Liebe Fans des Logbuchs und treue Mitleser, wir bitten zu entschuldigen, dass wir aufgrund technischer Probleme in den kommenden 10 Tagen keine Beiträge veröffentlichen können. Wir werden das alles nachholen - versprochen!
31. Mai – Ernüchterung
Staunen und Träumen – das sind die Empfindungen, die uns bei diesem Anblick sofort in den Sinn kommen. Wenn es dunkel ist und die Szene zugleich vom warmen Licht einer Straßenlaterne erhellt wird, entsteht eine besondere Behaglichkeit. Genau so fühlen wir uns an diesem Ort.
Heute sind wir aus familiären Gründen nach London gereist, in Heathrow gelandet und anschließend mit der Bahn zur Paddington Station gefahren. Dort empfing uns ein derart gewaltiger Lärmpegel, dass uns unwillkürlich der Gedanke kam: Gesund kann das Leben in einer Großstadt kaum sein.
30. Mai – Ausblick
Wir stehen mit Freunden am Meer, den Blick auf die geliebte Burg Hammershus gerichtet, sprechen über die vergangenen Tage und kosten den Augenblick aus. Doch schon wandern unsere Gedanken weiter – zu dem, was die kommenden zehn Tage bereithalten. Auch dann wird es uns wieder ans Meer ziehen: zunächst nach London zu einer Feierlichkeit und gleich im Anschluss weiter nach Tanger in Marokko.
Wir freuen uns auf neue Eindrücke, die ganz anders sein dürften als alles, was uns hier umgeben hat. Und doch bleibt ein verbindendes Element: das Wasser. Die unendliche Weite des Meeres, die Sehnsucht weckt und jene kindliche Freude am Entdecken entfacht, die jede Reise so besonders macht.
29. Mai – Zehn Tage Stille und Glück
Was könnte zehn Tage besser zeigen als immer derselbe Ausschnitt, aber jedes Mal in einem ganz anderen Licht und einer anderen Stimmung?
Alles hängt davon ab, wie sich das Licht verändert und wie es sich auf der Oberfläche des Wassers spiegelt. Für uns ist es eine schöne Art, auf diesen Urlaub zurückzublicken. Denn wenn wir diese Bilder anschauen, kommen die Erinnerungen immer wieder zurück: an die beeindruckende Natur Bornholms, besonders im Norden dieser wunderbaren Insel, und an die vielen spektakulären Ausblicke, die wir über die Ostsee hatten.
28 Mai – Am Ende bleibt die Hoffnung
Wir haben Entenmütter gesehen, die zwölf junge Entlein im Schlepptau hatten, und waren begeistert von diesem Anblick vor der Felsenküste Nordbornholms: wie die Kleinen, von ihrer Mutter geführt, durch die Wellen schwammen, untertauchten, wieder auftauchten, weiterschwammen und schließlich auf einem der zahlreichen Felsen kurz Rast machten.
Gestern beobachteten wir im Hammerhaven eine Entenmutter mit nur noch einem einzigen Küken. Wir beobachteten die beiden eine ganze Weile und bemerkten, wie die Entenmama mit Arusaugen über das Kleine wachte. Was mag aus der ganzen Schar des anderen geworden sein? Hat das Meer sie verschlungen? Sind sie den zahlreichen, nicht gerade zimperlichen Möwen zum Opfer gefallen? Wir wissen es nicht. Wir spüren nur, wie sehr uns das Natürliche fremd geworden ist – und wie schwer es uns fällt zu begreifen, dass andere Lebewesen ohne Beute, ohne Küken, nicht überleben könnten. Wir verließen die beiden in der Hoffnung, dass zumindest dieses eine Küken überlebt.
27. Mai – Gute Nacht
Warum wir hier auf Bornholm so selten früh ins Bett gehen? Wegen dieses spektakulären Nachthimmels. Wir kommen aus dem Staunen kaum heraus. Und jedes Mal, wenn wir glauben, schöner könne er nun wirklich nicht mehr werden, verwandelt er sich erneut: wechselt die Farben, beginnt anders zu leuchten, bis die Sonne für einen kurzen Augenblick ganz im Meer versinkt.
Vier Stunden später ist sie schon wieder da. Erst kündigt sie sich mit einem zarten Schimmern an, dann erscheint sie umso verlockender und farbenfroher. "Komm zum Meer", scheint sie uns zuzurufen. Doch am Ende siegt meistens die Schwerkraft – wir ziehen die Decke über den Kopf und schlafen noch ein paar Stunden weiter. Aber manchmal – ganz selten – gehen wir zum Sonnenaufgang auf die Felsen und genießen die ersten Sonnenstrahlen des Tages.
26. Mai – Räucherware
Eigentlich sind wir keine Fischesser. Das gilt allerdings nur, solange wir nicht auf Bornholm sind. Dort verschiebt sich unser Speiseplan wie von selbst: weniger Gemüse und Fleisch, mehr Salat und Fisch. Am liebsten Räucherfisch – Makrele oder Lachs.
Dass der Fisch aus den wenigen verbliebenen Räuchereien der Insel längst nicht mehr (oder nur noch in sehr geringer Zahl) aus heimischen Gewässern stammt, sondern von weiter her kommt, hört man immer wieder. Der Vorstellung tut das kaum Abbruch. Die Nähe zum Meer reicht aus, um Appetit auf Fisch zu machen, und so essen wir auf Bornholm ganz selbstverständlich mehr davon als sonst.
Ganz fischlos scheint das Meer rings um die Insel jedoch nicht zu sein. Dafür stehen zu viele Angler in den frühen Abendstunden an der Küste und warten geduldig auf ihren Fang. Zumindest reden wir uns das auf diese Art schön.
25. Mai – Unterwassertraumwelten
Bereits in unserer Kindheit konnten wir stundenlang am Ufer sitzen (eine maßlose – zeitliche – Übertreibung, wie Eltern sie gern verwenden, besonders wenn es um Beschäftigungen geht, deren Sinn sich ihnen nicht unmittelbar erschließt). Wir beobachteten kleine Tierchen im Wasser und versuchten natürlich, sie mit dem Kescher zu fangen.
In Christians Kindheit bevölkerten außerdem riesige Seeungeheuer die Fantasie: der Weiße Hai, Orcas, Wasserschlangen, Kraken und andere geheimnisvolle Fabelwesen. Umso unheimlicher war es für ihn anschließend, baden zu gehen – ohne zu wissen, was unter der Wasseroberfläche lauerte und nur darauf wartete, ihn zu zwicken. Vielleicht ist dieses Unbehagen bis heute geblieben oder aber, das Wasser ist ihm schlichtweg noch zu kalt.
Die Faszination des kristallklaren Wassers ist für uns beide nach wie vor ungebrochen und die Unterwasserwelt vor der Küste Bornholms ist nicht nur faszinierend zu beobachten; an manchen Stellen wirkt sie wie ein lebendiges Gemälde. Und kleine Tierchen beobachten wir immer noch gerne.
24. Mai – Was uns guttut
"Hast du das schon erledigt?" – "Daran muss ich unbedingt noch denken." – "Vergiss das bloß nicht!"
Manchmal drehen sich unsere Gedanken wie ein Brummkreisel um all die Dinge, die noch getan, entschieden oder erinnert werden wollen. Bei manchen Menschen rauben sie sogar den Schlaf. Und ganz frei davon ist wohl niemand.
Umso schöner ist es, ein Ritual zu haben, dem man jeden Tag nachgehen kann – unabhängig vom Wetter, unabhängig davon, was sonst noch ansteht. Etwas, das einem guttut. Etwas, das man niemandem erklären muss.
Für Christian auf Bornholm gehört genau das zu jedem Tag: einmal hinausgehen zu "seinem" Felsen am Meer, das Kamerastativ aufbauen – vermutlich bräuchte er es gar nicht, aber es gehört eben dazu – und mindestens ein Foto von immer demselben Ausschnitt machen.
Ein kleines tägliches Ritual.
Ein Moment nur für ihn.
Etwas, das einfach guttut.
23. Mai – Von der Kunst, auch im scheinbar Alltäglichen die Schönheit der Welt zu entdecken
Was macht einen Ort zu etwas Besonderem? Ist es seine Exklusivität, seine Aussicht oder das, was er zu bieten hat? Oder ist es vielmehr ein Gefühl, das wir mit ihm verbinden?
Jeder Mensch nimmt Orte anders wahr. Was für den einen unscheinbar wirkt, kann für einen anderen voller Bedeutung sein. Ein Weg, ein Café, ein Blick aus dem Fenster oder ein bestimmter Platz in der Natur können Erinnerungen wachrufen und Gefühle auslösen, die sich kaum erklären lassen.
Fast jeder Mensch hat einen solchen Sehnsuchtsort. Man versucht vielleicht, anderen zu erklären, warum gerade dieser Ort so besonders ist, doch oft stößt man auf Unverständnis. Das liegt daran, dass nicht alle dieselben Erinnerungen, Begegnungen und inneren Bilder mit diesem Ort verbinden.
Orte haben eine eigene Stimmung. Sie wirken auf uns, aber jeder Mensch spürt diese Wirkung anders. Oft ist es nicht der Ort allein, der uns berührt, sondern das, was wir mit ihm erlebt haben: ein Gespräch, ein Mensch, ein Moment der Ruhe oder eine bestimmte Zeit in unserem Leben.
Gerade darin liegt die Schönheit unserer Wahrnehmung. Wir können im scheinbar Alltäglichen etwas Einzigartiges entdecken. Die Welt wird nicht nur durch große Ereignisse oder außergewöhnliche Orte besonders, sondern durch das, was sie in uns auslösen. Manchmal genügt ein kleiner Moment, um uns daran zu erinnern, wie viel Schönheit im Gewöhnlichen verborgen liegt.
22. Mai – Einfach mal die Klappe halten
80 Millionen Bundestrainer werden wir wieder sein, wenn es in wenigen Tagen heißt: Die Fußballweltmeisterschaft 2026 hat begonnen.
Zu allem haben wir eine Meinung, kennen die Lösung und hören Expertinnen und Experten, die sich zu den unterschiedlichsten Themen äußern. Dabei wäre es doch manchmal einfach schön, nicht ständig herumzuquaken, sondern es wie dieser Frosch zu machen: einfach mal Ruhe geben – auch wenn er eigentlich ganz anders könnte.
Aber es ist eben noch zu kalt zum Balzen. Da lohnt sich das Quaken noch nicht.
21. Mai – Kontrollverlust – Korn für Korn
Man ist es nicht mehr gewohnt: Bilder, die unscharf aussehen. Das war unser erster Eindruck beim Betrachten der 36 Fotos, die wir aus dem Labor zurückbekamen. Seit langer Zeit hatten wir wieder einmal einen SW-Film in eine unserer zahlreichen Kameras eingelegt, die Belichtung gemessen, manuell scharf gestellt und dann mit einem satten Klick ausgelöst. Sofort galt unser Blick der Rückseite der Kamera. Wie sieht das Bild aus? Ist es scharf? Richtig belichtet? Pustekuchen. Kein Display strahlte uns an. Nichts, was wir kontrollieren konnten. Was blieb, war die Frage, wie wir jemals so beruflich fotografieren konnten. Wie wir mit der ganzen Unsicherheit leben konnten, die die analoge Fotografie mit sich brachte. Ein Wunder – gerade heute, wo wir alles kontrollieren wollen oder zumindest meinen, alles kontrollieren zu können.
20. Mai – Die perfekte Runde
Fünf Menschen. Ein Spiel. Die letzte Runde. Und tatsächlich: Alle hatten richtig geraten – oder ihre eigenen Begriffe waren richtig erraten worden. Was für ein Finale! Nach zwei Stunden konzentrierten Spielens von „Krazy Wordz“ freuten wir uns über diesen gelungenen Abschluss eines schönen Abends, das uns bisher noch nie langweilig wurde.
Auf der Fahrt zurück zum Ferienhaus gönnten wir uns noch einen letzten Blick aufs Meer, in dessen Wasser sich die letzten Strahlen des Abendlichts spiegelten.
