älteste Teilnehmer ist. Überhaupt ist Harald ein sehr sportbegeisterter Mensch - am meistern interessiert er sich für Tennis und Fussball - und ein guter Zuhörer mit zutiefst menschlichem Verständnis. Lieber Harald, wir gratulieren Dir von Herzen!

26. Januar - Mir ist ja so langweilig!


Greta schaute uns heute mehrfach vorwurfsvoll an und gab deutlich zu erkennen, dass so ein Tag einfach nur extrem langweilig ist. Wir saßen den ganzen Tag über am Bildschirm und machten Büroarbeit. Hier ein Schreiben an die Versicherung, da eine Kontoänderung und dann noch ein paar fehlende Belege für die Steuer zusammensuchen - alles wenig spannend und wie gern hätten wir uns einfach zu ihr auf das Sofa gelegt.

25. Januar - Und das Glück geht weiter 

 

Apple Crumple schmeckt nicht nur verdammt gut, sondern ist dazu auch noch leicht und schnell zu machen. Da war es schon fast am schwierigsten, alles einigermaßen ansehnlich in das Glas zu füllen. Dazu schnell noch ein wenig Schlagsahne geschlagen und ab ging die Lieferung in die Nachbarschaft und wurde mit einem Lächeln in Empfang genommen. Hiervon haben wir dann selber noch jeweils eine Portion für uns über behalten und genossen. Doppeltes Glück halt.

24 .Januar - Im Wildkräutergarten


Heute waren wir wieder im Wendland unterwegs und haben uns auf die Spur der Wildkräuter begeben. Als eine der besten Kennerinnen (essbarer) Wildkräuter gilt Christina Schuster aus Neu Lebbien. Wir verbrachten über zwei Stunden in ihrem Garten, bekamen praktische Hilfe beim Bestimmen und Erkennen dieser zum Teil noch winzigen Pflanzen und staunten darüber, wie viele Pflanzen das ganze Jahr über wachsen - und gegessen werden können. Schnell hatten wir nur noch Augen für diese kleinen Schätze zu unseren Füßen. Das vorrangige Ziel von Christinas Arbeit rund um die heimischen Wildkräuter ist die Wieder-Ausbreitung der Natur in den Gärten, worüber sie uns heute viel erzählen konnte und unseren Blick für den eigenen Garten noch einmal in eine ganz andere Richtung gelenkt hat. Und trotz der nicht gerade einladenden Temperaturen haben wir noch eine ganze Weile über Gott und die Welt gesprochen, unter anderem tauchte dabei die Frage auf, ob es sich in unserer westlichen Welt oder als im Urwald geborener Mensch glücklicher leben lässt. Leicht durchgefroren, aber voller neuer Eindrücke und Denkanstöße fuhren wir erfüllt wieder nach hause und freuen uns schon jetzt auf unseren nächsten Besuch in Christinas Wildkräutergarten.

www.wild-kraeuter.de

23. Januar - Kreativität kennt kein Alter 

 

Entweder man ist kreativ oder man ist es nicht - es ist definitiv keine Frage des Alters. Christa Baumann wohnt in Kiel, ist aktive Künstlerin und das schon ihr ganzes Leben lang. Heute waren wir bei ihr im Atelier zu Besuch und sprachen über Kunst, Können und Kommerz. Christa arbeitet gerade an ihrer neuen Internetpräsenz und außerdem an weiteren Möglichkeiten, ihre Kunstwerke über verschiedene Onlinegalerien zu vermarkten. Sie ist ein belesener, wacher Geist mit einem offenen Auge für die Kunst und ihre Umwelt. Die vielen Fundstücke in ihrem Atelier zeugen von ihrer Liebe zur Natur. Ein durch und durch inspirierender Besuch für unsere eigene Arbeit. Und ganz nebenbei ist Kiel eine oft zu Unrecht verkannte und interessante Stadt.

22. Januar - Licht und Schatten oder die Liebe zum Detail 

 

Kurz nach Sonnenaufgang führt bei uns der erste Weg in die Küche zum Kaffekochen. Danach ein kurzes Innehalten. Heute morgen wanderte unser Blick dabei zu den beiden Flaschen, die direkt von den ersten Sonnenstrahlen getroffen wurden. Die Lichtstrahlen brachen sich in deren Glas und es wurde ein bezauberndes Licht- und Schattenspiel auf die Wand gemalt. Es sind diese kleinen Augenblicke, die jeden Tag so besonders machen und die uns den Blick für die Schönheit im Kleinen aufzeigen. Ob es die besonders strukturierte Rinde der großen Eichen vor unserem Studio ist, die zaghaften Triebe der Krokusse, die anfangen die Rasenoberfläche zu durchbrechen oder die Kruste auf den selbst gebackenen Brötchen - die Liebe steckt halt oft im Detail.

21. Januar - 3 Millionen Klicks


Unser Leben besteht aus Millionen von Klicks am Computer. So jedenfalls kommt es uns oft vor, wenn wir dadrüber nachdenken, wie viel Zeit unseres Berufslebens wir für das Bearbeiten von Bildern verwenden. Und noch einen Pickel wegretuschieren, noch eine Falte ("Oh mein Gott, habe ich wirklich schon so viele…?") glätten oder verschwinden lassen, die ein oder andere Körperform verflüssigen ("Sie sind ja richtige Schönheitschirugen!"). Damit verbringen wir wie gesagt einen Großteil unserer Zeit, um bereits schöne Menschen noch zu perfektionieren. Und auf die schlaue Frage, wo denn das wohl noch hinführen würde, fiel uns leider auch keine schlüssige Antwort ein. Vermutlich führt es aber einfach zu noch mehr Klicks.

20. Januar - "Glück im Glas" kann auch mal kleine Brötchen backen


Warum nur Kochen? Wir haben kürzlich nämlich auch das Backen für uns entdeckt. Wir lieben die schweizer "Buerli" Brötchen und haben länger nach einem Rezept gesucht, das unkompliziert umzusetzen ist und wo das Ergebnis so schmeckt, wie wir es in Erinnerung hatten. Gesucht, gefunden, ein paar mal gebacken, zum Probeessen verschenkt und natürlich schon des Öfteren selber genossen.  Jetzt haben wir ein paar Buerlis zum ersten Mal als "Glück im Glas" an eine liebe Nachbarin verschenkt. Als nächste Herausforderung beim Backen haben wir uns ein Baguette oder - noch besser - französische Flutes vorgenommen. Die ersten Versuche waren schon himmlisch und ein bisschen wie Verreisen …

19. Januar - Ach, Maya war das …


… schön, dich endlich einmal wiederzusehen. Keine E-Mail, kein Telefonat, keine SMS oder WhatsApp kann das auch nur ansatzweise ersetzen: ein Treffen von Mensch zu Mensch. Heute war es nach längerer Zeit mal wieder soweit. Zuerst ging es mit den Hunden eine große Runde durch die Wolfsschlucht, danach auf einen Kaffee und Applecrumble ins Studio und dazu - was am wichtigsten war - ein offenes und ehrliches Gespräch über Gott und die Welt. Ja wirklich, unser Glaube spielte eine Rolle dabei. Genau wie die Frage der Rolle der Kirche in Zeiten der Pandemie. Verschlossene Kirchentüren. Abgesagte Gottesdienste. Kaum eine versöhnende Stimme der Kirche zurzeit - all das und noch so viel mehr waren unsere Themen heute und wir haben uns für ein zeitnahes Bootcamp verabredet. Warum? Einfach, damit wir Klarheit über das, was wir besonders gut können und machen wollen, bekommen, um uns daraufhin besser auszurichten in der Zukunft. Danke für deinen heutigen Besuch, Maya, er war einfach bereichernd und inspirierend.

18. Januar - Blick in die Zukunft 

 

Hat davon nicht jeder schon einmal heimlich geträumt? Ein bisschen in die eigene Zukunft schauen zu können? Das gelang uns vor einiger Zeit so ganz ohne jeden Hauch von Science Fiction. Beim Anblick dieses Seniorendorfes konnten wir uns auf einmal vorstellen, in ein paar Jahrzehnten selbst dort zu sitzen oder sitzen zu müssen, weil es anders nicht mehr geht. Und als wir darüber nachdachten wurde uns klar wie kostbar die Zeit ist und wie wichtig es ist, sie zu nutzen. Denn sie ist ein Geschenk an uns. Kein Mensch weiß wie lange er hier sein darf oder wie es gesundheitlich weitergeht und deshalb haben wir uns an diesem Abend vorgenommen, öfter von den Dingen, die wir erleben möchten, zu erzählen und sie dann auch zeitnah umzusetzen. Einfach nichts mehr auf die lange Bank schieben.

17. Januar - Vollkaskogesellschaft 

 

"Das müssen wir aufstellen, sonst kommen wir in Teufels Küche", so lautete die Antwort eines Gemeindemitarbeiters am See in Bayern, als wir ihn auf das Schild ansprachen, auf dem geschrieben stand: "Baden auf eigene Gefahr". Auf wessen denn sonst, haben wir uns gedacht und gleichzeitig mussten wir an ein Schild in Wohltorf am Waldrand denken, auf dem die Aufschrift steht: "Vorsicht vor herabfallenden Ästen". Aha, im Wald können Äste herabfallen oder Bäume umstürzen und beim Baden kann man ertrinken. Danke für diese neue Erkenntnis. Was uns der Gemeindemitarbeiter noch erzählte, macht es aber auch verständlich, warum diese Schilder da stehen. Man könne gar nicht so verrückt denken, wie manche Mitmenschen Anwälte bemühen, weil ihnen ein Unglück widerfahren ist und sie angeblich nicht darüber informiert wurden, dass es an dieser Stelle gefährlich sein könnte. Ganz schön traurig und schöner machen diese Schilder die Umgebung leider auch nicht.