19. Mai – Streichholzwetter
Was für eine Wortschöpfung ist das denn nun wieder? Eigentlich ganz einfach: Das Wetter auf Bornholm sorgt derzeit dafür, dass ich aussehe wie ein Streichholz – zumindest behauptet das Mareike. Und ehrlicherweise muss ich ihr Recht geben. Zwei Tage Sonne, noch verstärkt durch die Reflexion des Meeres, reichen bei mir vollkommen aus, um mich optisch in ein solches zu verwandeln: oben ziemlich rot, darunter schneeweiß.
Für den Mister-Universum-Wettbewerb qualifiziert mich das vermutlich eher nicht. Aber zum Anschauen ist es offenbar durchaus unterhaltsam. Zum Glück muss ich es ja nicht selbst sehen.
Abgesehen davon haben wir heute an den nationalen Meisterschaften im Minigolf teilgenommen – und konnten trotz starker dänischer Konkurrenz die ersten fünf Plätze für uns verbuchen. Natürlich hatten wir dabei auch hervorragende Unterstützung: Kendo und Greta begleiteten uns treu über die gesamte 18-Loch-Minigolfanlage. Das sorgte auf dänischer Seite durchaus für Verwunderung, denn unsere Mitbewerber waren zu dieser wichtigen Auftaktveranstaltung der Saison gänzlich ohne Maskottchen angereist.
Manchmal muss man eben auch Glück haben. Oder, wie es ein weiser Trainer einst formulierte: Glück im Sport ist die Summe aus stetigem Üben und dem Wunsch nach Verbesserung.
18. Mai – Na endlich
Das wurde aber auch Zeit! Ein Foto vom Horizont – was sonst? Von allen Orten auf dieser Insel ist der Felsvorsprung in Sandvig wohl der, an den es uns am häufigsten zieht. Hier haben wir schon alles erlebt: unendliche Ruhe, stürmische See und alles dazwischen.
An einem Tag konnten wir keine zwanzig Meter weit sehen, so dicht lag der Nebel um die Mittagszeit über den Felsen. An anderen Tagen wurden wir beinahe vom Wind davongetragen – begleitet von einer unfreiwilligen Dusche aus der Meeresbrandung und an wieder anderen Tagen – so wie heute – ist kaum etwas zu hören, außer dem leisen Plätschern des Wassers an den Felsen und dem ein oder anderen Schrei der Möwen.
Und während wir diese Zeilen schreiben, zieht es uns schon wieder hinunter auf die Felsformation. Nur kurz natürlich. Nur um zu sehen, ob das Wasser noch da ist.
17. Mai – Ungewohnt
Fast immer ist unser erstes Bild von Bornholm eine Aufnahme des Horizonts: halb Wasser, halb Himmel. Immer vom selben Standpunkt aus. Keine Kompromisse. Eine fotografische Meditation.
Auch heute zog es uns wieder an diesen vertrauten Punkt. Wir blickten hinaus aufs Meer, sahen den Schwänen beim Vorbeiziehen zu, genossen das Panorama – und natürlich ein Eis von Is Kalas.
Zurück im Ferienhaus erwartete uns eine schöne Aufmerksamkeit unseres Vermieters: Zwei Bornholm-Biere standen im Kühlschrank bereit. Wir konnten nicht widerstehen, setzten uns auf die Terrasse, ließen uns von der Abendsonne wärmen – und entdeckten dabei dieses wunderbare Spiel aus Licht und Schatten.
Einfach zu schön, um es nicht zu zeigen. Und lecker war es natürlich auch. Das Bier aus Svaneke.
16. Mai – Dirty
Natürlich heißt Dirty eigentlich Berti. Doch als er im Garten sein Bein hob, um eine unserer schönsten Pflanzen zu adeln, war sein Spitzname geboren. Doch wer könnte ihm bei diesem Blick schon böse sein? Wir jedenfalls nicht.
Berti ist ein Hund mit Charakter, der uns mit seinem freundlichen Wesen im Handumdrehen erobert hat. Auch seinen neuen Spitznamen nahm er uns nicht lange übel, sondern trug ihn mit jener stoischen Gelassenheit, die nur Möpse besitzen. Denn eines ist sicher: Möpse haben Humor.
15. Mai – Blickwinkel
In die Ferne schauen und dabei übersehen, was direkt vor unseren Augen liegt – ist es das, was geschieht, wenn wir durch ein Fernglas blicken? Man kann es so sehen. Doch ebenso kann ein Fernglas den Blick schärfen: Es bündelt unsere Aufmerksamkeit, lenkt sie auf wenige Dinge, lässt uns genauer hinsehen und in das Betrachtete eintauchen.
Wenn wir auf Bornholm Urlaub machen, greifen wir immer wieder zum Fernglas, um vorbeiziehende Schiffe zu beobachten. Wir schätzen die Zahl der Passagiere, verfolgen, ob ein Lotse an Bord geht, rätseln über die Ladung – oder nehmen das Fernglas mit an die Küste. Dort gilt unsere Aufmerksamkeit oft den Seevögeln, die an der Nordspitze dieser schönen Insel ideale Brutbedingungen finden.
14. Mai – Wenn es Nacht wird in …
Hamburg. Dann ist es nicht nur in der HafenCity schön – aber dort ganz besonders. Nach einem Konzert in der Elphi dort entlangzuschlendern, die Musik noch im Ohr und diesen Anblick vor Augen, kann einen schon verzaubern und die Begeisterung für Hamburg neu entfachen. Zumindest so lange, bis es wieder hell wird und die allgemeine Hektik des Alltags zurückkehrt. Dann spätestens sehnen wir uns zurück nach unserem Garten oder der Ruhe auf Bornholm oder im Wendland. Dort vor allem gern auch tagsüber.
13. Mai – Neugierde
Langsam, beinahe schleichend, kamen die drei immer näher, als wir heute zum Fototermin auf einer Kuhweide in den Vierlanden waren. Misstrauen und Neugierde schienen noch miteinander zu ringen: zwei Schritte vor, zwei zurück. Dann ein Blick nach links, einer nach rechts – und wieder ein paar Zentimeter näher.
Am Ende waren die langen Zungen der Kamera schon fast zum Greifen nah. Doch da hatten wir unsere Aufnahmen bereits im Kasten.
Genau diese Abwechslung ist es, die unseren beruflichen Alltag so besonders macht: morgens auf der Weide, danach in einem Restaurant und zum Abschluss noch eine Außenaufnahme vor einem Malereibetrieb.
12. Mai – Verrückt
Wir lieben das Verrückte. Zumindest ein kleines bisschen. Vielleicht lieben wir deshalb auch Fotoapparate aus dem letzten Jahrtausend – so wie diese Leica M5 aus den 70er-Jahren. Eine Kamera, die für die Traditionsmarke Leica damals ein ziemlicher Flop war. Heute wirkt sie fast wie ein Gegenentwurf zur Geschwindigkeit unserer Zeit.
Eine Filmkamera. 36 Aufnahmen pro Rolle. Danach musste der Film gewechselt werden. Ein kurzer Moment der Unterbrechung. Zeit zum Nachdenken, zum Schauen, zum bewussten Entscheiden.
Für eine Hochzeitsreportage wurden früher schon einmal zehn Filme belichtet. Heute entstehen schnell 3.000 bis 4.000 Bilder an einem einzigen Tag. Das hat ohne Frage seine Vorteile. Und doch kann dieses fotografische Dauerfeuer manchmal auch ermüdend sein.
Jetzt geht diese Kamera mit auf Reisen. Ein Objektiv. Schwarz-Weiß-Filme im Gepäck. Und die Lust auf Ruhe.
Klingt ein klein wenig verrückt? Vielleicht. Aber genau deshalb fühlt es sich richtig an.
11. Mai – Fliegende Untertassen
Wir haben den Beweis: Es gibt sie wirklich, die fliegenden Untertassen – von vielen belächelt, von manchen sogar verspottet. Doch wenn man, so wie wir am vergangenen Wochenende, den ultimativen Beleg für ihre Existenz findet, ist man im ersten Moment schlicht wie vom Donner gerührt.
Mit dieser seltenen Spezies Kontakt aufzunehmen, erwies sich allerdings als schwieriger als gedacht. Nach der anfänglichen Euphorie machte sich bald eine gewisse Ernüchterung breit. Schließlich wollten wir nichts überstürzen, keinen folgenschweren Fehler begehen und sie schon gar nicht gegen ihren Willen an uns binden. Also taten wir das einzig Vernünftige: Wir aßen sie einfach auf.
Geschmeckt haben die UFOs jedenfalls hervorragend – ja, geradezu außerirdisch gut. Für eine hoffentlich nächste Begegnung mit dieser seltenen Form extraterrestrischen Lebens wünschen wir uns allerdings etwas mehr Gesprächsbereitschaft. Bis dahin lernen wir fleißig "Klingonisch" – in der Hoffnung, damit zumindest sprachlich auf der sicheren Seite zu sein.
10. Mai – Gerade eben war doch noch …
... Winter. Wochenlang lag Schnee über allem, als hätte die Welt eine Pause eingelegt. Dann, nach einer kurzen, heftigen Schneeschmelze, wagten sich die ersten Krokusse aus ihrer Deckung. Danach geschah erst einmal lange fast nichts. Mitte April blühten Tulpen und Narzissen, die Stauden in den Beeten trieben zaghaft aus, und der Rasen begann langsam zu grünen.
Heute, kaum vier Wochen später, steht die Gerste auf dem Feld gegenüber schon so weit, dass die erste Ernte nicht mehr fern scheint. Der Frühling beschleunigt das Wachstum in einem Tempo, dem wir mit unserer Wahrnehmung kaum hinterherkommen – geschweige denn mit dem Pflanzen, zum Beispiel der Tomaten ins Tomatenhaus.
Jetzt aber schnell: Kommende Woche sind bereits die Eisheiligen, und höchste Zeit ist es ohnehin. Schließlich wollen wir im Herbst reichlich ernten. Denn leckeren Tomaten können wir einfach nicht widerstehen.
09. Mai – Buttergelb ...
... ist eine der Trendfarben des Jahres – und zugleich die Farbe der neuen Ausgabe der Lieblingsadressen Sachsenwald.
In den vergangenen Wochen waren wir nahezu täglich unterwegs: bei Kunden vor Ort, mit der Kamera im Gepäck und mit vielen schönen Begegnungen im Blick. Wir haben Hunderte von Aufnahmen gemacht, neue Kunden kennengelernt und langjährige Kunden wiedergesehen.
Besonders gefreut hat uns die positive Resonanz, die die Lieblingsadressen in unserem Heimatgebiet inzwischen erfahren. Fotografisch an diesem Projekt mitzuwirken, gehört für uns jedes Jahr zu den besonderen Highlights.
Und obwohl wir intensiv an den Lieblingsadressen beteiligt sind, bleibt die Titelfarbe auch für uns bis zum Präsentationsabend eine Überraschung. Umso schöner, dass wir erst vor wenigen Tagen ein Modeshooting in genau dieser Farbe fotografiert haben: Buttergelb.
08. Mai – Wasserkunst
Wasser in Trinkqualität aus dem Wasserhahn ist für uns heute eine Selbstverständlichkeit. Das war nicht immer so. Zwar hatte Robert Koch 1883/84 den Cholera-Erreger bereits identifiziert und den Zusammenhang zwischen verseuchtem Trinkwasser und der Krankheit wissenschaftlich untermauert, doch in Hamburg blieb diese Erkenntnis lange ohne ausreichende Konsequenzen. Die Stadt bezog ihr Wasser weiterhin ungefiltert aus der Elbe – mit dramatischen Folgen.
Als 1892 die letzte große Choleraepidemie in Hamburg ausbrach, wurde sichtbar, was sauberes Trinkwasser für eine moderne Großstadt bedeutet. Das benachbarte Altona, das bereits filtriertes Wasser nutzte, blieb weitgehend verschont.
Noch im selben Jahr wurde der Bau der Filteranlage auf Kaltehofe mit höchster Dringlichkeit vorangetrieben. 1893 nahm das Elbwasser-Filtrierwerk seinen Betrieb auf. Aus der Katastrophe entstand so einer der wichtigsten Orte der Hamburger Wassergeschichte: Kaltehofe wurde zum Symbol für den Übergang von technischer Wasserversorgung zu moderner Trinkwasserhygiene.
Heute ist Kaltehofe ein stiller, grüner Erinnerungsort mitten in Hamburg. Wo früher Elbwasser durch Sandfilter gereinigt wurde, treffen heute Industriekultur und Natur aufeinander. Die historischen Filterbecken, Schieberhäuschen und das ehemalige Labor erzählen von Hamburgs Weg zur modernen Trinkwasserversorgung. Gleichzeitig hat sich die Natur große Teile der Elbinsel zurückerobert. Nur ausgewählte Bereiche sind für Besucherinnen und Besucher zugänglich; andere Flächen bleiben Tieren und Pflanzen vorbehalten.
So ist Kaltehofe heute beides: ein Denkmal für die Lehren aus der Choleraepidemie von 1892 und ein besonderer Naturraum an der Norderelbe. Die Wasserkunst macht sichtbar, wie eng Stadtgeschichte, Technik, Hygiene und Landschaft miteinander verbunden sind – und ist zugleich ein wunderbarer Ort der Ruhe und Entspannung, mit einem hinreißenden Café.
07. Mai – Partytime
Es war wieder einmal so weit: Die Releaseparty der Lieblingsadressen Sachsenwald stand an. Rund einhundert Gäste versammelten sich im Ristorante am Riesenbett im Golfclub am Sachsenwald, um das Erscheinen der Frühlingsausgabe in ausgelassener Atmosphäre zu feiern.
Wie bei jeder neuen Ausgabe galt der erste, beinahe andächtige Blick dem frisch erschienenen Heft. Neugierig wurde geblättert und die Farbe des Covers gehört traditionell zu den am besten gehüteten Geheimnissen von Alexandra Wollweber. Die Herausgeberin des beliebten Magazins prägt nicht nur dessen inhaltliche Handschrift, sondern verantwortet auch mit viel Gespür die Gestaltung.
06. Mai – Nie ohne
Nie ohne Kamera. Können wir irgendetwas betrachten, ohne sofort an ein Foto zu denken? Kaum.
Zu sehr sehen wir die Welt um uns herum in Bildern. Fast schon ein Automatismus, der uns dazu anregt, in fertigen Bildformaten zu denken.
Könnte man nicht …? Vielleicht in Schwarz-Weiß? Im Quadrat? Oder im extremen Querformat?
Ein Foto machen.
Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Alltagsbetrachtung handelt oder um einen Auftrag.
Wir leben und lieben es, unser Umfeld in Bildern festzuhalten.
Als Erinnerung.
Zum Spaß.
Um zum Nachdenken anzuregen.
Um festzuhalten.
So wie heute, als sich dieses Bild ergab: Mareike, in sich versunken vor einem extremen Gegenlicht.
Trotz Zeitknappheit zu schön, um daran vorbeizugehen, ohne ein Bild gemacht zu haben.
Und jetzt?
Eine Erinnerung. Und vielleicht eine Idee für ein Bild in der Zukunft.
05. Mai – Bei Käthe
Heute Morgen staunten wir bei unserem ersten Fototermin nicht schlecht, als wir plötzlich mitten in einer alten Kneipe standen. Hatten wir uns etwa in der Tür geirrt? Waren wir im falschen Haus gelandet? Wir waren doch eigentlich mit Christian verabredet … Der gelernte Kälteanlagenbauermeister hatte bereits 2023 gemeinsam mit einem Bauingenieur und einem Maschinenbauingenieur die Idee zu Hybridio – der Kombination aus Wärmepumpe und bestehender Heizungsanlage – entwickelt und wollte heute für dieses Projekt ein Foto für die Lieblingsadressen mit uns erstellen.
Während wir uns noch suchend umsahen, kam er uns bereits entgegen, und bevor wir mit den Fotos beginnen konnten, löcherten wir ihn erst einmal mit Fragen zu den ungewöhnlichen Räumlichkeiten. Die ehemalige Kneipe "Bei Käthe" war laut eigenen Angaben auf der Website von Hybridio die Geburtsstätte für das gemeinsame Projekt der drei Hamburger "Jungs" Arne, Christian und Dirk, die ihre ersten Ideen dazu hier entwickelt haben wollen. Heute ist die in Teilen erhaltene Wirtschaft derBesprechungsraum der noch jungen Firma.
Christian hatte auch noch eine ganz persönliche Geschichte parat: Vor vielen Jahren saß er bei einem Date mit einer hübschen Blondine in eben dieser Kneipe, und 44 Jahre später stand er dann plötzlich aufgrund eines Jobangebots seines alten Weggefährten Arne wieder in eben diesen Räumlichkeiten, wo die Erinnerung war sofort zurückkamen. Was aus der Dame wurde, ist nicht überliefert, doch soviel sei verraten: es wurde jedenfalls nichts mit Christian.
Das sind die kleinen Geschichten, die nur das Leben schreiben kann – und die jeden Tag auf uns warten, wenn wir nur aufmerksam hinschauen. Und dass Christian neben seinem Startup Hybridio auch noch "ganz nebenbei" eine Mikrobrauerei in Frankreich hat, ist eine ganz andere Geschichte, die hier vielleicht irgendwann einmal erzählt wird.
04. Mai – Schlendern
Was für ein herrlich altmodisches Wort. Schon der Klang trägt ein wenig Mottenpuder in sich, ein bisschen Fünfzigerjahre, ein bisschen Schwarz-Weiß-Fernsehen. Und doch beschreibt es etwas Wunderbares: das absichtslose Gehen, das langsame Sich-Treiben-Lassen, ohne Ziel, ohne Zeitdruck.
Der Duden fasst es so: "Schlendern bedeutet, sich gemächlich, entspannt und oft absichtslos gehend fortzubewegen. Es beschreibt ein langsames Gehen ohne Zeitdruck, wie beim Flanieren oder Bummeln, typischerweise durch Parks und Straßen oder zur Entspannung."
Ist das nicht schön?, denkt Christian, während er mit gezücktem Handy an der Elbe entlanggeht. Und natürlich hat er recht. Vielleicht lässt er es beim nächsten Spaziergang – oder besser: beim nächsten Schlendern – einfach einmal im Auto oder zu Hause.
Es wäre ein Anfang.
03. Mai – Ein "Omelette Surprise von der Wiese"
"Hast du Lust, noch kurz auf mich zu warten? Dann mache ich ein Omelette."
Gefühlte zwei Stunden und einiges Magenknurren später war es endlich so weit: Aus dem Garten kamen Pimpernelle, Schnittlauch, Brennnessel, Rucola, Gundermann, Spinat und Rettich – ergänzt durch ein paar weitere Köstlichkeiten wie Paprika, Karotten Avocado und Wildsalami. Daraus zauberte Mareike ein unvergleichliches Omelette auf den Teller.
Und kaum war der letzte Bissen genossen, rückte auch schon die Kaffeezeit näher – selbstverständlich nicht ohne ein Stückchen Kuchen …
02. Mai – Ganzheitlich
Heute Abend wurden wir fündig. Nach langer Suche lag es endlich vor uns: das Zentrum für Gesundheitsfragen. Damit waren wir am Ziel unserer Träume. Ganzheitlich sollte es sein – nicht nur ein Arzt oder eine Ärztin für dieses oder jenes Wehwehchen, sondern der ganze Mensch im Mittelpunkt der Betrachtung.
Was uns jetzt noch fehlt, ist einzig eine dieser lustigen Zipfelmützen, wie sie der freundliche Zwerg auf dem Schild trägt. Wobei: Zipfelmützen beziehungsweise Zwerge gehören in Hitzacker ohnehin zum Stadtbild – so selbstverständlich wie das Kneippbecken zum örtlichen Kurpark.
Gesundheit wird in Hitzacker gelebt. Tempo 30 in der gesamten Stadt versteht sich von selbst, und Lastenfahrräder sind hier fast so verbreitet wie in Hamburg oder Berlin. Nur folgerichtig also, dass sogar Fish and Chips im Restaurant als vegane Variante angeboten werden. Hitzacker ist schließlich die Stadt der Gesundheit.
01. Mai – Faulenzen
Was wir uns für heute nicht alles vorgenommen hatten: Gartenarbeit, Haushalt und noch so einiges mehr. Doch daraus wurde nichts. Stattdessen haben wir einen herrlich entspannten Nachmittag auf der Terrasse verbracht – ganz so wie Kendo und Greta. Kaffee und Kuchen durften zwischendurch natürlich auch nicht fehlen. Unsere guten Vorsätze heben wir uns einfach für einen anderen Tag auf. Oder vielleicht auch nicht …
30. April – Frieden
Kann Musik Frieden stiften? Weltfrieden wohl kaum. Inneren Frieden dagegen sehr.
Heute Abend waren wir in der Hamburger Elphi im Konzert des französisch-marokkanischen Pianisten Sofiane Parmat. Selten haben wir ein Publikum erlebt, das so aufmerksam und rücksichtsvoll war. Selbst in den leisesten Passagen war nichts zu hören außer der Musik – jener Musik, die der 35-jährige Pianist selbst als Neoklassik bezeichnet.
In seiner Heimat Frankreich ist Sofiane Parmat längst ein Superstar. Er war Teil der Eröffnungsfeierlichkeiten der Olympischen Spiele in Paris, wurde zum Ritter des Ordens der Künste und der Literatur ernannt und sagte Anfang des Jahres in einem Interview: "Ich habe beschlossen, mich von nichts Negativem um mich herum beeinflussen zu lassen, und will etwas Positives in den Herzen der Menschen aussäen. Meine Mission ist die Musik."
Heute Abend ist ihm genau das gelungen – zu einhundert Prozent.
29. April – Fotomodell sein
Mareike, das meistfotografierte Supermodell der Welt. Wer sind schon Tatjana Patitz, Linda Evangelista oder Naomi Campbell? Keine von ihnen besitzt auch nur annähernd so viel Geduld, Klasse und Ausstrahlung wie Mareike.
"Kannst du mal eben …?" gehört zu den Bitten, die sie wohl am häufigsten zu hören bekommt – und denen sie immer wieder bereitwillig nachkommt. Stets gut gelaunt, manchmal auch nicht ganz so gut, fast immer perfekt zurechtgemacht und umgeben von Hunderten fleißiger Helfer, die ihr jeden Wunsch von den Lippen ablesen – so präsentiert sich Mareike vor der Kamera.
Der Fotograf hinter der Blackbox – in diesem Falle ich – schaut nach dem Shooting gebannt aufs Display und scheint das Supermodell dabei fast zu vergessen. Bis ein leises, aber doch recht nachdrückliches "Kannst du jetzt endlich mal die Kartoffeln schälen?" erklingt.
Ganz zu Recht, hatte ich es doch schon vor über 45 Minuten versprochen …
28. April – Wiederholungstäter
Zum zweiten Mal in dieselbe Ausstellung zu gehen, kommt bei uns so gut wie nie vor. Außer, es handelt sich um die noch bis zum 10. Mai laufende Fotoausstellung AMERICAN CYCLES des mexikanisch-amerikanischen Fotografen Philip Montgomery.
Er zählt zu den wichtigsten Stimmen des zeitgenössischen Fotojournalismus. In seinen eindringlichen Schwarzweißaufnahmen richtet er den Blick auf die gesellschaftlichen Bruchlinien der USA ebenso wie auf Momente von Zusammenhalt und Widerstand. Seine Bilder entstehen an Orten historischer Verdichtung – etwa in Minneapolis nach der Tötung George Floyds oder in Miami während des Hurrikans Irma. Dabei verbindet Montgomery eine kraftvolle, fast zeitenthobene Bildsprache mit der unmittelbaren Präsenz politischer und sozialer Krisen.
Bilder voller Rätsel, voller Statements. Bilder voller Empathie und doch zugleich distanziert. Kraftvoll. Berauschend, schrecklich und faszinierend zugleich. Wir könnten schon wieder hingehen und weiter staunen.
Danke, Ingo, dass Du uns diese Ausstellung empfohlen hast.