16. Januar - 365 Tage – 730 Fotos


Unsere selbstgewählte Fotoaktion aus dem letzten Jahr ist seit gut zwei Wochen beendet und wir stecken noch mitten in der Bearbeitung der Bilder. Jeden Tag haben wir uns gegenseitig fotografiert. Manchmal haben wir uns gefragt, warum wir das eigentlich machen, zumal die meisten Fotos gefühlt zwischen 23 und 0.30 Uhr entstanden sind. Jetzt, mit ein wenig Abstand, gibt es Momente, wo sie fehlt, diese täglich wiederkehrende Routine, die doch nie zur Routine wurde. Die Bilder zeigen so vielen Facetten, Stimmungen, Verwandlungen, Posen, Schauspielerei, Wahrheit, Schönheit, Klarheit, Erkenntnis. Es waren so viele Varianten dabei, dass wir durch sie einen neuen Blick auf uns selbst gewonnen haben. Und das macht diese Aufnahmen für uns so wertvoll. Ganz besonders, weil sie ohne jegliche Bildretusche sind.

15. Januar - Josi 

 

Josi ist 19 Jahre alt und Mareikes Cousine. Abgesehen davon, dass Josi sich sehr für Musik interessiert und einen besonderen Modegeschmack hat, ist sie eine hervorragende Schülerin und macht im nächsten Jahr ihr Abitur. Sie ist intelligent. Humorvoll. Politisch und gesellschaftlich bestens informiert. Und sie ist eine tolle Gesprächspartnerin mit einer eigenen Meinung. All diejenigen, die so gerne auf die Jugend schimpfen, können wir beruhigen - es gibt und gab zu jeder Zeit Hoffnung für die Zukunft. Manchmal hilft auch ein Blick in die Vergangenheit: "Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen übernommene Werte." Das stand schon vor ca. 3000 v. Christus auf einer Tontafel der Sumerer. Nach unserem Gespräch mit Josi können wir dies jedoch nicht bestätigen. 

14. Januar - Das "Glück im Glas" geht weiter


Wir haben uns über die positiven Rückmeldungen zu unserer "Glück im Glas" - Aktion sehr gefreut und damit gleich weiter gemacht. Wir würden uns riesig freuen, wenn sich auch noch andere Menschen daran beteiligen wollen und in ihrem Umfeld ebenfalls Menschen mit einer Mahlzeit beschenken. Diesmal ist es ein Glas mit Rote Bete, Schafskäse, Rucola und ein paar Walnüssen. Das Rezept ist super einfach und schmeckt zudem köstlich, auch wenn die hier beschenkte Person sich nach eigener Aussage erst einmal "hinein essen" musste ...

13. Januar - Über Umwege zum heiligen Vater


Unglaublich. Jetzt hat Franz Hümmer es schon auf den Titel der katholischen Sonntagszeitung für die Diözese Würzburg geschafft. Und irgendwie indirekt wir ja auch. Zumindest fotografisch. Aber in Wirklichkeit liegt das nur an dem sympathischen Franz aus Fatschbrunn im Steigerwald, der unermüdlich Kulturpflege betreibt, indem er sich um die alte Art der Herstellung von Hutzeln kümmert. Inklusive Landschaftspflege mit uralten Birnensorten. Wer einmal in Fatschenbrunn war, gesehen hat, wie sich der kleine Ort harmonisch in das Tal schmiegt, der kommt bestimmt wieder. Und das Handy kann man auch getrost im Auto liegen lassen. Als Steigerung zum jetzigen Titel auf der katholischen Zeitung könnten wir uns einen Termin direkt mit dem heiligen Vater in Rom vorstellen, nein lieber wünschen, sozusagen als fotografische Pilgerreise. Und solange keine Nachrichten aus dem Vatikan eintreffen warten wir ab, lehnen uns zurück, trinken eine Tasse Tee und freuen uns über den Torquato-Neujahrsbrief, der uns ebenfalls mit der Post erreichte. Gedruckte Fotos sind doch einfach am schönsten.

12. Januar - "Da könnte ich echt durchdrehen"


Beim Anblick dieser Dartscheibe denken wohl die Allermeisten an die gerade abgelaufene Dart-WM im Alexandra Palace mit dem neuen Weltmeister Peter Wright aus Schottland, der aussieht, als würde er gerade seine Jugend noch ein wenig nachholen. Sei’s drum, bei uns kommt da eine ganz andere Erinnerung hoch. Und das nicht nur beim Dartspiel sondern auch bei anderen sportlichen Miniwettkämpfen zwischen uns. Es ist nämlich zum Verrückt werden. Auf Mareikes Frage: "Hast Du Lust auf ein Spiel?", kommt von Christian meistens als Antwort ein: "Na gut, wenn Du unbedingt willst, aber so richtig Lust habe ich eigentlich nicht ... " Dann beginnt immer und immer wieder dieselbe Prozedur. Christian spielt scheinbar leicht gelangweilt, kann es meistens auch gar nicht so richtig gut, Mareike strengt sich an und verliert dann doch fast immer. Was bleibt, ist die reine Fassungslosigkeit. Bis es dann wieder heißt: Neues Spiel, neues Glück ...

11. Januar - Glück im Glas


Wir kochen gerne. Wir essen gerne. Und Christian kocht oft viel zu viel - frei nach dem Motto "Wenn man schon mal dabei ist, dann ist es einfach schön, einen großen Topf zu nehmen und sich vorzustellen, es kämen gleich noch ein paar Freunde spontan zum Essen vorbei." Doch das ist ja nur selten der Fall und unser Gefrierfach definitiv zu klein.
Aber wir denken ja gerne in "Projekten" und nachdem wir uns im letzten Jahr Tag für Tag gegenseitig fotografiert haben, haben wir uns für dieses Jahr vorgenommen, einmal in der Woche eines unserer Lieblingsrezepte zu kochen und das Ergebnis zu fotografieren. Und als wir dann am letzten Wochenende vollkommen unerwartet ein Geschenk aus Berlin erhielten, kam uns die Idee, nicht nur für uns zu kochen, sondern jeweils eine Portion an eine allein wohnende Person aus unserem Bekanntenkreis zu verschenken. Schon oft haben wir gehört, dass es vielen Alleinstehenden wenig Spaß macht, Tag für Tag nur für sich selbst zu kochen. Uns bereitet schon der Gedanke beim Zubereiten des Essens an die zu beschenkende Person eine große Freude. Der Spaß beim Kochen verdoppelt sich sozusagen. Und darüber sind wir sehr glücklich. Und so wird unser Glück zu Glück im Glas.

10. Januar - Blind-Date

Wir kannten einander nur vom Telefon und von den Fotos auf unseren Websites, als wir Dana an den Landungsbrücken im Hamburger Hafen zum Fotografieren trafen. Das Wetter spielte herrlich mit und um ein wenig mehr Ruhe zu haben, gingen wir erst einmal an das Ende des Pontons. Auf unserem kurzen Weg kamen wir schnell und leicht ins Gespräch und Danas positive Energie war sofort zu spüren. Dana lebt und arbeitet in Hamburg, ist von ganzem Herzen Mutter zweier erwachsener Kinder und hilft vor allem Frauen ihr wahres selbst zu erkennen und sich gegebenenfalls aus toxischen Beziehungen lösen zu können. Nach dem Fotoshooting klönten wir noch eine ganze Weile weiter und genossen neben dem schönen Wetter wieder einmal die Begegnung zu einem besonderen Menschen, den wir soeben erst kennen gelernt hatten.

09. Januar - Vier Jahre ist es schon her, … 

 

… dass wir Nina fotografiert haben. Die sympathische Hamburgerin haben wir über ein Modelnetzwerk für einen damaligen Fotoauftrag gefunden und schon damals hat uns ihre raue und herzliche Art sofort begeistert. Kein Wort zuviel, dafür immer direkt auf den Punkt kommend, ist Nina uns in Erinnerung geblieben. Jetzt zum Jahresanfang war es wieder soweit und die Verabredung für ein freies Fotoprojekt in schwarz/weiß ging schnell und umkompliziert. Zwei Stunden kreativer Zusammenarbeit liegen hinter uns und die Ausarbeitung der Bilder kann beginnen.

08. Januar - Überraschung gelungen oder: Warum wir heute kurz sprachlos waren


Geträumt haben bestimmt schon viele Menschen davon, getan haben es aber sicher die wenigsten: Mal etwas verrücktes machen. So ist es eben. Der Alltag frisst uns auf und dann ist da ja noch unsere Bequemlichkeit. Nicht, dass wir etwas dagegen hätten. Wir sind ja selber auch gerne Couch-Potatoes, und das öfter, als wir es eigentlich sein wollen. Und dann gibt es die Menschen, die es einfach tun, etwas verrücktes. so wie eine uns bis heute vollkommen unbekannte Person aus Berlin, die vermutlich über unsere Slow Food Fotos auf unseren Blog aufmerksam wurde. Für uns begann diese Geschichte heute mit dem Postboten, der mit einigen Päckchen vor uns stand. Darunter war auch ein Umschlag aus Berlin. "Christian, hast Du etwas aus Berlin bestellt?",  "Nein, wieso?",  "Weil hier ein Umschlag angekommen ist.",  "Aha, kennst Du den Absender?",  "Nein." Unsere Neugierde war geweckt und kurze Zeit später waren wir sprachlos - was selten passiert. Auf dem Packpapier des aus dem Umschlag genommenen Gegenstands stand: "Erste verrückte Tat des Jahres! Beschenke jemanden, den Du überhaupt nicht kennst!" Sofort wurde weiter ausgepackt, dann kam dieses Kochbuch zum Vorschein und auf der beiliegenden Karte noch eine Einladung auf einen Plausch auf einer Berliner Terrasse. Wie schön ist das! Die Welt ist voller Überraschungen. Wir sagen vielen lieben Dank und freuen uns schon auf ein Treffen mit Nicole.

07. Januar - Eine erfüllende und leckere Zusammenarbeit


Barbara ist ja bekannterweise eine tolle Köchin, Mitglied der Slow Food Chef Alliance, TV-Köchin, großartige Gastgeberin und schreibt auch Rezepte für Magazine. Wir trafen uns erneut bei ihr zum Fotografieren einer Rezeptstrecke, die im Herbst in der LandLust veröffentlicht wird. Am Ende des Tages wollte Barbara noch einmal in Ruhe alle Bilder anschauen, die über die ganzen Stunden, an denen sie in der Küche oder beim Anrichten war, entstanden sind. Wir haben die Zeit ebenfalls gut genutzt und uns durch die verschiedenen Speisen durchprobiert - es war ein Fest.