27. April – Erleben
So heißt das Kundenmagazin des e-werk Sachsenwald, für das wir in den vergangenen Ausgaben die Titelbilder fotografieren durften. Im Mittelpunkt standen dabei fast immer Menschen – mit einer Ausnahme: dem Titelbild der Weihnachtsausgabe.
Seit mehreren Jahren begleiten wir das e-werk Sachsenwald fotografisch. Unser Fokus lag dabei immer wieder auf den Mitarbeitenden des Unternehmens: authentisch, nahbar und in ihrem jeweiligen Arbeitsumfeld. So entsteht ein Bild davon, wofür das E-Werk steht: für Menschen aus unserer Nachbarschaft, die für uns da sind – persönlich, engagiert und damit so viel mehr als eine anonyme Telefonhotline. Genau das haben wir selbst schon erlebt.
26. April – Der Waldmeister im Garten …
… ist wahrhaft ein Meister des Geschmacks und der Vielseitigkeit. Seit wir vor drei Jahren ein kleines Pflänzchen im schattigen Bereich unseres Apfelbaums gepflanzt haben, entzückt uns dieses Gewächs Jahr für Jahr. Zuerst zeigte es nur bescheidenes Wachstum, doch inzwischen ernten wir schon die ersten Stängel.
Auf unserem Plan für die nächsten Tage stehen folgende Herausforderungen – und die lieben wir nun einmal: angefangen mit dem Aromatisieren von Getränken, Desserts und Süßspeisen. Weiter geht es mit einer kräftigen Maibowle, natürlich auch mit Waldmeistersirup und Limonade.
Außerdem könnten wir ihn noch für Pudding, Quark, Joghurt, Eis, Gelee, Kuchencremes oder aromatisierten Zucker verwenden – aber so weit wird es wohl gar nicht kommen. Also starten wir doch erst einmal mit der Herstellung von Waldmeister-Sirup. Alles andere sehen wir dann.
25. April – Esst mehr Eier!
Was tut man nicht alles für die Natur? Zum Beispiel für die Pflanzen im eigenen Garten. Die werden von vorn und hinten betütelt. Hier ein Schluck Wasser, da etwas Schatten um die Mittagszeit. Standortsuche par excellence. Veganen Dünger hatten wir schon. Jetzt gehen wir den nächsten Schritt in Richtung "No Waste". Aus Eierschalen – und davon haben wir mehr als genug – wird im Handumdrehen ein calciumreicher Dünger. Zehn Minuten im Ofen bei 120 Grad reichen aus, um erstens die Eierschalen keimfrei zu bekommen und zweitens unseren Pflanzen einen Top-Dünger zu gönnen. Da kann sich die gesamte Düngerindustrie warm anziehen, denn Pläne für unser Eierschalendüngerimperium gedeihen so gut wie die Pflanzen in unserem Garten.
24. April – Lord Helmchen
Oder Ritter Kunibert. Im ersten Moment dachten wir wirklich, es handele sich um eine alte Ritterfigur, die ein Künstler im Wald aufgestellt hat. Weit gefehlt. Es waren Schutzbauten, die bei Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg Soldaten vor Bombensplittern schützen sollten. Einige dieser an Litfaßsäulen erinnernden Türmchen stehen heute noch in der Nähe von Hitzacker im Wald.
Auf einem riesigen Gelände wurde unter anderem der spezielle Treibstoff für die V2-Raketen gelagert, bevor er in Richtung Peenemünde abtransportiert wurde. Viele Topfkrater im Wald zeugen von den Bombenabwürfen der Alliierten, die versucht haben, das riesige unterirdische Treibstofflager zu zerstören. Dies gelang allerdings bis Kriegsende nur teilweise.
23. April – Ausverkauft
So ein Mist. Da hat man mitten im Wald schon mal das Glück, einen "Stock-Shop" zu finden – und dann das: … AUSVERKAUFT! Oder zumindest fast. Nur die ganz kleinen Stöckchen gab es noch im Angebot. Doch diese waren in den Augen (oder besser gesagt: zwischen den Zähnen) unserer Qualitätsprüfer Kendo und Greta inakzeptabel.
Wir haben versucht, sie ihnen schmackhaft zu machen, doch es war nichts zu machen. Keine Begeisterung war unseren beiden Vierbeinern zu entlocken. Zum Glück fanden wir kurz darauf im Sand eine vergessene Frisbee-Scheibe, die wir nach dem ausgiebigen Gebrauch einfach in den Stock-Shop legten. Vielleicht findet sie ja bei den nächsten Besuchern einen ähnlich guten Anklang.
22. April – Achtung!
Lebensgefahr! Bedenken Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Mitmenschen, bedenken Sie bitte die Gefahr. Im Allgemeinen wie auch im Speziellen. Denn was kann uns allen tagtäglich passieren? Beim Überqueren einer Straße, eines Zebrastreifens, einer Brücke? Nicht zu vergessen: das Überqueren einer Brücke im Winter. Wird hier gestreut oder nicht? Darf hier überhaupt gestreut werden? Behörden warnen lieber, als Auskunft zu geben. Denn Auskunft hieße, Stellung zu beziehen. Und dann? Dann wäre man auf einmal verantwortlich. Nee, lieber nicht – das klingt viel zu ungemütlich. Lieber im Allgemeinen bleiben. Oder, besser noch, einfach alles als gefährlich einstufen. Außer, natürlich, am Sonntagabend den Tatort zu schauen. Da muss man auch nicht nachdenken. Denn schon das Nachdenken ist für viele Menschen zu gefährlich – wer weiß schließlich, was dabei herauskommen könnte? Dann doch lieber das Denken nur angeben. Da kann man am wenigsten falsch machen. Denn darum geht es doch, oder?
21. April – Bibbern
Da liegt er vor uns in seiner ganzen Pracht: der Tonteich. Wunderschön in die Landschaft eingebunden. Ein Ort der Ruhe, der Entspannung – zumindest in der Nebensaison. Und das Wasser? Saukalt. Und windig war es heute auch noch.
Plötzlich und völlig unerwartet machte es Platsch. Wenige Sekunden später schwamm ein Mensch an uns vorbei, lächelte uns zu und verneinte auf die Frage, ob er Erste Hilfe benötige, nur freundlich. In den nächsten Stunden folgten weitere Schwimmerinnen, die ebenfalls von den Vorzügen des kalten Wassers schwärmten.
Es muss also schon etwas dran sein – nur eben nichts für uns.
20. April – Vorfreude am Fähranleger in Hitzacker
In vier Wochen stehen wir in Sassnitz und warten auf die Fähre. Das Ziel: Bornholm. Da ist wieder dieses Kribbeln, wenn morgens gegen fünf der Wecker klingelt, das Auto längst gepackt ist und nur noch die letzten Kleinigkeiten zusammengesucht werden müssen. Dann geht es los: ab ins Auto, über die noch fast leere A20 Richtung Stralsund. Viel zu früh am Fährhafen ankommen. Frühstück bei Bäckerei Peters mit Blick aufs Wasser. Keine Stunde später taucht die "Hammershus" auf. Sofort erfasst uns diese Unruhe – albern vielleicht, aber vollkommen echt. Fast so wie damals in der Kindheit, wenn wir der Bescherung am Heiligen Abend entgegengefiebert haben. Dann zurück ins Auto, die letzten hundert Meter in die Warteschlange, hinauf auf die Fähre, einen Platz im Hundesalon sichern, Pommes und ein Mørk Guld bestellen. Und dann ist er da: der Urlaub.
19. April – Frühlingsboten
Eben noch sehnten wir uns nach dem ersten zarten Grün. Dann kamen die Krokusse und andere Frühblüher. Jetzt sind es die Obstbäume mit ihrem herrlich frischen Weiß und Rosa, das uns so sehr verzaubert. Und nur wenige Tage später – bei einigen Grad weniger und etwas mehr Wind – beginnt es bereits zu "schneien".
Wir hören uns schon wieder lamentieren: "Jetzt ist der Sommer vorbei – wie schnell das immer geht." Es ist die ewig gleiche Leier von der Vergänglichkeit und von der gefühlten Beschleunigung des Lebens. Woran mag das nur liegen, dieses Gefühl von: "Eben war doch noch Anfang März, und jetzt haben wir schon Ende April? Wo ist nur die Bremse für diese Lebensgeschwindigkeit?"
Vielleicht sind es all die Dinge, die wir ständig im Kopf mit uns herumtragen. Dinge, die wir "unbedingt" schnell erledigen müssen: Bürokram, Behördengänge, Rechnungen und vieles mehr. Und dazu dieses Gefühl, dass immer sofort etwas Neues nachrückt, kaum dass das Eine erledigt ist.
Oder ist es vielleicht gerade diese innere Unruhe, die uns die Zeit so flüchtig erscheinen lässt? Während draußen alles blüht, wächst und sich verwandelt, hetzen wir innerlich oft schon weiter zum Nächsten. Und ehe wir es bemerken, ist aus dem ersten Frühlingsgrün schon wieder ein fortgeschrittener April geworden.
18. April – In Eile
Am Freitag kamen wir auf dem Weg vom Hotel zum Ärztekongress am Hamburger Bahnhof vorbei — einem Ort, der nicht nur architektonisch beeindruckt, sondern auch eine bewegte Geschichte hat. In wenigen Minuten erfuhren wir so viel Interessantes, dass für uns sofort feststand: Bei einem unserer nächsten Berlin-Aufenthalte möchten wir unbedingt wiederkommen und ihn in Ruhe besuchen. Bis dahin gibt es hier zumindest einen kurzen geschichtlichen Überblick.
1846 wurde er als Endpunkt der Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg eröffnet und ist heute das älteste erhaltene Bahnhofsgebäude der Stadt. Was einst Reisende auf die Strecke schickte, wurde später zu einem ganz anderen Ort der Begegnung.
Nachdem der Bahnbetrieb im 19. Jahrhundert eingestellt worden war, diente das Gebäude über viele Jahre als Ausstellungs- und Museumsort. Der Zweite Weltkrieg hinterließ schwere Schäden; danach lag der Hamburger Bahnhof lange Zeit im Schatten der geteilten Stadt. Erst mit der aufwendigen Sanierung begann ein neues Kapitel.
Seit 1996 ist der Hamburger Bahnhof als Museum für Gegenwartskunst wiedereröffnet und zählt heute zu den spannendsten Kunstorten Berlins. So verbindet das Haus bis heute auf besondere Weise Vergangenheit und Gegenwart — Eisenbahngeschichte, Architektur und moderne Kunst unter einem Dach.
17. April – Wie ein Silberstreif am Horizont …
… erschien uns heute Abend dieser Streifen am Himmel. Auch wenn er weder silbern war noch uns am Horizont, sondern am Waldrand begegnete, hatte er in diesem Moment für uns doch dieselbe Bedeutung. Nach drei sehr anspruchsvollen Wochen liegt nun ein fast freies Wochenende vor uns, und wir freuen uns sehr darauf.
Der Spruch geht übrigens auf die englische Redewendung "Every cloud has a silver lining" (Jede Wolke hat einen silbernen Rand) zurück. Diese Formulierung wurde im 17. Jahrhundert vom Dichter John Milton in seinem Werk Comus geprägt.
Im Deutschen hat sich daraus die freiere Wendung "ein Silberstreif am Horizont" entwickelt und heute hat dieser rosa-orangefarbene Streifen unser Wochenende eingeleitet.
16. April – Wer weiß denn sowas???
Das haben wir uns heute Abend mehr als einmal gefragt, als wir zum ersten Mal das Kneipenquiz "Kategorie Fragwürdig" in der kleinen Schwester des Hamburg-Clubs Molotow – der Top Ten Bar – besucht und fleißig mitgerätselt haben.
Jetzt wissen wir zum Beispiel, dass 500 g Honig über 200.000 Euro kosten würden, wenn die Bienen den gesetzlichen Mindestlohn bekämen; dass Deutschland der Türkei bei einem Staatsbesuch einmal 600 kg Dönerfleisch und Frankreich Großbritannien ein Weinregal in Form einer überdimensionierten Heuschrecke geschenkt hat; und dass Elon Musk viele, viele Reissäcke hätte, wenn ein Reiskorn den Wert von 1.000 Euro hätte.
Eine kurze Überprüfung der eben wiedergegebenen "Fakten" ergab dann zu Hause zwar ein ganz anderes Bild – zum Beispiel, dass es diese beiden Geschenke so nie gegeben hat –, aber das war am Ende des Quiz auch egal. Schließlich wurde uns gleich zu Beginn erklärt, dass ausschließlich die Regeln der Spielmacher gelten, die wir mit unserer Teilnahme ja auch akzeptiert haben.
Am Ende waren wir auch nicht traurig, dass wir keinen der Preise – einen absurd überdimensionierten Bleistift, ein Mini-Kartenspiel, eine LP von Vicky Leandros, Milli Vanilli oder Modern Talking sowie einen Pferdebecher – als Trophäe mit nach Hause nehmen konnten.
Doch unser Ehrgeiz ist geweckt, und Spaß gemacht hat es allemal. Sollen doch die "nieschenpsychos" doch glücklich werden mit ihren Gewinnen – beim nächsten Mal landen wir sicher nicht nur im Mittelfeld.
15. April – Druckfrisch in den Frühling
Auch im 26. Jahr erfüllt es uns immer wieder mit Spannung und Freude, wenn wir den druckfrischen Katalog zum ersten Mal in den Händen halten. Hinter uns liegt eine Fülle an Fotoaufnahmen, die wir für die Kataloge von Torquato realisiert haben. Dabei werden nicht nur neue Produkte in Szene gesetzt, sondern auch ausgewählte Artikel aus dem bestehenden Sortiment neu arrangiert, kombiniert und fotografisch festgehalten.
Für uns gehören diese Kataloge neben den Ausgaben der Lieblingsadressen zu den wenigen Druckprodukten, die uns bereits über einen langen Zeitraum begleiten. Immer wieder nehmen wir sie zur Hand, blättern darin, lassen uns vom Inhalt inspirieren und genießen außerdem die Gestaltung. Denn was wären selbst die schönsten Fotografien ohne ein stimmiges Umfeld?
Nun aber geht es erst einmal zum Schmökern aufs Sofa.
14. April – Ich sehe was, was du nicht siehst …
… und das ist ein ... ??? Natürlich ist das ein Indianer. Was denn auch sonst? Ach, eine Harke soll das sein? Nein. Das ist doch ganz klar ein Indianerhäuptling — und zwar natürlich Winnetou, Freund aller Menschen und Jahr für Jahr Garant für den Erfolg der Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg.
In diesem Jahr steht "Tal des Todes" auf dem Spielplan. Premiere ist am 27. Juni um 20.30 Uhr. Spannung ist garantiert, denn schließlich spielt Winnetou wieder einmal eine wichtige Rolle als edler und mutiger Häuptling der Apachen. Gemeinsam mit Old Shatterhand stellt er sich gierigen und gefährlichen Männern entgegen, die nur an Gold und ihren eigenen Vorteil denken. Dabei kämpft Winnetou nicht nur mit Tapferkeit, sondern auch für Gerechtigkeit, Freundschaft und den Schutz Unschuldiger.
Same procedure as every year, könnte man sagen — aber weit gefehlt: Denn sobald die Titelmelodie erklingt, werden selbst die härtesten Männer wieder zu Kindern.
13. April – Am Kreuz
Da hängt er: Jesus am Kreuz. In einem Pausenraum. Wird er dort beachtet? Geachtet? Welche Bedeutung hat Jesus noch für unsere heutige Gesellschaft?
Die Kirche in Deutschland verzeichnet Jahr für Jahr mehr Kirchenaustritte als je zuvor. Geht sie den Weg in die absolute Bedeutungslosigkeit? Hat der Glaube ausgedient?
„Ich glaube an die Deutsche Bank, denn die zahlt aus in bar“, lautet die Zeile in einem Song von Marius Müller-Westernhagen. Doch Glaube heißt nicht Gewissheit, sondern nimmt das Scheitern in Kauf. Glaube erzählt von Hoffnung, von etwas so Unrealem wie einem Wunder.
Ohne Glauben ist die Welt ärmer. Ob es der Glaube an Gott sein muss, steht auf einem anderen Stern.
12. April – Treue Begleiter
Egal, wohin wir gehen oder fahren: Für Kendo und Greta ist das Wichtigste, einfach dabei zu sein. Am liebsten liegen sie ganz in unserer Nähe, blinzeln ab und zu kurz, schauen, ob noch alles in Ordnung ist, und dösen dann zufrieden weiter. Zwischendurch wird im Garten getobt, die Nachbarschaft begrüßt und dem ausgedehnten Waldspaziergang entgegengefiebert – so lässt sich der heutige Tag aus Hundesicht wohl am besten beschreiben. Und dann ist da natürlich noch das abendliche Ritual: Sobald Mareike ein kurzes "Ab ins Bett" ruft, flitzen die beiden in ihr Schlafgemach – natürlich nicht, ohne dort noch voller Erwartung auf ihr Betthupferl zu warten.
11. April – Gedanken beim Aufstieg in die vierte Etage
Immer dann, wenn man meint, nun müsse das Ende erreicht sein, erhebt sich noch eine weitere Stufe. Der Weg hinauf führt vorbei an Türen und Fußmatten – jede anders, jede mit ihrer eigenen stillen Botschaft. Und mit jedem Schritt wächst die Neugier auf das, was dahinterliegt.
Wer verbirgt sich hinter welcher Tür? Wie humorvoll, intellektuell oder schlicht sind die Menschen auf der anderen Seite? Ist die Fußmatte nur zufällig an ihren Platz geraten, war sie ein Geschenk oder Ausdruck derjenigen, die hier wohnen – ein kleines Statement an der Schwelle zwischen Innen und Außen?
In den meisten Fällen lässt sich jedenfalls erahnen, ob man Lust auf einen Blick in die Wohnung und auf ihre Bewohner hat – oder lieber nicht.
10. April – Und wenn du denkst …
Wenige Sekunden zuvor wähnte man sich noch als vermeintlicher Sieger dieser Fahrstuhl-Spielrunde – nur um beim Ausspielen der letzten Karten fassungslos auf das Blatt zu starren. Da blieb bei dreien von uns Vieren nur noch das Fluchen übrig – und bei einem Mitspieler, der bis dahin kaum an seinen Sieg gedacht hatte, begannen die Augen zu glänzen.
So schnell, abwechslungsreich und erbarmungslos ist Fahrstuhl. Dass noch niemand aus unserer Viererrunde am Ende frustriert in eine Karte gebissen hat, gehört zu den unerklärlichen Wundern dieses kurzweiligen Kartenspiels, denn wenige Augenblicke später heißt es schon wieder: Neues Spiel, neues Glück.
09. April – Nachhall
Eine der schönsten Aspekte unseres Berufs sind – neben dem Fotografieren – die Begegnungen mit den verschiedensten Menschen. In den letzten zwei Wochen durften wir besonders viele dieser Momente erleben, und trotz unseres oft straffen Zeitplans blieb hier und da Raum für ein Gespräch. So wie gestern mit Toni.
Er und sein Bruder betreiben jeweils ein eigenes Restaurant in Reinbek: La Villa und La Villetta. Nach dem Fototermin bei Toni hatten wir noch Zeit, und wir kamen ins Gespräch. Wir waren fasziniert von seiner Begeisterung. Da sprach ein junger Mensch, der voller Pläne steckt, voller Ideen und Tatendrang. Jemand, der für das brennt, was er tut.
Seine Augen funkelten vor Freude. Stolz und glücklich erzählte er von seinem erfüllenden Arbeitsalltag – und das, obwohl dieser oft aus bis zu 16-Stunden-Tagen besteht, sechs Tage die Woche. Er ist einfach mit Herz und Seele Gastgeber und in seinem Restaurant genau am richtigen Platz in der Welt.
Es sind genau diese Begegnungen, die uns innehalten lassen und uns daran erinnern, was wir selbst noch im Leben vorhaben. Danke, Toni.
08. April – In Zeiten der Weltwirtschaftskrise
"Es war einmal vor langer Zeit …" so oder ähnlich beginnen zahlreiche Märchengeschichten oder Rückblicke aus Zeiten, an die man sich mal mehr und mal weniger gerne erinnert. Als wir heute für die Lieblingsadressen Sachsenwald fotografierten, sahen wir diese Geldscheine aus der Zeit der Hyperinflation. Wer hätte damals im Vorweg schon daran gedacht, das etwas so Einschneidendes jemals geschehen könnte? Das man zum Beispiel aus einem 1000 Mark Schein aus der Not heraus einen Geldschein mit dem Gegenwert von einer Milliarde Mark macht? Das Menschen ihren Verdienst in Schubkarren abholen mussten, denn die Geldentwertung kannte keine Grenzen auch keine zeitlichen Begrenzungen. Auch heutzutage nimmt die Geldentwertung ihren Lauf, denn wer hätte sich jemals, vor der Einführung des Euro, vorstellen können, für einen Latte Macchiato einige Zeit später umgerechnet mehr als 10,- D-Mark bezahlen zu müssen? Wohl kaum jemand. Und bei all dem geheuchelten Mitgefühl der Politiker über die sehr hohen Spritpreise während des USA - Iran Konfliktes, darf nicht vergessen werden, dass der Finanzminister sich über die Mehreinnahmen (Stichwort Mineralölsteuer) freut, um damit zahlreiche defizitäre Bereiche im Bundeshaushalt zu stopfen – denn nur darum scheint es zu gehen: Bloß nicht etwas wirklich Langfristiges und dadurch auch Unbequemes auf den Weg zu bringen, sondern lieber kurzsichtig und vollkommen verantwortungslos an die eigene Wiederwahl zu denken.
07. April – Vergänglichkeit
Was symbolisiert Vergänglichkeit besser als diese Tulpen? Seit vielen Tagen stehen sie in dieser Vase – zunächst noch geschlossen, dann langsam aufblühend und nun, am Ende ihrer Tage angekommen, fast vollständig verblüht und erschlafft.
Eine Metapher für das Leben im Allgemeinen. Und doch liegt gerade in dieser Phase eine große Schönheit: vieles gesehen und erlebt zu haben, erschöpft von den Anstrengungen und zugleich erfüllt vom Erlebten.
Nun geht es um das Loslassen – um die letzte Phase des Lebens.
06. April – Abgelegt
Manchmal sind es die kleinen, unscheinbaren Dinge am Wegesrand, die einen länger verweilen lassen als jede noch so schöne Aussicht. Dieses Stofftier, halb gekippt vor Efeu, Zaun und verwittertem Holz, wirkte für einen Moment wie aus der Zeit gefallen. Nicht einfach nur vergessen, sondern zurückgelassen mit seiner ganz eigenen stillen Geschichte.
Gerade darin liegt etwas Berührendes: Eben noch war es vielleicht ein Begleiter, ein Trostspender, ein fester Teil eines Kinderalltags. Nun sitzt es draußen am Straßenrand und wird fast zu einem Sinnbild für Verlust und Vergänglichkeit. An dieser Szene ist nichts Lautes, eher liegt über ihr eine leise Melancholie.
Vielleicht blieben wir gerade deshalb dort stehen. Weil solche Bilder daran erinnern, wie viel Bedeutung selbst in dem liegen kann, was andere längst abgeschrieben haben.
05. April – Ein großes Dankeschön an unsere Fotomodelle
Für ein kleines Leckerli sind unsere Hunde zu fast allen Posen bereit. Manchmal dauert es zwar etwas länger, bis Kendo und Greta synchron an einem Ort stehen und in die Kamera schauen, aber am Ende lächeln sie doch zufrieden – wissend, dass sich die Bemühungen lohnen. So sind über die Jahre schon Hunderte von Aufnahmen entstanden, die wir irgendwann einmal zu einem kleinen Buch zusammenstellen wollen. An den dann zu erwartenden Tantiemen werden wir die beiden natürlich in Form weiterer Leckereien entsprechend beteiligen.
04. April – Innehalten
Zwischen dem kleinen Glück eines Einkaufs und dem großen Unglück anderer Menschen liegen manchmal nur wenige Schritte. Während wir drinnen nach einem passenden Kleid oder einem gut sitzenden Anzug für eine Familienfeier suchten, standen draußen Hunderte von Menschen, um auf die Unterdrückung durch das Mullah-Regime im Iran aufmerksam zu machen.