06. Januar - Wie viele Jahre ist das denn schon her? 

 

Das letzte Mal hatten wir uns vor über fünf Jahren gesehen und gesprochen. Vor ein paar Tagen stand Hans-Ulrich vollkommen unerwartet vor unserer Tür und aus einem kurzen: "Hast Du einen Augenblick Zeit?" wurde dann ein einstündiges Gespräch. Mit Hans-Ulrich haben wir früher sehr gerne bei einem großen Hamburger Maschinenbauer zusammen gearbeitet - legendär waren nicht nur die von ihm mitgebrachten Kekse, die so manches nächtliche Shooting versüßten, sondern auch unsere zahlreichen Gespräche über Gott und die Welt. Genau wie heute. Wie genau betrachtet man eigentlich Menschen, haben wir uns nach Hans-Ulrichs Besuch gefragt, denn wenn er nicht erzählt hätte, dass sein Bart jetzt ja abrasiert sei, wäre es uns gar nicht aufgefallen - genau wie seiner Frau, die es auch nicht sofort registrierte.

05. Januar - Das kann doch nicht so schwer sein - oder? 

 

Schwer vielleicht nicht, dafür aber umso langwieriger, denn ein guter Teig braucht seine Zeit. Das lasen wir jedenfalls, als wir uns auf die Suche nach einem Rezept für Brötchen machten, genauer gesagt nach einem für Bürlis. Die stammen aus der Region St. Gallen in der Schweiz und erinnern uns an so manchen Aufenthalt in Zürich. Aber wie das oft so ist, steckt doch etwas mehr Arbeit hinter dem Kochen und Backen als gedacht. Zuerst einmal stellte sich der Teig als erstaunlich klebrig heraus und Christian brauchte eine ganze Weile, um die stark haftenden Teigreste von den Händen zu waschen. Nach einer mehr als 16 stündigen Ruhezeit waren die Bürlis dann allerdings schnell gemacht und die ersten acht Stück sind schon verzehrt - mit großem Genuss. Und "Wer hat’s erfunden?" Wir nicht. Trotzdem lecker.

04. Januar - Im Dialog bleiben


In der letzten Woche haben wir nach längerer Zeit Claudia wiedergesehen. Nach einem ausgedehnten Spaziergang an der Bille, ging es dann leicht angefröstelt noch auf einen "kurzen Kaffee" ins Studio, doch schnell entwickelte sich ein reger Meinungsaustausch und aus einem Kaffee wurde schnell ein zweiter. Es ging um das Abnabeln der eigenen Kinder, um das "bei sich bleiben", um Zuhören und die Fähigkeit Streiten zu können und vieles mehr. Am Ende war nur Chelsea dann vermutlich sehr froh, den Avancen von Kendo und Greta "endlich" zu entkommen - zumindest lässt ihr Blick auf dem Foto es vermuten ...

03. Januar - Grenzenlose Liebe 

 

Die Liebe zum Hamburger Sportverein sieht man hier schon von weitem. Sehr interessant sind für uns auch die Fragen, in welcher Bettwäsche und Unterwäsche dieser Fussballfreund wohl lebt? Ob auch die Handtücher gebrandet sind? Das Geschirr? All die kleinen Dinge des Alltags, die uns helfen am nächsten Morgen noch zu wissen, welchem Verein man eigentlich die Treue halten möchte. Und wie oft das Vogelhäuschen in den letzten Jahren, ob der verpassten Aufstiege, nicht schon das Zeitliche segnen sollte? Ein kleiner Trost für diesen Fussballfreund könnte jedoch sein, dass es den Vögeln vollkommen egal ist, in welchem Häuschen sie ihr Futter bekommen. 

02. Januar - Reise in fremde Welten


Wir waren wieder einmal bei Claudia zu Besuch, nicht zuletzt auch, weil wir neugierig auf ihre neuesten Lego-Kunstwerke waren. Und in der Tat, wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Für Claudia ist das genaue Betrachten der Gebäude oder - wie in diesem Fall - des Ninjago Flugseglers, eine Reise in die Fantasie aller Möglichkeiten. Es sind dann keine konkreten Geschichten, die sich dann abspielen, sondern die große Freude über die oft verborgenen Details und Farben. Dieser Flugsegler besteht aus 1.781 Teilen und wurde von ihr in für uns unvorstellbarer Rekordzeit von zwei Tagen zusammengebaut.

01. Januar - Wie klasse ist das denn Bitte?!


Gestern waren wir zum Titelshooting für die nächste Ausgabe des "Sachsenwalders" mit Max verabredet, um ihn zu portraitieren. Max hat im letzten Jahr sein Abitur erfolgreich bestanden und war sich damals nicht nicht sicher, in welche Richtung es einmal beruflich für ihn gehen soll. Deshalb interessierte er sich für ein freiwilliges soziales Jahr und da er seit seinem vierten Lebensjahr selber begeisterter Handballspieler beim TuS Aumühle/Wohltorf ist, lag es für ihn auf der Hand sein FSJ in der dortigen Handballabteilung zu absolvieren. Wir wussten bis gestern nicht, dass so etwas möglich ist. Eine überaus vielseitige Beschäftigung im sportlichen Bereich – wie klasse ist das denn …

31. Dezember - So müssen sie sein


Zumindest für uns. Am Silvestermorgen um acht Uhr und schon Schlange stehen? Ja, denn wer nicht hören will (also frühzeitig vorbestellen), muss eben fühlen (eben Schlange stehen). Heute war Christian dran mit dem Besorgen der letzten Leckereien für Silvester und es dauerte genau 45 Minuten, bis er an der Reihe war. Aber es lohnt sich! Die Berliner von Baumgarten in Aumühle schmecken einfach sensationell und nur an Silvester trauen wir uns, sie auch in hemmungslos großen Mengen zu genießen. Ansonsten eher zurückhaltend an und ab mal einen - "Bitte mit Guss" - über das Jahr verteilt, nur heute dürfen es auch bis zu vier Stück sein. Genau dafür gibt es ja dann die "guten Vorsätze" für das neue Jahr. Die meistens nach ein oder zwei Tagen wieder vergessen werden, aber das ist ein anderes Thema ...

30. Dezember - Es gibt nur eine Sonne


Diese einfache Wahrheit bekamen wir schon früh während unserer Ausbildung "eingebläut". Und in der Tat wirken Portraits oft am natürlichsten, wenn auf viele verschiedene Lichtquellen verzichtet und stattdessen mit nur einem einzigen Licht gearbeitet wird. Genau das haben wir uns für unsere Arbeit im neuen Jahr vorgenommen: Reduzierung auf das Wesentliche, nämlich die Bildwirkung. Danke an unser Model André.

29. Dezember - Lichtmalerei


Drei Birnen auf einem Tisch und ein klein wenig auf die Lichtführung achten. Fertig ist das "Gemälde". Es wirkt verträumt, fast poetisch durch die Reduzierung der Farbe ins fast "farblose". So gut diese Birnen auf dem Foto auch aussehen, so wenig schmeckten sie leider ...

28. Dezember - Im Gegenlicht


Umrisse reichen manchmal aus, um einen Menschen wiederzukennen. So war es auch bei unserem Waldspaziergang vor ein paar Tagen, als wir in der Ferne, durch das extreme Gegenlicht geblendet, nur Anhand seines markanten Hutes, Peter erkannten. Er war gerade selbst auf einer kleinen Fototour unterwegs und auf der Suche nach Eisformationen, die sich am Rande der Bille gebildet hatten, um diese zu fotografieren. Peter fotografiert schon seit Jahrzehnten mit Kameras der Marke Pentax. Das weckte bei Christian sofort die Erinnerung an seine Pentax MX – ein fast unverwüstliches Kameramodell aus den 80er Jahren. Und so tauschten sich die beiden noch eine Weile über die Vorzüge dieser Kameras aus, bevor wir dann alle wieder unserer Wege gingen.

27. Dezember - Krazy Wordz


Wir sind alle keine (naja - bis auf Mareike) Spieler und waren am Ende des Abends dann doch umso begeisteter von diesem kleinen komplett verrückten Spiel "Krazy Wordz". Es fördert definitiv die Fantasie. Was so locker mit einer Testrunde ("Mal sehen, ob es euch gefällt?") begann, endete viele Stunden später unter lautem Gelächter kurz nach ein Uhr morgens mit den Worten: "Das ist echt ein tolles Spiel!" Es war wieder einmal schön, einen Abend mit Maren und André zusammen verbracht zu haben und neben "Krazy Wordz" auch noch viele Gespräche über das Leben, Gestaltung, das Wendland, das Gleitschirmfliegen - über Bayern (die Heimat von André und Christian), die Fotografie und über viele andere Themen gehabt zu haben, dass wir (fast) ganz die Zeit vergessen haben.

26. Dezember - Was für den einen zu Weihnachten …


… die Gans oder Kartoffelsalat mit Würstchen sind - nicht zu vergessen Verwandtenbesuche, Gottesdienste, Bratäpfel, Weihnachten bei den Hoppenstedts, der kleine Lord und so einiges mehr - das ist für uns Sissi, genauergesagt die Trilogie. Okay, fairerweise muss jetzt einmal eine Klarstellung in eigener Sache gemacht werden: Es ist für Mareike nicht ganz so wichtig wie für Christian, aber bitte "Pssst": das bleibt unter uns. Vor ein paar Jahren kam er sogar zum Weihnachtsessen bei ihren Eltern zu spät und das mit der Entschuldigung, dass er erst noch auf den Schluss des ersten Teils warten musste. Und das komische ist, jedesmal ist Christian wieder auf's Neue ergriffen. Sei es von der Schönheit Romy Schneiders, den Gemeinheiten Ihrer (Film-) Schwiegermutter, dem umwerfenden Gustav Knuth als ihren Vater und von einer seiner Lieblingsfiguren: Oberst Böckel. So wird es wohl auch im nächsten Jahr heissen: erst einmal werden die Sendetermine von Sissi in unseren Weihnachtsplankalender eingetragen und dann schauen wir, wie der Rest passt – schöne Bescherung!