Drinnen ging es um Stoffe, Schnitte und um jene paar Zentimeter, die einen Anzug wirklich passend machen. Draußen ging es ebenfalls um Zentimeter — aber um Zentimeter, die über Leben und Tod entscheiden. Auf dem T-Shirt einer Demonstrantin waren die Gesichter derer zu sehen, die dem Massaker der Revolutionsgarden nicht entkommen sind. Junge Menschen, deren Leben durch gezielte Schüsse ausgelöscht wurde. Auch dort entscheiden manchmal nur wenige Zentimeter.
Und plötzlich wirkt das Eigene klein. Nicht bedeutungslos — aber klein. Weil einen in solchen Momenten die Erkenntnis trifft, wie nah Alltag und Abgrund beieinander liegen.
03. April – Und er hat schon wieder …
… gesungen. Berührend, betörend, beeindruckend, aufwühlend – einfach himmlisch. Wer über eine Stimme wie Klaus Florian Vogt verfügt und dann auch noch die Titelpartie in Richard Wagners Lohengrin singt, lässt sie zu einem der verführerischsten Instrumente werden, die es gibt. Mit ihrer Zartheit und Strahlkraft zog sie heute einmal mehr das Publikum in der Hamburger Staatsoper in ihren Bann.
Eingebettet in eine auch in den übrigen Partien hervorragend besetzte Inszenierung von Peter Konwitschny wurde der Abend zu einem Fest der Sinne. Wie dankbar sind wir, Klaus Florian Vogt auch bereits in einer seiner anderen großen Paraderollen erlebt zu haben: als Walther von Stolzing in Wagners Die Meistersinger von Nürnberg. Wenn er dort gegen Ende des dritten Aktes das Preislied anstimmt, liegt darin eine solche Energie, dass einem unwillkürlich der Atem stockt. Verrückt und schön zugleich. Und hoffentlich singt er bald wieder …
02. April – Lost
Lost Places ist eine schöne Umschreibung für Orte, an denen sich die Natur das zurückholt, was ihr einst genommen wurde. Meist handelt es sich um verfallene Gebäude, stillgelegte Straßen oder Eisenbahnstrecken.
Das auf dem Foto abgebildete ehemalige Gewächshaus steht in den Vier- und Marschlanden und ist ein stiller Zeuge einer längst vergangenen Epoche, als dies dort unter anderem das bedeutendste Anbaugebiet für Blumen war. Bis die Energiepreise so stark stiegen, dass die Konkurrenz aus Holland trotz der Transportwege unschlagbar günstig wurde.
Heute kommen die Blumen nicht mehr nur aus Holland, sondern auch aus Afrika und Südamerika. So ist die ganze Welt zu einem einzigen Blumenmeer geworden, und das Gewächshaus auf unserem Bild bleibt als schöne Erinnerung an eine andere Zeit.
01. April – Innehalten
Die Termine für die Lieblingsadressen Sachsenwald verdichten sich in diesen Tagen spürbar. Von frühmorgens bis zum Abend sind wir unterwegs, häufig parallel bei verschiedenen Kunden, um die Bilder für die kommende Ausgabe einzufangen. In der intensiven Phase der Produktion richtet sich der Blick fast zwangsläufig auf das Wesentliche; für alles andere bleibt kaum Zeit. Nur selten sind wir gemeinsam unterwegs.
Heute Nachmittag war einer dieser seltenen Momente. Unser Weg führte uns in Richtung Zollenspieker an die Elbe. Auf der Rückfahrt ins Studio fiel unser Blick nach rechts, hinaus in die Ferne, wo das ehemalige Konzentrationslager Neuengamme liegt. Wir entschieden uns, abzubiegen, fuhren dorthin, stiegen aus und schwiegen für ein paar Minuten.
Wir dachten an die Verbrechen der NS-Zeit, an die Kriege unserer Gegenwart und daran, wie zerbrechlich und kostbar das Leben ist. Vielleicht sind es genau diese Momente des Innehaltens, die uns daran erinnern, wie wichtig es bleibt, auch die kleinen, lichten und schönen Dinge bewusst wahrzunehmen.
31. März – Und jetzt auch noch der Wolf
Schemenhaft ist auf dem Container noch die Aufschrift "Hamburg" zu erkennen. Die Stadt an der Elbe, das Tor zur Welt. Und nun auch das Tor zum Wolfsdrama. Tagelang streifte das Tier durch das Stadtgebiet, bevor es schließlich in einem Einkaufszentrum landete – vermutlich auf der verzweifelten Suche nach Orientierung in dieser Zivilisation. Befreit werden sollte es von einer älteren Dame, die für ihren Einsatz prompt gebissen wurde. So viel also zum Thema tierische Dankbarkeit.
Sogar die Zweite Bürgermeisterin der Freien und Hansestadt trat vor die Presse, um zu erläutern, mit welcher Entschlossenheit, Umsicht und Verwaltungsandacht man dieser apokalyptischen Lage zu begegnen gedenke. Es war von abgestimmten Verfahren die Rede, vom engen Einbinden zuständiger Behörden, von Gefahrenabwehr und verantwortungsvollem Handeln. Und man fragt sich unweigerlich: Wie beruhigend muss es doch sein, in Zeiten derart erschütternder Ausnahmezustände zu wissen, dass wirklich alles in den besten Händen liegt.
Bleibt zu hoffen, dass neben Verwaltung, Ordnungsamt und Presseabteilung auch Umweltschutz, Katastrophenschutz und womöglich sogar ein Wolfsexperte konsultiert wurden. Nicht auszudenken, wenn man bei einem Wolf am Ende noch Fachleute einbeziehen müsste.
Und als wäre das nicht schon genug, gibt es da ja auch noch Wal Timmy, der in gar nicht so weiter Ferne seit Tagen die Gemüter bewegt. Angesichts dieser dramatischen Bedrohungslage für die einzigartige Tierwelt vor unserer Haustür darf nun selbstverständlich auch der Spendenappell nicht fehlen. Vereine, Verbände und alle, die sich dem Tierwohl verschrieben haben, rühren damit zuverlässig an unser tiefstes Mitgefühl.
Ach, hätten andere Länder doch ebenfalls das Privileg, sich mit derart schwerwiegenden Problemen befassen zu dürfen – sie könnten unser Leid vielleicht besser nachvollziehen.
30. März – Vom einsamen Handschuh …
… oder von der Kunst des Vergessens. Ist Vergessen eigentlich eine Form der Kunst oder doch eher rein zufällig? Vielleicht beides. Denn manches vergisst man, obwohl man es unbedingt behalten wollte, und anderes vergisst man nur allzu gerne – wie zum Beispiel den Turnbeutel in der Umkleidekabine, den schon mehrfach aufgeschobenen Zahnarzttermin sowie bevorzugt unbequeme Dinge.
Aber wie passt dann der einsame Handschuh in dieses Bild? Denn der zweite Handschuh war weit und breit nicht zu erblicken. Vielleicht gehört er jemandem, der einfach keine Lust mehr auf die Kälte hat, sich nun auf den Frühling freut und dem „Wetterfrieden“ gleichzeitig noch nicht so ganz trauen mag. Deshalb behält sie einfach einen Handschuh, um wenigstens ein klein bisschen gegen eine kurzfristige Eiseskälte gewappnet zu sein.
29. März – Wie Dick und Doof zu den Helden unserer Kindheit wurden
"Das ist ja ein furchtbarer Klamauk – warum müsst ihr euch so etwas überhaupt ansehen?", fragte unsere Mutter, wenn wir Woche für Woche vor dem Fernseher saßen, um uns die neueste Folge von Dick und Doof anzuschauen. Für uns jedoch war das herrlich. Wunderbarer Blödsinn, komische Missgeschicke, dazu diese schrägen Geräusche und Töne – wir liebten es.
Es war die Zeit des Schwarz-Weiß-Fernsehens, aber auch die Zeit der Lustigen Taschenbücher, für die wir, sehr zum Missfallen unserer Mutter, unser ganzes Taschengeld ausgaben – abgesehen von ein paar Pfennigen für Süßigkeiten wie Brausepulver oder Salinos.
Im Rückblick sah für uns Kinder ein perfekter Abend so aus: Vor dem Schlafengehen noch eine Folge Flipper, Bonanza oder eben Dick und Doof, dazu ein paar Süßigkeiten, und anschließend im Bett noch das neueste Lustige Taschenbuch lesen.
Heute dagegen schauen wir vor dem Einschlafen noch einmal auf unser Handy, um zu sehen, was in der Welt passiert – und stellen fest: Glücklich macht uns das nicht.
28. März – Trophäen
Auszeichnungen gehören einfach dazu. Nicht ohne Grund gibt es Pokale für so gut wie alles: Sportarten, Tanzveranstaltungen, Filmfestivals, Tierzuchtschauen — und in diesem Fall eben auch für Porno–Stars und –Sternchen. Davon gab es auf der Messe in Berlin reichlich zu bestaunen, ebenso wie das eine oder andere weibliche oder männliche Exemplar dieser schillernden Branche.
Ansonsten erinnerte das Ganze an einen Jahrmarkt: bunte Lichter, laute Musik und Animationen jeder Art, wohin man auch sah. Dazwischen die obligatorischen Weinverkostungsstände, wie man sie von nahezu jeder deutschen Messe kennt, dazu einige eher ambitioniert bepreiste Essens- und Getränkestände. Nur dass sich hier eben alles um das Thema Lust drehte — oder zumindest um das, was man dort darunter verstand.
Muss man das unbedingt gesehen haben? Nein. Unterhaltsam war es trotzdem. Und am Ende wurden natürlich auch noch die Trophäen vergeben.
27. März – Engagement
Sich zu engagieren heißt, Zeit zu schenken. Sich festzulegen. Auf Freizeit zu verzichten. Und das in einer Zeit, in der das Ich oft wichtiger scheint als das Wir. Jeder macht sein eigenes Ding, optimiert sich selbst und schaut zuerst auf den eigenen Vorteil. Rücksicht und Weitsicht bleiben dabei nicht selten auf der Strecke.
Heute ging es in Hitzacker um die Musikwoche. Gesucht werden Menschen, die Lust haben, sich ehrenamtlich einzubringen und Teil einer Gemeinschaft zu sein. Der Lohn? Ein Musikfestival in einem der bezauberndsten Städtchen Deutschlands mitzugestalten. Musik hautnah zu erleben. Gemeinsam mit netten Menschen etwas auf die Beine zu stellen, das verbindet und begeistert.
Genug geschrieben – jetzt geht es ans Machen: www.musikwoche-hitzacker.de
26. März – Kindheitstraum(a)
Was haben wir in unserer Jugend von einem eigenen Tischfußballspiel geträumt! Es schien unserer Mutter jedoch zu groß, zu teuer und zu laut. Glücklicherweise hatte einer meiner Freunde einen solchen Tisch. Dort wurde gespielt, gekreischt, dramatisch verloren und euphorisch gewonnen. Und gedreht. Aber das war nicht nur verpönt, sondern bei Strafe verboten. Die Spielstangen durften nur aus dem Handgelenk bedient werden. Da half auch kein Flehen und Betteln. Denn wenn man gegen diese eiserne Spielregel verstoßen hatte, wurde man sofort mit einem Gegentor bestraft. So endete mancher Nachmittag bei besagtem Freund eher in gedrückter Stimmung, wenn es mal wieder nicht für einen der vorderen Plätze gereicht hatte.
25. März – Tom–Kha– ... – Was?
Nicht Gulaschsuppe. Nicht Erbsensuppe. Nicht Tomaten- oder Kartoffelsuppe, sondern die leicht auszusprechende, aber etwas schwieriger zu schreibende Tom–Kha–Gai–Suppe sollte es heute Abend sein. Dazu herrlich duftender Basmati–Reis, und das Glück der Erde liegt heute einmal nicht auf dem Rücken der Pferde, sondern schwimmt vor unseren Augen im Suppentopf.