25. Dezember - Wir müssten uns … 

 

… mal wieder treffen. Das ist ein Satz, den wir selbst schon oft gesagt oder zu hören bekommen haben. Heute, als wir durch Zufall Kai trafen, wurden wir sofort an ihn erinnert. Versuchen wir doch schon seit Monaten mal wieder einen spontanen Termin "auf ein Glas Wein" zu finden. Das war wieder die Erinnerung an all die vielen Dinge, die wir so gerne machen würden, und die wir dann oft auf unbestimmte Zeit verschieben. Haben wir zu viel zu tun, zu viele Termine, zu viel vor? Sind wir überhaupt noch spontan - so wie früher? Oder durch unser Alter oder andere Begebenheiten einfach nur zu bequem geworden? Vielleicht ist es von allem ein bisschen, dazu noch ein wenig Müdigkeit und schon vertagen wir unsere Unternehmungen auf unbestimmte Zeit. Interessant war in diesem Zusammenhang auch eine Begegnung vor einigen Wochen mit einer Griechin, die schon seit vielen Jahren in Deutschland lebt. Wir fragten sie, was ihrer Meinung nach die größten Mentalitätsunterschiede zwischen Griechen und Deutschen seien. Ihre Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: "Wenn ich mich mit meinen deutschen Freunden verabreden möchte, bin ich oft schon zwei Monate im Voraus am Planen. In Griechenland geht das alles von heute auf morgen." Ihre Erklärung hierfür war ganz einfach: Die Deutschen leben nur für das Wochenende von Freitag bis Sonntag, die Griechen hingegen nehmen sich die ganze Woche über auch für private Dinge Zeit - es spielt dort einfach keine Rolle, ob am nächsten Tag gearbeitet wird. Das Treffen mit Freunden hat immer oberste Priorität. 

24. Dezember - Kitsch me if you can


Kitsch kommt uns nicht ins Haus! Basta! Niemals! So sprachen wir noch vor wenigen Jahren aus voller Überzeugung bis, ja bis wann war das eigentlich? Alles begann ganz harmlos vor zwei Jahren mit einem Engel, der Bandoneon spielt – einfach als Erinnerung an unser Tango tanzen. Und wenn schon, dann bitte ein Engel von der Firma Wendt und Kühn aus Grünhainichen im Erzgebirge, die mit den elf Punkten. Und warum? Weil in unserer eigenen Kindheit zu Weihnachten stets die Engel von den Eltern aufgebaut wurden und das der sichere Vorbote von Weihnachten war. Und durch den Anblick unseres mittlerweile fünfköpfigen Orchesters werden wir an diese Zeit erinnert, halten für wenige Augenblicke inne und besinnen uns. Klingt schon wieder komplett kitschig. Genau wie die Firmengeschichte von Wendt und Kühn. 1915 gegründet, durch den Eintritt von Olly Sommer massgeblich geprägt, den zweiten Weltkrieg nebst der darauffolgenden Zeit im Sozialismus überstanden, steht diese Manufaktur heute weltweit erfolgreich da. Die nächsten Tage werden wir mit unseren Orchestermitgliedern fleissig Musikstücke einüben, wobei uns die Besetzung noch etwas Sorge bereitet, es fehlen einfach noch ein paar Streicher, aber wie heisst es so schön: "Alle Jahre wieder…". Nun aber Schluss mit der ganzen Romantik. Fröhliche Festtage!

23. Dezember - Jahresabschlussralley


Was für den einen die Entwicklung der Börsen weltweit bedeutet, ist für uns ganz banal: Wäsche waschen, denn zwischen Weihnachten und Neujahr soll man ja nicht waschen oder Wäsche aufhängen, auf Vorrat einkaufen (man weiss ja nie) oder, so wie heute, noch einmal schnell zum Friseur gehen. Christian hatte seinen "Bad Hair Day" und bevor er gnaddelig wurde nahm er lieber die Strapazen auf sich und sogar in Kauf eventuell ein paar Minuten warten zu müssen, was dann zum Glück nicht der Fall war. Christians Friseur Waldemar Schönmeier ist ein so lieber und bescheidener Zeitgenosse und es ist nur Christians Faulheit geschuldet, dass er nicht noch viel öfter auf seinem Stuhl sitzt. Es sind ja auch nur selten mehr als 20 Minuten.

22. Dezember - "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,


der uns beschützt und der uns hilft, zu leben". So heisst es in dem Gedicht "Stufen" von Herrmann Hesse. Genau an diese Zeilen mussten wir heute denken, als wir fast pünktlich zum Winteranfang den Raureif sahen, der alles so scheinbar friedlich bedeckt. Sind wir Norddeutschen doch mit so wenig Winter oft schon zufrieden. Die beiden weiteren Zeilen des Gedichtes von 1941 liegen uns persönlich sehr am Herzen: "Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise – und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen. Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen". Also, weiter geht unsere Reise zu unbekannten Ufern oder um es mit dem Liedtitel von Pippo Pollina zu sagen: "Camminando" was soviel wie "Voranschreiten" meint. Das passt auch ganz wunderbar zu der Wintersonnenwende letzte Nacht.

21. Dezember - Der Food Hero


Franz Hümmer, den wir im letzten Jahr in Fatschenbrunn auf unserer Reise quer durch Deutschland besucht haben, ist der aktuelle Food Hero des Slow Food Magazins. Wir durften zu diesem Artikel die Fotos beisteuern und denken nur zu gerne an die tolle Zeit zurück, die wir an diesem - für uns -  sehr abgeschiedenen Flecken Erde hatten. An die Gastfreundschaft der Familie, an die interessante Einführung in die Kunst der Herstellung des Dörrobstes, an all die seltenen Birnenarten, die rund um Fatschenbrunn wieder heimisch geworden sind und nicht zuletzt an die Hutzeln, die nicht nur extrem nahrhaft  sind, sondern außerdem auch noch sehr gut schmecken.

20. Dezember - Alte Liebe rostet nicht


Das erste Auto von Werner war ein Mercedes 170. Der gelernte Kfz-Mechaniker wurde 1948 geboren und ging direkt nach seiner Lehre erst einmal zur Bundeswehr. Danach arbeitete er einige Jahre als Berufskraftfahrer, bevor er für dreizehn Jahre sein eigenes Taxiunternehmen mit genau einem Auto hatte. Im Anschluss arbeitet er für 23 Jahre als LKW-Fahrer und so ist seine Liebe zu diesem besonders schönen und seltenem Exemplar eines Mercedes Benz L1500 aus dem Jahre 1938 nur zu gut zu verstehen. Mit der Leistung von gerade einmal 44 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern in der Stunde ist es Werner heutzutage manchmal ein klein wenig unangenehm auf einer Bundesstraße zu fahren und hinter sich viele Autofahrer zu wissen. Sein erster Oldtimer war allerdings ein VW Käfer Export 1200, Baujahr 1954, den er 1974 gekauft hat und der seitdem in seinem Besitz ist. Der Mercedes L1500 aus dem Jahre 1938 sprang übrigens beim ersten Starten an - kein Wunder bei der liebevollen Pflege von Werner Fiedler.

19. Dezember - Der Fotograf, der Koch, der Genießer ...


Das alles und noch viel mehr zeichnet Friedrun aus. Bei unserem Treffen in Hamburg gab es nicht nur selbstgemachte Rouladen mit Grünkohl und süßen Kartoffeln, die Erinnerungen an Großmutters Küche hervorriefen, sondern auch wieder Gespräche über das Leben und vor allem über die Fotografie. Als wir über unsere Kameras sprachen, stellten wir ziemlich schnell fest, dass es wohl im Laufe unseres bisherigen Lebens nicht viele Fotoapparate gab, die wir nicht schon einmal besaßen und dann wieder verkauft haben. Immer auf der Suche nach dem perfekten Handwerkszeug. Es bringt halt einfach mehr Spaß mit einer Kamera zu fotografieren, die man gerne in der Hand hält. Nicht unerwähnt lassen wollen wir Paula, die uns den Abend überaus zurückhaltend und aufmerksam begleitete. Auch eine echte Genießerin.

18. Dezember - Der kleinste Weihnachtsbaum der Welt ...


... steht nach unseren Recherchen in Aumühle. Diese kleine Tanne hat sich einen ungewöhnlichen Platz zum Wachsen ausgesucht und teilt sich das kleine Fleckchen Erde mit einem Straßenschild. Wir fahren oft an dieser Stelle vorbei, doch erst heute ist sie uns aufgefallen. Im Vorbeifahren fragten wir uns leicht irritiert: "Hast Du das da gerade auch gesehen oder war das eine optische Täuschung?" Gefragt, getan - sind wir noch eine extra Runde um den Block gefahren, um dann mit der Kamera auf allen Vieren gen Weihnachtsbaum zu robben. Dieses einmalige Exemplar ist gerade wegen seiner "Größe" ein zauberhafter Blickfang und endlich einmal ein Weihnachtsbaum für unsere vierbeinigen Freunde. Aber bitte nur gucken und schnüffeln! Auch sie sollen es schön haben, bevor schon wenige Tage nach Weihnachten die für sie schreckliche Knallerei zu Silvester losgeht.

17. Dezember - Mutmacher

Wir starten mit einer neuen Serie. Mit den "Mutmachern". Mutmacher sind für uns Menschen, die mit ihren Worten und/oder Taten andere Menschen dazu inspirieren, etwas in ihrem Leben zu verändern. Etwas anders zu machen als bisher, etwas zu bewegen, etwas für sie mutiges zu tun. Wenn Du auch ein Mutmacher bist oder jemanden kennst, der/die unbedingt seine/ihre Geschichte erzählen sollte: bitte meldet euch bei uns.

Den Anfang macht heute Mutmacherin Julia Stiewe. 


"Ich bin dann mal weg"


Wer kennt nicht das Buch (oder den Film) von Hape Kerkeling? Er ging 2001 den "klassischen" Jakobsweg, den Camino Francés nach Santiago de Compostela. Dass es auch noch andere Pilgerwege gibt, davon erzählte uns Julia Stiewe bei unserem ersten Treffen. Wir hatten Julia bereits für unseren Blog vor einigen Monaten interviewt und damals unter anderem über ihre persönlichen Wünsche in ihrem Leben gesprochen. Auf unsere Frage, was sie denn machen würde, wenn sie zehnmal so mutig wäre, antwortete Julia: "Dann würde ich alleine auf dem Olavsweg in Norwegen pilgern".

Vor wenigen Tagen traf Christian sie erneut und erfuhr von der baldigen Erfüllung ihres Traumes. Im kommenden Jahr wird sie sechs Wochen unbezahlten Urlaub nehmen, um ihren Wunsch in die Realität umzusetzen.

Julia ist 45 Jahre alt und von Beruf Anästhesistin. Sie ist verheiratet, hat ein Kind und eine Katze. Sie wohnt in Aumühle und das, wie sie betont, sehr gerne.

Meerfreiheit: Wie kommt es, dass Du im nächsten Jahr deinen Traum wahr werden lässt?


Julia: Als wir uns das letzte Mal getroffen hatten, fragtest du, was ich machen würde, wenn ich mutiger wäre. Da dachte ich schon darüber nach, wie es wäre. In meinem Lieblingsland, allein, durch die Natur und in Ruhe, nicht zu wissen, was kommt. Es wäre schon schön, wenn ich mich das trauen würde. Zudem hatte ich ja in diesem Jahr viel draußen gemacht, zum Beispiel dieses Wattwanderpraktikum. Ich habe viel gelesen, und dann fiel mir ein, dass ich das Buch, der Olavsweg, haben müsste. Ich hatte es dann nicht gefunden, und dann habe ich im Internet recherchiert, über Frauen, die auch allein unterwegs waren. Da dachte ich mir, dass ich so etwas auch machen und ja auch mutiger sein möchte. Und dann habe ich mit dem Planen begonnen. Ich wollte auch einmal aus meinem Arbeitsumfeld heraus, bevor ich richtig durchhänge. Irgendwie passt es ja sonst nie und man muss es einfach tun. Das Kind ist groß genug, dass es einmal sechs Wochen allein mit dem Papa zurecht kommt. Als Mutter möchte man auch guten Gewissens unterwegs sein. Der Sohn wird gut klar kommen, da bin ich sicher, und es ist auch gut für Papa und Sohn, wenn sie sich einmal selbst organisieren müssen. Außerdem möchte ich Vorbild sein, für meinen Sohn, in dem Sinne, dass man auch das machen sollte, was man sich vornimmt und es dann durchführt. Das wäre im Blick auf seine Zukunft sicherlich hilfreich.


Meerfreiheit: Ist dir das Pilgern wichtig oder würdest du auch sechs Wochen an irgendeinem Ort etwas anderes machen wollen?


Julia: Nein, das ist schon bewusst gewählt. Ich bin auch in der Kirchengemeinde aktiv.


Meerfreiheit: Womit?


Julia: Ich habe lange in der Kantorei gesungen. Ich habe schon lange Kinderfreizeiten begleitet, mache bei anderen Projekten mit. Ich bin zwar nicht im Kirchengemeinderat, weil ich das zeitlich nicht schaffe. Ich bin anderweitig mit der Kirchengemeinde. verflochten, ich bin gerne zum Gottesdienst gegangen und natürlich überlege ich auch, welche Motivation dahinter steht. Als Teenager, nach der Konfirmation, fragt man sich, soll ich das alles so glauben. Aber später dann hat mich mein Sohn gefragt, ob das alles so echt ist und ob ich das alles glaube. Ich habe ihm dann gesagt, dass wir das erst später wissen würden und ich habe für mich entschieden, dass ich glaube. Denn der Glaube gibt mir Sicherheit. Ob das alles stimmt, weiß ich natürlich auch nicht, aber für mich gibt es dadurch Sicherheit im Leben. Man macht ja damit nichts falsch, habe ich meinem Sohn gesagt. Beim Pilgern in Norwegen kommt man auch an Kirchen vorbei, wo man immer einmal wieder innehalten kann und man kommt auch an vielen historischen Pilgerhütten vorbei, die auch von Leuten betreut werden. Das sollen immer sehr nette Begegnungen sein. All das möchte ich für mich mitnehmen.


Meerfreiheit: Was versprichst du dir von dieser sechswöchigen Auszeit? 


Julia: In erster Linie, Abstand, den Kopf freibekommen, besonders von der Arbeit. Da reichen zwei Wochen nicht. Ich möchte auch über einiges nachdenken, da werden sicher auch Tränen fließen, denn wir hatten auf der Station, jetzt, während der Pandemie auch heftige Situationen, die Erlebnisse verarbeitet man meistens erst später. Dann freue ich mich sehr, auf den Aufenthalt in der Natur für so lange Zeit. Das habe ich durch die viele Arbeit im Alltag sonst nicht so. Dann ist das eine gute Möglichkeit, das Land kennenzulernen. Landschaftlich wird das der Renner sein, das kann ich jetzt schon sagen. Dann möchte ich herausfinden, was und wieviel man so schaffen kann, wie viel kann ich mir zumuten, halte ich das aus, bin ich dafür fit genug?


Meerfreiheit: Und?


Julia: Ich bin 45 Jahre alt. Dann möchte ich auch überlegen, ob ich mit meiner Arbeit die nächsten zwanzig Jahre noch so weiter mache. Bleibe ich noch die nächsten zwanzig Jahre im Krankenhaus. Als Anästhesistin hat man nicht so viele Möglichkeiten. Will ich doch noch einmal etwas ändern? Um solche Überlegungen anzustellen, braucht man eine längere Zeit.


Meerfreiheit: Du hattest bei unserem ersten Kennenlernen ganz begeistert von deinem Praktikum als Wattführerin auf Amrum erzählt, vielleicht wirst Du ja eines Tages nebenbei noch  Wattführerin.


Julia: Ja, das wäre schon eine Überlegung wert. Aber das Geld ist auch ein Faktor. Ich habe jetzt einen sicheren Job, in dem ich gut verdiene. Die Überlegung ist schon da, die Arbeitszeit  zu reduzieren auf eine halbe Stelle, die dann allerdings schnell zu einer vollen Stelle werden kann, und dann dazu in einem anderen Bereich eine Tätigkeit suchen, die mir etwas bringt, obwohl ich ganz gern im Krankenhaus arbeite. Ich war auch schon in einer Wildnisschule und habe dort etwas gemacht, mein Sohn war dabei, man könnte auch dazu noch eine Zusatzausbildung machen. Es ist aber nicht so leicht, im Naturbereich einen Beruf zu finden, wenn man nicht aus diesem Bereich kommt, so wie Förster oder eine naturbezogene Ausbildung hat. Interessant finde ich auch, Projekte zu begleiten. Das wäre auch einfacher zu organisieren. So zum Beispiel als Arzt auf einem Forschungsschiff, wo die Einsatzzeit begrenzt wäre. Das würde mir gefallen, weil der Einsatz nur für eine bestimmte Zeit wäre und dadurch das Erleben des Neuen sehr intensiv ist. Man fällt nicht so leicht in die Routine einer länger dauernden Tätigkeit. Ich bin jetzt aber gespannt auf Begegnungen in Norwegen und wohin das dann führen könnte, beziehungsweise. was daraus entsteht.


Meerfreiheit: Woher kommt deine Liebe für Norwegen?


Julia: Die Liebe gilt Skandinavien allgemein, nicht nur Norwegen. Als Kind war ich viel im Urlaub in Dänemark, wie das ja oft üblich war, wenn man aus Norddeutschland ist. Meine Eltern gehören noch zu der Generation, die nicht weit in die Ferne verreisten. Ich fand es als Kind immer wunderbar in Dänemark, da war es entspannt mit den Eltern, da war der Strand, das Meer, der Wind, die Wellen, Nordseeküste. Das prägt ja zuerst einmal. Dann hatte mein Vater, durch den Sport, ein Ehepaar aus Norwegen kennengelernt. Die beiden hatten ihn eingeladen. Wer weiß, vielleicht dachten sie auch, daraus wird sowieso nichts. Aber mein Vater, der sehr aufgeschlossen ist, meinte, da fahren wir einmal hin. Dann sind wir nach Norwegen in Urlaub gefahren, zu einer Familie, die wir eigentlich gar nicht kannten. Wir durften in deren Sommerhütte, ohne Strom und fließendem Wasser, wohnen. Das fand ich als Kind ganz toll. Die Natur, die Landschaft, die Menschen, auch die Sprache fand ich interessant. Diese Freundschaft hat sich dann vertieft . Wir sind schon seit Mitte der 80er Jahre befreundet. Ich habe dann mit 15, 16 Jahren, norwegisch gelernt, ganz klassisch, an der Volkshochschule, mit vielen Senioren im Kurs. So war das eben. Aber ich wollte mich ja auch einmal unterhalten können und Norwegisch konnte auch nicht jeder.


Meerfreiheit: Ist deine Liebe zu Skandinavien auch auf deinen Mann und deinen Sohn übergesprungen?


Julia: Na ja, mein Mann wäre wohl auch gerne öfter in den Süden geflogen, wie er es kannte. Ich bin auch ein paar Mal mitgeflogen, kann ja auch interessant sein. Doch ich fliege nicht gerne, das gebe ich zu, und dann nur das Strandleben und dann die trockene Landschaft, das war nichts für mich. Zuerst war mein Mann nicht so begeistert, aber inzwischen sagt er auch schon mal, ein nächster Urlaub in Dänemark wäre schön. Wir waren in diesem Jahr auf Laesø, einer kleinen Insel im Kattegat.  Ziemlich einsam, landschaftlich wunderschön. Wir waren eine Woche dort und es war der schönste Urlaub seit Langem. Mein Sohn liebt Dänemark und Norwegen.  Er wird wohl später, mit seinen Kumpels, auch die üblichen Mallorcareisen machen, das soll er gerne tun. Doch ich glaube, wir haben ihn mit unseren Urlauben schon geprägt. Wir waren auch ganz viel auf Rømø das ist seine Insel, da will er immer wieder hin. 


Meerfreiheit: Was habt ihr während euer Urlaube gemacht?


Julia: Das typische skandinavische "Hygge" - Leben, Hüttenleben, in den Tag hinein, ein bisschen wie auf Saltkrokan. Viel lesen, in der Natur sein, den Augenblick genießen. Dann, stundenlang am Meer entlang laufen, gar nicht viel reden, Steine angucken, einfach einmal nicht nachdenken. Hört sich vielleicht blöd an, ist es aber gar nicht.


Meerfreiheit: Kennst du von dem Olavsweg schon von einer früheren Reise?