Eines der Geheimnisse unseres Erfolgs lag in der Wahl der Kokosmilch beziehungsweise in deren Nichtverwendung, denn stattdessen nahmen wir auf Empfehlung einer freundlichen Verkäuferin im Asialaden Kokoscreme. Und siehe da: Die Tom Kha Gai wurde "runder" und noch geschmackvoller.
Der restliche Inhalt ist schnell erzählt: Hühnerfleisch anbraten, Frühlingszwiebeln, weiteres Gemüse, Ingwer und Currypaste dazugeben, mit Hühnerbrühe ablöschen, dann die Kokoscreme mit etwas Salz hineingeben und am Ende noch Koriander und Limettensaft dazu – schon ist sie fertig.
Nebenbei den Reis 30 Minuten wässern, danach so lange mit Wasser spülen, bis das Wasser klar ist. Mit der anderthalbfachen Menge Wasser zum Kochen bringen und für ca. zehn Minuten ziehen lassen, bis das Wasser vollständig aufgesogen wurde. Der Rest ist Genuss. Und Christians neue Lieblingssuppe.
24. März – Angetreten
In Reih und Glied stehen diese Abfalleimer und erinnern an eines der aktuellen Themen in Deutschland: die Wiederkehr der Wehrpflicht. Kommt sie oder kommt sie nicht? Und wenn ja, in welcher Form? Für alle oder nur für einige wenige? Wer wäre überhaupt bereit, "sein" Land zu verteidigen? Gegen wen oder was?
Leicht ist es, für andere Menschen zu entscheiden. Schwer wird es hingegen, wenn diese anderen Menschen zum Beispiel die eigenen Kinder sind, die womöglich an die Front müssten. Lohnt es sich, für eine Sache zu kämpfen und mit dem Leben für etwas einzustehen? Für ein Land? Bestimmt würden die meisten Menschen bejahen, für die eigene Familie einzustehen beziehungsweise sie, wenn nötig, auch mit Waffengewalt zu verteidigen. Aber auch für andere Menschen?
Zurück zur Wehrpflicht: Sie oder eine andere zeitlich befristete soziale Verpflichtung hätte den Vorteil, dass sich die Menschen intensiver mit dem Sinn einer Gesellschaft und ihren Werten beschäftigen müssten. Schon dieser Aspekt spricht für eine verpflichtende Tätigkeit im Dienst der Allgemeinheit.
23. März – Darf es etwas wilder sein?
Gärten sind vielfältig. "Von … bis ..." ist so ziemlich alles dabei. Von spießig bis wild – es darf sein, was gefällt und liegt immer im Auge des Betrachters. Wir lieben es eher wild. Ich mag es etwas gemäßigter, für Mareike könnte es noch wilder sein. Im Herbst haben wir diese Wildtulpen als Zwiebeln in unseren Garten gesetzt, und sie sind genauso schön geworden, wie wir es uns erhofft hatten. Das wird ganz sicher auch die nächste Zwiebelpflanzaktion im Herbst beeinflussen. Mareike hat allerdings schon um ein wenig Zurückhaltung gebeten, denn allmählich wird der freie Platz knapp, und auch einige andere Pflanzen stehen noch auf unserer Wunschliste. Hauptsache "wild".
22. März – Einer unserer Kindheitshelden
Wenn es um Sympathieträger aus unserer Kindheit geht, spielt er ganz vorne mit: der Fischstäbchen-Kapitän "Käpt'n Iglo". Stets bestens gelaunt, immer freundlich und offenbar dauerhaft auf erfolgreichem Kurs, wenn es darum ging, uns Fischstäbchen schmackhaft zu machen. Mit Erfolg: Fischstäbchen gehörten damals ganz klar zu unseren Lieblingsgerichten.
Und ehrlich gesagt hat sich daran bis heute nicht allzu viel geändert. Auch heute dürfen es gerne 15 Stück pro Person sein, wenn es wieder heißt: Leinen los und volle Fahrt voraus zum Fischstäbchenfang! Umso schöner, wenn man beruflich nach Bremerhaven kommt und dort plötzlich einem echten Helden der Kindheit begegnet. Nicht höchstpersönlich zwar – aber doch so nah, dass sofort wieder ein kleines bisschen Kindheitsgefühl mit an Bord ist … und jetzt haben wir Lust auf Fischstäbchen ...
21. März – Die Zukunft … ist Zukunft
Und deshalb bleibt sie unvorhersehbar – allenfalls in Ansätzen zu erahnen. So sehr wir uns auch als Fotozukunftskämpfer in Science-Fiction-Manier inszenieren mögen, bleibt doch offen, wohin die Entwicklung tatsächlich führt. Das Berufsfeld der Fotografie erlebt innerhalb von kaum mehr als zwanzig Jahren bereits seinen zweiten tiefgreifenden Umbruch. Anfang der 2000er-Jahre markierte der Wechsel von der analogen zur digitalen Fotografie eine Zäsur; heute ist es die künstliche Intelligenz, die in vielen Bereichen der Fotografie – und weit darüber hinaus – ganze Arbeitsfelder grundlegend verändert. Das Leben selbst ist von Wandel durchdrungen. Auf kurze Phasen scheinbarer Ruhe folgt oft schon die nächste Neuerung, und erneut gerät Vertrautes ins Wanken. Beständig ist letztlich nur der Wandel – auch in der Zukunft. So viel ist gewiss.
20. März – Ein Schmarrn für den Kaiser
Oder genauer gesagt: eine Staatsaffäre. Eine waschechte österreichische Staatsaffäre. Gerüchten zufolge soll sogar der deutsche Botschafter in Wien einbestellt worden sein. Stein des Anstoßes war und ist – wie wir heute erneut mit Genuss feststellen durften – der Kaiserschmarrn im Restaurant Janemanns in Hitzacker.
Er braucht seine Zeit. Und das ist auch gut so. Denn nur so wird er, wie ein Kaiserschmarrn sein muss: fluffig, duftig, weich und zugleich herrlich kross. Kurz gesagt: kaiserlich. Vielleicht sogar majestätsbeleidigend gut.
Vor allem in Österreich brachte das offenbar die Gemüter zum Brodeln. Verständlich – schließlich versteht man dort beim Thema Kaiserschmarrn keinen Schmarrn. Aber das soll uns nicht weiter kümmern: Wer wissen möchte, wie ein wirklich guter Kaiserschmarrn schmeckt, kommt einfach nach Hitzacker – nicht zuletzt ins aktuelle Mekka des Kaiserschmarrns.
19. März – Weisheiten ohne Ende
Arschkarte. Gefühlt gibt es Hunderttausende davon. Für jeden Anlass. Manchmal passend, meistens daneben. Sie werden gesammelt, abgeheftet, angepinnt, verschickt, zerknickt, zerknüllt, weggeworfen. Ein endloser Kreislauf aus Papier und Sprüchen, aus gut Gemeintem und schlecht Getroffenem.
Vielleicht verschenken wir diese Sinnsprüche, um uns selbst an etwas zu erinnern: an das, was wir noch vorhaben, an das Leben, das wir führen wollten oder immer noch führen wollen – oder eben auch nicht. Als kleine Mahnung an das eigene Ich. Als Zettel gewordene Hoffnung.
18. März – Mein kleiner grüner Kaktus
Mitten im Fototermin fühlten wir uns heute plötzlich beobachtet. Ein Blick nach links, ein Blick nach rechts – komisch, da war niemand zu sehen, außer unserem derzeitigen Fotomodell. Dann der Blick nach unten, und da war er: der kleine, nicht nur grüne Kaktus schaute uns unverhohlen an. Bei dem Silberblick hatte er sogar uns beide gleichzeitig im Visier.
Wir mussten unversehens schmunzeln und schauten uns etwas genauer in diesem und den folgenden Büros um. Und da hingen und standen sie: all die kreativen Ausbrüche, die man sich im Umgang mit Kunden nicht erlauben kann oder möchte. Von Fotomontagen der Kolleginnen und Kollegen über selbst gezeichnete Porträts bis hin zu Wackelaugen auf Lochern oder eben diesem kleinen Kollegen war alles vertreten.
Da zeigte es sich mal wieder: Der Mensch will kreativ sein. Und wenn es im Job nicht angebracht ist, dann wird es eben im Kollegenkreis ausgelebt. Wir waren jedenfalls begeistert.
17. März – Vorfreude
Nichts geht über eine gute Pfanne! Das klingt vielleicht ein wenig übertrieben, ist in diesem Fall aber durchaus berechtigt. Denn mit viel Geduld und Sorgfalt hat Mareike unser bislang eher stiefmütterlich behandeltes Exemplar wieder auf Vordermann gebracht und ihm zu neuer Form verholfen.
Dazu gehörten nach dem kompletten Entfernen der alten, verkrusteten Schicht, das Einbrennen und regelmässige Einölen – eine Pflege, die zeitweise fast an eine kleine Wellnessbehandlung erinnerte. Nach mehreren Monaten intensiver Pflege ist die Pfanne nun wieder voll einsatzfähig.
So kann Christian darin endlich wieder sein geliebtes Rumpsteak anbraten, bevor es in den Ofen kommt. Und wenn man dabei sein Schmunzeln sieht, erkennt man sofort, was echte Vorfreude ist – und dass sich die sorgfältige Arbeit gelohnt hat.
16. März – Spielkind
Einmal Spielkind, immer Spielkind. Im nächsten Leben wird Christian wahrscheinlich Tester für einfach alles. Ganz egal, was gerade neu auf den Markt kommt – nach ausgiebiger Recherche wird das gute Stück erst einmal ausprobiert. Es gibt vermutlich kaum eine Kamera, die er noch nicht in der Hand hatte, kaum eine Fernbedienung von irgendwas, die nicht schon durch seinen Test gelaufen ist. Und jetzt also auch noch das neue Handy mit Leica-Optik.
Eigentlich war mir das schon in dem Moment klar, als er fragte, ob ich nicht Lust auf ein Leica-Event in Hamburg hätte. Und zack – schon lag das Handy bei ihm zum Testen in der Hand. Seitdem wird ausprobiert, studiert, verglichen und bewertet.
Der Ablauf ist dabei fast immer derselbe: Erst kommt die große Begeisterung, dann ein kleiner Dämpfer, danach die Gewöhnung – und am Ende ist die Begeisterung plötzlich wieder da.
Und was bleibt unterm Strich? Ein Foto. So eins wie dieses von heute Abend. Sieht fast so aus wie viele andere Bilder, die schon von genau diesem Spot gemacht wurden. Nur eben diesmal mit einem Handy. Und zwar in echt beeindruckender Qualität. Das freut natürlich ganz besonders: das Spielkind.
15. März – Tokio Hotel meets Meudelfitz
Eine Entdeckung, die durchaus das Prädikat Sensation verdient, machten wir heute unweit des schönen Ortes Meudelfitz (Hitzacker): Die weltberühmte Band Tokio Hotel gab sich in der vergangenen Nacht höchstpersönlich die Ehre und erschien zu einer Signierstunde, die offenbar nur einem kleinen Kreis Eingeweihter bekannt war – und das an einem ebenso geheimnisvollen wie abgeschiedenen Ort im Wendland.
Von diesem denkwürdigen Ereignis erfuhren wir leider erst einige Stunden später – und auch das nur durch einen glücklichen Zufall. Zwar hatten wir uns bereits in der Nacht über die geheimnisvoll aufflackernde Beleuchtung im benachbarten Waldstück gewundert, doch erst beim morgendlichen Spaziergang mit Kendo und Greta lichtete sich das Dunkel: Aus der Nachbarschaft vernahmen wir Kunde von einem Spektakel, das in seiner weltmusikalischen Tragweite kaum zu überschätzen sein dürfte.
Tokio Hotel, genauer gesagt Bill und Tom Kaulitz, erwiesen der Region zwischen Berlin und Hamburg die Ehre, hier eine Botschaft zu hinterlassen. Doch bei genauerer Betrachtung sind wir wohl doch einem Irrtum erlegen – lautet der Spruch, mit dem sie Woche für Woche ihren Podcast beenden, doch: „Only love, don’t hate.“ Naja, es hätte ja sein können …
14. März – Abendstimmung an der alten Jeetzel
Blauer Himmel und rötlich schimmerndes Schilf – ein wunderschöner Kontrast. Auf das Grün an Bäumen und Büschen warten wir zwar noch, dafür gibt es jetzt schon viele andere Farbtöne zu entdecken. Es ist einfach faszinierend, wie sich die Natur mit den Jahreszeiten verändert. Und wenn dann auch noch die Hunde den Abendspaziergang genauso genießen wie wir – und nicht einfach abhauen, wie heute – dann ist es an der alten Jeetzel immer wieder besonders schön.