Julia: Kaum. Ich war schon in Lillehammer und einmal auch in Trondheim. Sonst waren wir an anderen Orten in Norwegen. In diesen beiden Städten war ich wenigstens schon einmal. An Trondheim kann ich mich nicht mehr so gut erinnern, weil ich damals noch zu jung war. Lillehammer kenne ich besser, da hatten wir vor einiger Zeit einmal ein cooles Wochenende, und haben eine verrückte Aktion gemacht, auch um unserem Sohn zu zeigen, dass man etwas einmal gemacht haben sollte. Das war 2018, ich kam freitags aus dem Nachtdienst, 24-Stunden-Dienst; wir sind dann nach Oslo geflogen, weiter mit der Bahn nach Lillehammer, sind samstags zum Skilaufen, abends auf ein Konzert, Sonntag mittag dann zurückgeflogen und ich bin dann gleich zum Nachtdienst. Das war im Dezember. Das war das tollste Wochenende, das wir je hatten, wir wollten unserem Sohn zeigen, dass man so etwas auch einfach einmal tun sollte, obwohl es super teuer und super anstrengend war. Mein Sohn ja ist ein Weihnachtskind und es war ein Weihnachtskonzert, mit einem norwegischen Sänger, den ich sehr schätze. Also Lillehammer war einfach nur toll. Wir hatten Schnee ohne Ende, und es war so cool, im Dezember einmal Schnee zu haben.


Meerfreiheit: Du möchtest für euren Sohn ein Vorbild sein? Nach dem Motto: Mach’, leb’ …


Julia: Vorbild, da weiß ich nicht, ob er das so gut findet, aber zumindest vorleben, ihm etwas mitgeben, dass er genug Ideen hat. Ich glaube, er findet nicht alles so toll, besonders was ich mache, zumindest bis jetzt, vielleicht sieht er das später anders und denkt, das war doch ganz cool, was Mama da so gemacht hat. Wir möchten ihm viel gezeigt haben, ihm Möglichkeiten geben und ihm etwas vorleben, was er für sein Leben mitnehmen kann.


Meerfreiheit: Wie hat deine Familie auf den Entschluss reagiert? 


Julia: Mein Sohn reagierte ziemlich nüchtern, indem er sagte, das passe zu mir. Er kennt mich ja und ich mache auch jetzt schon Dinge nur für mich. Er bezeichnet mich auch manchmal als ein bisschen verrückt. Mein Mann sagte nur, wenn du meinst, du musst das tun, dann tu es. Die beiden sehen das ganz entspannt und nüchtern. Mein Mann sagte, er würde mich wohl vermissen, aber wenn ich es tun will, muss ich es halt tun.


Meerfreiheit: Er hätte ja auch sagen können, du nimmst dir das jetzt heraus und ich muss hier die Stellung halten.


Julia: Nein, so würde er es nie sagen. So haben wir das auch nicht gelebt bisher. Wir geben uns gegenseitig den Freiraum, dass man tun kann, was man möchte. Eine Ehe bedeutet ja nicht, dass man alles zu zweit machen muss. Jeder hat auch andere Interessen. Mein Mann würde zum Beispiel nie alleine sechs Wochen mit dem Rucksack durch die Gegend laufen, so wie ich. Das würde auch organisatorisch gar nicht gehen. Ich würde meinen Sohn auch keine sechs Wochen alleine zuhause lassen. Ich bin nicht der Meinung, dass man sich immer dem anderen anpassen sollte. Ich würde auch nicht anfangen, Golf zu spielen, einfach, weil es mich nicht interessiert. Wenn wir beide das so nicht leben würden, hätten wir Stress.


Meerfreiheit: Wie ist das jetzt mit den sechs Wochen, die du unbezahlt frei nehmen wirst? Was wäre, wenn dir diese sechs Wochen vom Arbeitgeber nicht erlaubt worden wären?


Julia: Das habe ich mir natürlich vorher auch überlegt. Ich habe aber ein sehr nettes Arbeitsverhältnis, eine tolle Chefin, von der ich wusste, dass sie so etwas gut findet. Sie hat sofort zugestimmt, aber die Entscheidung lag nicht nur bei ihr allein. Ich hatte für das Krankenhaus bereits sehr viel Flexibilität gezeigt und wenn ich die Genehmigung nicht bekommen hätte, hatte ich auch erwogen zu kündigen und mir später dann etwas Neues zu suchen. Ich habe auch sämtliche Elternzeiten der anderen Kollegen mitgetragen, habe immer mal wieder aufgestockt in der Zeit und mehr gearbeitet. Dabei fragt ja auch niemand, wie die Elternzeit-Ausfälle aufgefangen werden.


Meerfreiheit: Wie waren die Reaktionen außerhalb der Familie?


Julia: Meine Chefin war bis jetzt noch nicht pilgern, sucht sich aber auch immer irgendwelche Kraftquellen. Sie macht zum Beispiel Fastenurlaube und anderes. In ihrer ersten Reaktion als Chefin, war sie natürlich nicht begeistert, privat wäre sie aber wohl gerne mitgekommen. Als Chefin wäre so eine Auszeit eher schwierig. Von den anderen Kollegen kam nicht so viel. Die Kollegen kennen mich aber alle schon sehr lange, wir sind schon sehr lange ein Team, so dass sie sich nicht wundern.

Und in meinem Freundeskreis gibt es einige, die das auch sofort machen würden, können es aber nicht, weil sie es logistisch nicht lösen können. Weil sie zum Beispiel noch kleine Kinder haben, die man noch nicht alleine lassen kann. Oder, wie bei meiner Freundin, die einen sehr alten Hund hat, den man nicht einmal eben so irgendwo abgeben kann, wohin denn auch. Dieser Freundin würde ich das auch zutrauen. Es gibt auch noch den finanziellen Aspekt, den der eine oder andere nicht außer Acht lassen kann. Denn gibt es aber auch die Leute, die würden immer etwas finden, so etwas nicht zu tun. Sei es aus Angst oder irgend einem anderen Grund.


Meerfreiheit: Plant dein Mann im nächsten Jahr auch einen Urlaub nur für sich, beziehungsweise wie lebt ihr eure Partnerschaft?


Julia: Jedes Paar muss sich ja auch selbst finden. Und wenn das klassische Weltbild gelebt wird und die Partner sind damit glücklich, ist das auch in Ordnung. Für mich würde das nicht funktionieren. Ich brauche auch meine eigenen Bereiche. Mit dem Älterwerden habe ich das für mich erkannt. Ich will der Familie keine Zeit klauen, aber es gibt Dinge, die muss ich alleine machen. Ich möchte nicht, so wie es früher oft war, definiert werden als die Frau von … . Diese Zeiten sind vorbei. Jeder hat seinen eigenen Bereich und kann etwas für sich machen. Ich glaube, das macht auf die Dauer auch glücklicher, als wenn Abhängigkeiten entstünden. In der Generation meiner Eltern bestanden diese ja noch, auch in finanzieller Hinsicht. Für mich gibt es meinen Mann und mich gemeinsam, aber auch jeden als Individuum. Dabei werden auch nicht alle Bereiche unbedingt geteilt. Das finde ich auch in Ordnung. Jeder hat ja seine Rollen im Leben und dann hat man auch eigene Bereiche, die man ausleben möchte. 


Meerfreiheit: Wie denkst Du, werden dein Mann und dein Sohn sich während deiner Abwesenheit alleine zurecht finden? 


Julia: Ich glaube schon, dass wir Frauen ein bisschen multitaskingfähig sind, und ich selbst bin ein vorausschauender und organisierter Mensch. Bei mir ist immer alles da und es ist alles gemacht und deshalb glaube ich, müssen die beiden sich noch miteinander absprechen, zum Beispiel, dass immer etwas zu essen da ist. Das wird auch alles klappen und wenn nicht, werden sie eine Lösung finden. Bisher mussten sie das noch nicht. Ich habe so einen stressigen Beruf, deswegen möchte ich zu Hause möglichst keinen Stress. Deshalb bin ich organisiert und plane vor. Das wird wegfallen. Ich bin das gar nicht schadenfroh. Die beiden haben eine andere Lebenseinstellung und andere Bedingungen. Beide haben zu manchen Dingen eine andere Einstellung als ich. Wenn ich nach Hause komme, will ich mich wohlfühlen, ich will in kein Chaos kommen, ich brauche Ordnung in meinem Leben, ich räume alles rechtzeitig weg, denn es wird ja nicht besser. Wenn ich nach den Nachtdiensten erst Dinge erledigen muss, bin ich genervt, ich will ich mich wohlfühlen. Ich will damit nicht zeigen, dass ich es besser kann. Sie werden sich organisieren müssen, was sie bisher so nicht brauchten. Die beiden werden sich das eine oder andere noch nicht vorstellen können, aber das wird klappen, wenn auch anders als bei mir. Ich bin gespannt, was es in diesen sechs Wochen zu essen geben wird. Aber ich komme ja wieder und meine Bio-Kiste auch. Wahrscheinlich wird es hier viel Pizza und Burger geben. Aber vielleicht werden die beiden dann später meinen Salat zu schätzen wissen.


Meerfreiheit: Bist du mit der Wahl deines Berufes zufrieden?


Julia: Doch, ja. Ich war zuerst Krankenschwester und habe dann studiert. Ich bin ja Anästhesistin. Das war so gar nicht geplant. Das ist einfach so zu mir gekommen, ohne dass ich auf etwas Bestimmtes fixiert war. Ich glaube schon, dass mein Werdegang so der richtige war. Der Job ist gerade hart, dennoch habe ich nie daran gezweifelt, das Richtige gemacht zu haben. Manchmal fragt man sich, warum man sich den Stress antut, im Krankenhaus zu arbeiten. Andernorts würde man vielleicht besser bezahlt werden. Aber dann hätte man vielleicht auch nicht die Erlebnisse mit Menschen, die einem selbst auch viel geben. 


Meerfreiheit: Also ist es auch die Arbeit mit den Menschen und am Menschen, die für dich wichtig ist?


Julia: Ja, da kann man viel geben und auch viel mitnehmen aus den Begegnungen. Es gibt ja auch Sätze, die man sammelt in seinem Berufsleben, sei es von Kollegen oder Patienten, die einem selbst helfen in seinem Leben. Gerade die älteren Patienten geben einem so viel Mut und Leichtigkeit zurück.


Meerfreiheit: Wie meinst du das? Was vermitteln sie denn?


Julia: Es ist oft die Gelassenheit, die die Älteren vermitteln. Wir haben ja auch öfter schwerkranke Patienten, wo man dann denkt, dass dieser doch so leidet. Aber dann hört man gerade von den älteren Patienten, nein, es ist nun so gekommen, man muss das so hinnehmen, ich hatte ein gutes Leben und nun ist es gut so, wie es ist. Wenn man das so sagen kann, loslassen kann, und dann ohne Angst dastehen kann, das können diese Menschen einem vermitteln. Den Ausspruch meiner Chefin "Angst ist ein schlechter Begleiter" - diesen Satz nehme ich auch für mein Leben mit. Und den hätte ich wohl so in einem Wirtschaftsunternehmen nicht gehört.


Meerfreiheit: Ich habe vor ein paar Tagen gelesen: Man darf vor lauter Angst nicht vergessen zu leben.


Julia: Grundsätzlich ist Angst ja nichts schlechtes. Sie zu ignorieren wäre auch nicht gut. Aber die Angst wieder loszuwerden, muss ja das Ziel sein. 


Meerfreiheit: Gibt es etwas, wovor du nach deiner Wiederkehr Angst oder Bedenken hast?


Julia: Nein, das habe ich nicht. Es werden auch Erlebnisse kommen, die nicht so schön sind, aber daran reift und wächst man. Danach werde ich wieder sehr motiviert ins Arbeitsleben starten. Tolle Erlebnisse nimmt man ja auch mit und ich rede auch sehr gerne mit Patienten, besonders nachts, und ich glaube ich bin jemand, der auch Patienten sehr viel geben kann. Und wer weiß, wenn die Sprache darauf kommt, vielleicht löst das auch bei den Patienten irgend etwas aus. Nein, Angst vor dem "danach" habe ich nicht.


Meerfreiheit: Vielleicht Angst vor dem "Süchtig-Werden" nach der nächsten Auszeit?


Julia: Nein, das wäre auch unrealistisch. Das kann man nicht häufig machen. Und ich bin auch jemand, der dann doch auch seine Arbeit vermisst. Vielleicht mache ich so etwas zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal. Ich glaube, der Mix macht es. Ich habe im August noch eine Woche ein Pilgerprojekt mit den Konfirmanden, das ich betreue und gestalte und da bin ich gespannt, wie das mit den Jugendlichen wird nach dieser Erfahrung, die ich gemacht haben werde. Vielleicht ist es für sie nur Spaß und Freude, so ohne Eltern. Ich hoffe aber, dass ich denen aus meiner Erfahrung etwas mitgeben kann.


Meerfreiheit: Glaubst du, dass das Finanzielle bei der Verwirklichung seiner Träume eine große Rolle spielt?


Julia: Es macht es leichter, keine Frage. Viele Träume kosten ja gar nicht so viel, da ist es eher der Mut. Aber ja, ich habe einen krisenfesten Job, das macht es leichter Es ginge aber auch ohne, dann braucht man mehr Mut. Ich habe die Sicherheit, das macht es leichter, aber ich glaube, ich hätte es sonst trotzdem gemacht.

Besonders wenn man jünger ist, will man noch vieles haben und sich leisten, aber jetzt, das Kind ist groß, man hat auch etwas erlebt und so merke ich, dass ich inzwischen immer mehr die Basics schätzen lerne. Ich muss keine teuren Cluburlaube machen. Klar, in jungen Jahren habe ich auch die teuren Hotels toll gefunden, aber inzwischen reicht mir auch eine Sommerhütte. Obwohl ich die finanzielle Sicherheit habe, sinken meine Ansprüche. Das ist vielleicht auch Glück.


Meerfreiheit: Danke für das inspirierende Gespräch und viel Spaß bei deinem Abenteuer.

16. Dezember - Ausblick ins Abenteuer


Wer kennt ihn nicht - den König der Detektive? Den schlauesten Ermittler aller Zeiten. Held unserer Kindheit. Er ist sogar "Schuld" an unserer Liebe zu Foxterriern. Wir lieben Tim und Struppi als Comic genauso wie als Film und freuten uns heute ganz besonders über diese unerwartete Begegnung am Fenster eines Hauses in Aumühle mit "unserem Helden". Sehr wahrscheinlich plant Tim schon sein nächstes Abenteuer. Hoffentlich mit Kapitän Haddock und dem umwerfenden Professor Bienlein. Wenn nicht, auch nicht so schlimm, dann stöbern wir einfach mal wieder in unserer kompletten Comicsammlung von Tim und Struppi.

15. Dezember - Kaffee, Kekse und Kuchen zum Kaffeeklatsch


Heute waren unsere Mütter zu Besuch. Endlich nahmen wir uns einmal die Zeit und luden zu Kaffee, Kuchen und Keksen ein. Mareike hat das Backen - zumindest zeitweilig - wiederentdeckt: seien es Kekse, Baisers oder ein traumhaft schmeckender Käsekuchen - allesamt Leckereien, die lieber geteilt werden wollen. Wie schön war es heute, einmal tagsüber für drei Stunden den Computer auszuschalten, um sich stattdessen gemeinsam auf Weihnachten zu freuen.

14. Dezember - Danke, Peter!


Da konnten wir einfach nicht vorbei gehen ohne um ein Foto zu bitten. Peter saß im Malstudio von Ingrid Knobloch in Wohltorf und war vertieft in sein Werk, als wir kurzerhand an der Tür klopften. Ohne zu zögern sagte er zu und war danach augenblicklich wieder in seine Arbeit vertieft. Es ist in der dunklen Jahreszeit besonders schön zu beobachten, wie Menschen in die Malerei eintauchen und die Welt um sie herum für den Moment zu vergessen.

13. Dezember - "Long time no see"


So oder so ähnlich dachten wir, als es heute an unserer Tür klingelte und Petra uns anstrahlte. Wir haben Petra vor vielen Jahren durch die gemeinsame Leidenschaft für den Tango Argentino kennengelernt und uns heute nach fast zwei Jahren endlich einmal wieder gesehen. Wir sprachen über all die Dinge, die wir in der Zwischenzeit erlebt haben: Über die Höhen und Tiefen unserer Leben, über Freundschaft, Vertrauen und Beziehungen. Und über den Wunsch, endlich mal wieder Tango zu tanzen. Wir werden hoffentlich im kommenden Jahr die Tangogruppe im Studio wieder aufleben lassen. Das gemeinsame Üben, die Musik und den mitgebrachten Kuchen genießen und uns über Petras positive Lebenseinstellung freuen .

12. Dezember - Märchenstunde


Es ist der dritte Advent und wir fahren durch Geesthacht. Überall blinkt und leuchtet die Weihnachtsdeko - mal geschmackvoll und mal ... naja, lassen wir das. Aber wirklich überall? Nein. Denn es gibt einen Ort in dieser Stadt an der Elbe, da wird es märchenhaft. Und da Christian glücklicherweise ein ausgewieser Märchenonkel ist, konnten wir nach einigem Schauen und Überlegen die abgebildeten Märchen erkennen und benennen. Da haben uns überlegt, dass der oder die Erste, der/die uns eine Liste mit den Namen der auf dem Foto abgebildeten Märchen per E-Mail schickt, von uns ein paar selbst gebackene Kekse passend zur Vorweihnachtszeit bekommt - wenn dann noch welche übrig sind ...

11. Dezember - Weihnachtsmarkt im kleinen Kreis


Gerade eben kamen wir von Hamburgs kleinstem Weihnachtsmarkt zurück. Einige Stunden unbeschwerten Zusammenseins mit Alexander und Andreas im privaten Kreis. Dazu gab es gegrillte Würstchen bei Nieselregen auf dem Balkon, selbstgemachter Punsch mit und ohne, Salat, Brötchen und fertig ist das Glück. Kein Telefonat, keine E-Mail und kein Zoom-Meeting kann diesen persönlichen Kontakt ersetzen, diese Nähe, diese Vertrautheit - da kam selbst bei diesem Wetter Weihnachtsstimmung auf.

10. Dezember - Zum Abschied gab es Grünkohl, Kalbsleber mit Zwiebeln und ein Pils


Liegt es nur an der dunklen Jahreszeit oder warum fällt im Herbst öfter das Wort "Abschied"? Heute ging es zum letzten Mal in Niemann's Gasthof zum Essen - das Traditionshaus schliesst nach über 160 Jahren seine Türen, denn bisher ist kein passender Betreiber für die Gaststube gefunden worden. So hat Christian die letzte Chance genutzt und unsere Freundin Karin zu einem Dankeschön-Essen eingeladen. An den Besuchern kann das Schließen des Gasthofes offensichtlich nicht gelegen haben: Nicht nur jeder Tisch war besetzt, sondern auch jeder Stuhl.  Beim Abschied schwang ein bisschen Wehmut mit, als ein letztes Mal "Auf Wiedersehen" gesagt wurde, wo doch bereits klar war - hier wird es so schnell kein Wiedersehen mehr geben.

09. Dezember - Nur keine Umstände


Christians Mutter zu fotografieren ist ein schwieriges Unterfangen. "Nein, ich möchte eigentlich nicht. - Warum denn? - Warum jetzt? - Muss das denn sein?" Jedesmal ist es das Gleiche. Die Überrumpelungstaktik ist das einzige, was hilft. So wie auch heute. "Seid ihr heute nachmittag im Studio? Dann bringe ich euch schnell zwei Berliner von Baumgarten vorbei." Warum das immer schnell gehen muss, ist uns bis heute ein Rätsel, aber egal. Christians Mutter möchte eben nicht stören. Dabei denken wir gerade an ihren stets ersten Satz beim Telefonieren: "Störe ich oder passt es gerade?" Wie oft haben wir auf diese Frage schon mit: "Wenn Du stören würdest, würden wir gar nicht ans Telefon gehen" geantwortet – aber diese Frage wird wohl auch weiterhin nicht ausbleiben. Dabei ist ist eine der herausragenden Eigenschaften, dass Christians Mutter stets sehr direkt ist und kein Blatt vor den Mund nimmt. Und obwohl das nicht immer einfach ist, ist es für uns doch eine Wohltat, da wir stets wissen, woran wir sind. Und so ganz nebenbei macht sie auch als Fotomodel einen guten Eindruck. Für das alles und noch viel mehr haben wir sie sehr lieb.

08. Dezember - Macht Wissen glücklich?

 

Der Jungfernstieg ist eine der bekanntesten Straßen Hamburgs, liegt an der Binnenalster und ist heute als Einkaufsmeile weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Er verläuft von der Reesendammbrücke bis zum Gänsemarkt und war die erste Straße in Deutschland, die 1838 asphaltiert wurde. Ursprünglich war er 1235 zur Aufstauung der Binnenalster als Damm gebaut und bekam den noch heute bekannten Namen "Jungfernstieg" erst im Jahr 1931 durch einen bürgerlichen Ritus: Auf der Flaniermeile führten sonntags Familien ihre unverheirateten Damen, die Jungfern, spazieren. Aha - da haben wir also wieder einmal etwas gelernt. Ob uns das nun glücklicher macht, sei dahingestellt.

07. Dezember - Der Magier am Herd


Es gibt Menschen, die kochen aus dem Bauch heraus, wie zum Beispiel Mareike. Dann es gibt Menschen, die ohne Rezept vollkommen aufgeschmissen sind, wie Christian. Und dann gibt es Ole, der sowohl mit dem Bauch als auch mit dem Kopf kocht. Und dabei passieren oft magische Dinge. Wir hatten in der letzten Woche mal wieder das Vergnügen in den Genuss seiner Kochliebe zu kommen. Diesmal gab es als Beilage (zumindest war das anfangs so gedacht) selbstgemachte Pommes nach belgischem Vorbild. Die wurden von Ole in (belgischem) Rinderfett in zwei Stufen frittiert und waren - als wir sie dann auf dem Teller hatten - die Attraktion. Bis zum Ende des Abends gab es dann drei oder vier weitere Pommes-Durchgänge (was natürlich der für vier Personen viel zu kleinen Fritteuse geschuldet war) - wir haben da jedenfalls den Überblick verloren. Sicher ist nur, dass uns ein letztes Fünkchen Anstand davon abhielt, um nach noch einem weiteren Durchgang zu bitten.

06. Dezember - Auf gute Nachbarschaft


Birgit und Jörn waren heute Abend bei uns zu Gast und brachten neben einem ganzen Blech ofenfertiger Pizza diverse Magazine aus dem Wendland namens "Landluft" mit. Wir sprachen über das "echte" Wendland und ob Hitzacker nun noch dazu gehören würde oder allenfalls eine "Randerscheinung" sei. Das Wichtigste aber war, dass unser Entdeckergen geweckt wurde und wir uns durch die Erzählungen der beiden auf viele neue Eindrücke im nächsten Jahr im Wendland freuen, wie zum Beispiel auf die kulturelle Landpartie, den Gartower See, auf das Restaurant "Altes Haus" in Jarmeln, genauso wie auf die Nemitzer Heide. Und das ist nur der Anfang einer langen Entdeckertour durch eine der am dünnsten besiedelten Regionen Norddeutschlands.

05. Dezember - "Lost in Geschmack"


Inspiration ist alles. Seit wir vor ein paar Wochen angefangen haben die Hörbücher von "Lost in Fuseta" Abend für Abend zu hören – mittlerweile sind wir bei Band 4 angekommen – träumen wir nicht nur von der Algarve, dem Atlantik und der Wärme, sondern ebenso von dem portugiesischen Essen, das wir im letzten Jahr leider nur viel zu kurz genießen konnten. Aber ein bisschen Portugal, haben wir uns gedacht, geht auch im kühlen Norden Deutschlands und so machten wir uns gestern an unsere ersten portugiesische Puddingtörtchen: Pastéis de Nata. 
Beim probieren der kleinen Köstlichkeiten mit geschlossenen Augen saßen wir wieder in einem kleinen Café an der Algarve und träumten von unserer nächsten Reise nach Portugal.

04. Dezember - Andrej ist gestorben - ein Nachruf.


Gestern am späten Abend bekamen wir die Nachricht, dass Andrej Hoteev gestorben ist. Ihn und Christian verband eine 30-jährige Freundschaft. Angefangen hatte alles mit der Bitte um einige SW-Fotos für Pressezwecke. Wenige Jahre später begleitete Christian ihn und seine Familie nach St. Petersburg, wohnte dort für über eine Woche bei Freunden und dokumentierte Andrejs Leben und Arbeiten in Russland als Pianist. Unter anderem begleitete Christian die CD-Aufnahme von Tschaikovskys 3. Klavierkonzert unter Ravil Martynov mit den St. Petersburger Symphonikern. Die Begegnungen mit Andrej waren immer intensiv. Das Thema Musik stand dabei oft an erster Stelle, gefolgt von philosophischen Betrachtungen, aktuellen politischen Entwicklungen in Russland und Deutschlnd oder einfach nur dem menschlichen Austausch untereinander. Andrej hatte eine so gute Kenntnis von der deutschen Kultur und Geschichte, dass wir dadrüber nur staunen konnten und wir sind dankbar darüber, durch eben diese Kenntnis vieles gelernt zu haben. Andrej war im besten Sinne ein Menschenfreund, ein fantastischer Erzähler, ein Motivator - nicht nur, wenn es um die Musik ging - und er war ein Freund. Unvergessen bleiben unsere DVD-Aufnahmen mit ihm im Reinbeker Schloß. Mit fünf Videokameras nahmen wir vor vielen Jahren seine Interpretation von Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" mit zusätzlichen Erklärungen zu diesem Werk auf. Lieber Andrej, wir werden Dich vermissen.

03. Dezember - Natürlich essen 

 

Heute bekamen wir unsere wöchentliche Lieferung der grünen Kiste und zu unserer Überraschung waren ein paar Walnüsse dabei. Als Einstimmung auf unser gemeinsames fotografisches Thema für 2022 "Natürlich essen – Natürlich lecker" haben wir gleich ein paar Probefotos gemacht. Reduziert vom Styling und von der Farbgebung. Jetzt sind wir gerade dabei aus den Walnüssen Birnen-Ziegenkäse-Tartes zu machen - kombiniert mit einem Kartoffelstampf und etwas Muskatnuss. Wir sind gespannt.

02. Dezember - Mit der Kamera andere Welten entdecken

Welten, die vielen anderen Menschen oft verborgen bleiben. Ob wir in Kanada den Blaubeeren auf der Spur sind, der Hamburger Feuerwehr in den Kochtopf schauen oder wie zurzeit ein spannendes Bauprojekt für einen Kunden fotografisch begleiten, immer entdecken wir etwas neues und für uns bis dahin vollkommen Unbekanntes. Vor einigen Tagen wurde auf der Baustelle der Kran angeliefert und aufgerichtet. Es war interessant mitzubekommen, was alles im Vorfeld notwendig ist, bevor so ein Kran endlich steht. Wie viele Gespräche, wie viel Rechenarbeit und Organisation vonnöten sind und - wie in diesem Fall - wie unzählige Stützen im Verborgenen aufstellt werden mussten, um den Kran statisch abzusichern. Aber genau dafür gibt es zum Glück Profis wie Baukranverleiher Olaf Müller und Architekt Matthias Weber.

01. Dezember - Ein Genussmensch aus dem Norden mit einer Schwäche für Espresso


Jens Mecklenburg ist Hamburger, lebt an der Kieler Förde und ist Herausgeber von "Nordische Esskultur", einem Online Magazin für gutes Essen mit nachhaltig produzierten Lebensmitteln. Heute trafen wir uns mit ihm in Hamburg in der Zimmerstraße 30 im Restaurant von Sebastian Junge, einem der besten Bioköche Deutschlands. Wir besprachen die weiteren Schritte zu einem Kochbuch, das im nächsten Jahr erscheinen soll. Es ging unter anderem um die Termin-abstimmung bei Lebensmittelproduzenten von Sebastian und um die Festlegung der Bildsprache der verschiedenen Gerichte, die wir bei ihm im Restaurant fotografieren wollen. Ein spannendes Projekt gemeinsam mit Jens Mecklenburg und Sebastian Junge, das wir als Fortsetzung unserer Arbeit für die Slow Food Chef Alliance im vergangenen Jahr sehen. Allein die Aussicht auf das Kennenlernen und Fotografieren weiterer Produzenten sauberer Lebensmittel lässt unsere Vorfreude wachsen.

30. November - Kann denn Liebe Sünde sein?


Heute waren wir bei Celina und Torben. Die beiden haben im September in Binz auf Rügen still und heimlich geheiratet. Die einzigen Menschen, die an der Trauung außer ihnen teilnahmen, waren die Standesbeamtin und die Fotografin. Niemand - weder aus der Familie, noch aus dem Freundeskreis - wusste von diesem Termin. Aber alle haben sich, nachdem sie es bis zu 14 Tagen später erfuhren, für diese beiden liebenswerten Menschen gefreut. Celina und Torben haben für sich eine Form der Kommunikation miteinander gefunden, die uns immer wieder staunen lässt. Nichts wird unter den Teppich gekehrt, sondern die eigenen Bedürfnisse offen angesprochen. Die daraus resultierende Lebendigkeit spürt man einfach in ihrer Beziehung. Aber auch das gemeinsame Schweigen liegt den beiden am Herzen. Heute Abend wurde nach so langer Zeit unseres Wiedersehens jedoch nicht geschwiegen.

29. November - Von der Kunst der Improvisation

Gestern wollten wir im Adventsrausch einfach mal wieder Plätzchen backen und in einem Anfall sentimentaler Gefühle sollte es Spritzgebäck werden.
Der Teig war schnell angerührt, doch schon beim Kneten merkten wir, dass dieser viel zu mächtig für den uns zur Verfügung stehenden (Sahne-) Spritzbeutel war. Das Rezept empfahl nämlich einen Fleischwolf mit Plätzchenaufsatz. In Ermangelung dieses nostalgischen Küchengerätes mussten wir also kurzfristig umdisponieren. Da der Teig als solcher jedoch recht gut geraten war, beschlossen wir kurzerhand ihn wie Mürbeteig zu behandeln und für einige Zeit in den Kühlschrank zu legen. Die daraufhin entstandenen Plätzchen in Sternform wurden sogar sehr lecker. Es empfiehlt sich also immer einen "Plan B" zu haben.

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