13. März – Frommer Wunsch
Da hilft weder Betteln noch Flehen: Die meisten Männer stehen lieber, als sich hinzusetzen. Und wer dieses Schild liest, steht ohnehin schon — sonst könnte er es gar nicht lesen. "Beim nächsten Mal setze ich mich hin" wäre ein vernünftiger Gedanke, bleibt aber offenbar reine Theorie. Für viele scheint Sitzen wohl zu wenig männlich, zu wenig territorial, zu wenig "Revier markieren" zu sein. Also bleibt am Ende wohl nur dies: ein frommer Wunsch.
12. März – Saisonauftakt
Pünktlich mit den ersten schönen Tagen beginnt auch die Fotosaison für die Lieblingsadressen Sachsenwald. Zu den ersten, die wir in diesem Jahr besuchen durften, gehört Riadh, in der Sachsenwaldregion vielen besser bekannt als der Matheflüsterer.
Mit seiner besonderen Art hat das sympathische Mathegenie bereits unzähligen Schülerinnen und Schülern geholfen, ihre Mathematik-Abiturprüfung erfolgreicher zu meistern und dabei nicht selten auch die Angst vor einem Fach zu verlieren, das bei weitem nicht zu den beliebtesten zählt.
Für sich sprechen an dieser Stelle die vielen positiven Rückmeldungen. Eine davon lautet:
"Der beste Nachhilfelehrer, den es gibt! Er kann wirklich jedem Mathe verständlich machen. Immer freundlich, zuverlässig und engagiert. Absolute Empfehlung!"
www.mathe-riadh.de
11. März – Chansonmanie in Wentorf
Was für ein bewegender und zugleich wunderschöner Abend im Wentorfer Bürgerhaus: Das Konzert von Chansonmanie war vollkommen zu Recht ausverkauft. Isabella, Matthias und Lars entfalten in knapp zwei Stunden auf der Bühne eine Atmosphäre, die tief berührt und lange nachklingt.
Mit Liedern und Geschichten über Édith Piaf und Marlene Dietrich erzählen sie von Liebe und Liebeleien, von Eigenarten und Hilfsbereitschaft, von Freundschaften, Künstlerkollegen und von einer musikalischen Größe, die über Jahrzehnte hinweg unvergessen geblieben ist. So entsteht ein ebenso facettenreicher wie berührender Abend, der das Publikum unweigerlich in seinen Bann zieht.
Betörend schön und ohne jede Einschränkung empfehlenswert. Schöner kann man seine Zeit kaum verbringen.
10. März – Alles Asien oder was?
Heute Abend waren wir in Hamburg zu einem Leica-Event eingeladen. Vorgestellt wurde ein Smartphone für den europäischen Markt, das mit bemerkenswerten fotografischen Möglichkeiten aufwartet. Entwickelt wurde es in Kooperation mit dem chinesischen Konzern Xiaomi, der seinerseits von der Strahlkraft des Namens Leica profitieren möchte. Zugleich zeigt diese Partnerschaft aber auch, dass Leica allein kaum in der Lage wäre, ein solches Produkt selbst zu entwickeln – geschweige denn in dieser Form zu produzieren.
Bereits im Vorfeld hatten wir Videosequenzen aus der Fertigung in China gesehen. Sie brechen radikal mit jenen Bildern, die Europa lange von China hatte: der Werkbank der Welt, auf der vor allem billig produziert wurde, was wir hier bereitwillig kauften. Dieses Bild ist überholt. China braucht Europa heute bestenfalls noch als Absatzmarkt – nicht mehr als technologischen Taktgeber oder als Vorbild für industrielle Produktionsprozesse. In vielen Bereichen sind die Chinesen, und mehr noch große Teile Asiens, längst schneller, effizienter und technologisch weiter. Der Vorsprung Europas ist dahin.
Noch wird Europa für China auf Jahre, womöglich Jahrzehnte, ein interessanter Markt bleiben. Doch auch das dürfte nicht von Dauer sein. Früher oder später werden andere Wachstumsregionen – etwa die BRICS-Staaten – stärker in den Fokus rücken. Das ist keine Provokation, sondern Ausdruck einer globalen Verschiebung, die sich seit Langem abzeichnet. Man muss das nicht gut finden. Aber man sollte sich auch nichts vormachen.
09. März – Ausgefallene Perspektive
Ausgefallene Perspektiven eröffnen oft ganz besondere Motive. Ein schönes Beispiel dafür findet sich an der Geesthachter Elbe im Hafen. Die Fußgängerbrücke verbindet die Innenstadt mit der Elbinsel, während sich im Hintergrund die Häuser der Geesthachter Hafencity entlang des Wassers ziehen. Sie wirken wie der Versuch, die Hamburger Hafencity in kleinerem Maßstab nach Geesthacht zu holen – mit gemischtem Ergebnis. Manches ist gelungen, anderes erscheint zu dicht bebaut, wohl nicht zuletzt aus Kostengründen. Mit den einstigen Plänen hat die heutige Bebauung jedenfalls nur noch wenig gemeinsam.
Trotzdem entfaltet dieser Ort einen ganz eigenen Zauber. Der weite 180-Grad-Blick über das Wasser ist von einer faszinierenden Schönheit. Vor vielen Jahren standen wir einmal selbst in einer Wohnung im ersten Stock und konnten uns an diesem Anblick kaum sattsehen. Es war ein stiller, beinahe zeitloser Moment – irgendwo zwischen Meditation und Träumen.
08. März – Frühlingsboten
Wir lieben die SW-Fotografie. Und wir lieben die Farben des Frühlings. Nach der langen Zeit des grauen Herbstes und der weißen Winterpracht zeigen sich nun überall die Krokusse. In ihren vielfältigen Farben und Formen leuchten sie aus der Erde hervor – viele bewusst gepflanzt, manche auch ganz von selbst gekommen – und erfreuen Tag für Tag aufs Neue unser Auge.
Schon vor Jahren ahnten wir, dass uns ein kleiner eigener Garten glücklich machen könnte. Doch erst jetzt erfahren wir wirklich, wie viel Glück in der Arbeit mit und in der Erde liegt. Vorbereiten, aussäen, ernten, beobachten, umpflanzen, gießen – all das beruhigt, entschleunigt und erfreut das Herz.
07. März – Gestaltung
Seit über 25 Jahren begleiten wir Torquato fotografisch und haben in dieser Zeit eine Vielzahl außergewöhnlicher Produkte vor der Kamera gehabt. Viele davon sind uns im Laufe der Jahre vertraut geworden, etliche haben wir darüber hinaus auch persönlich schätzen gelernt und einige habne wir sogar gekauft. Diese enge Verbindung zur Marke und zu ihren Produkten prägt unsere Arbeit bis heute.
Es ist für uns immer wieder eine besondere Freude, schöne Dinge fotografisch so zu gestalten, dass ihre Qualität und ihr Charakter sichtbar werden. Häufig steht das Bildformat bereits fest, so dass die Herausforderung darin besteht, die Produkte innerhalb dieses Rahmens präzise und zugleich lebendig zu inszenieren. Durch eine sorgfältige Anordnung, ein feines Gespür für Proportionen und eine gezielte Lichtsetzung entstehen Bilder, die das Format optimal nutzen und den Objekten eine besondere Präsenz verleihen.
06. März – Pippo Pollina & Quartetto Acustico zu Gast in der Laeiszhalle
Mehr als ein Jahr ist inzwischen vergangen, seit der italienische Liedermacher Pippo Pollina zuletzt in Hamburg auf der Bühne stand. Damals noch gemeinsam mit dem Schweizer Jugendorchester, kehrte er nun in einem intimeren Rahmen mit vier weiteren Musikern zurück. Mit großer Intensität präsentierte Pippo Pollina die Lieder seiner neuen CD "FRA GUERRA E PACE – Zwischen Krieg und Frieden" und nahm das Publikum mit auf eine bewegende musikalische Reise.
Doch nicht nur seine Songs berührten an diesem Abend – auch die Geschichten hinter den Liedern, die persönlichen Erlebnisse und Gedanken, aus denen diese Musik entstanden ist, erzählte er mit einer Eindringlichkeit, die unter die Haut ging. So entstand eine besondere Nähe zwischen Bühne und Publikum, die den Abend zu etwas ganz Besonderem machte. Am Ende dankten ihm die Zuhörerinnen und Zuhörer sowie seine Band mit lang anhaltendem Applaus und stehenden Ovationen.
05. März – Innehalten
Innehalten. Stehen bleiben. Durchatmen. Und den Ausblick genießen. Dieses Abendlicht über der Elbe ist phänomenal. Egal wo: ob in Hamburg, Lauenburg, Hitzacker, Dresden oder Bad Schandau – der Strom übt einfach eine magische Anziehungskraft aus. Bei großen Flüssen spricht man ja auch von Lebensadern. Vielleicht liegt es daran, dass wir Menschen immer wieder gerne ans Wasser zurückkehren, innehalten und dann mit neuen Eindrücken weitergehen. Gerade am Abend ist es schön, dort den Tag Revue passieren zu lassen.
04. März – Partytime
Ich verrate heute ein gut gehütetes Geheimnis: Christian ist eine wahre Kuchentante. Er liebt Kuchen in jeder erdenklichen Ausführung. Und deshalb ist heute einer seiner Träume in Erfüllung gegangen.
Die Präsentation der Lieblingsadressen fand im Café Koch in Grünhof-Tesperhude statt. Dorthin zieht es ihn immer wieder, wenn wir (oder er) dort in der Nähe zu tun haben – oder wenn wir einfach einen Elbspaziergang mit einem Besuch dort abrunden.
Heute Abend begann alles mit einem kurzen Empfang im Hude Höker. Später folgte wundervolles Essen vom Elbkantinchen – und als krönender Abschluss verführerische Kuchen-im-Glas-Kreationen vom Café Koch.
Neben all den netten Gästen war das eine herrliche Party mit vielen Gesprächen, schönem Wetter und bester Laune. Genuss pur. Am Ende drohte Christian fast zu platzen.
Tatsächlich kann man in diesem "Bermuda-Dreieck" von Grünhof-Tesperhude ganz wunderbar versacken.
Der Ablauf ist denkbar einfach: Zuerst ein genussvoller Einkauf im Hude Höker – vielleicht verfeinert mit einem sehr leckeren Espresso. Danach geht es gegenüber ins Café Koch zu einem (oder auch zwei) Stück Kuchen oder Torte. Und anschließend auf die andere Straßenseite ins Elbkantinchen zu einer Wildbratwurst und einem Kaltgetränk.
Dann beginnt das Ganze einfach wieder von vorn. Und das alles mit einem wundervollen Blick auf die Elbe. Was braucht man mehr ...!?
03. März – Epilog
Mit zwei Tagen Abstand lässt sich sagen: Die 40. Ausgabe der Musikwoche Hitzacker war für uns ein außergewöhnliches musikalisches Erlebnis. Was unter dem etwas mysteriösen Titel "Geheime Botschaften" angekündigt war, erwies sich als ebenso kluges wie zugängliches Leitmotiv des Festivals. Neben der Musik wurde so viel Wissenswertes über Bach, Leibniz und die Bedeutung von Zahlen in Kompositionen vermittelt, dass daraus ein vertieftes Verständnis erwuchs – und damit ein neues, intensiveres Hören der Werke.
Heute fanden wir endlich die Ruhe, die in den vergangenen zehn Tagen entstandenen Fotografien in aller Muße zu betrachten und die gesamte Musikwoche noch einmal Revue passieren zu lassen. Wir sind immer noch etwas erschöpft von dem wenigen Schlaf, den wir bekommen haben, ein wenig traurig, dass nach dem dritten gemeinsamen Jahr mit dem Mahler Chamber Orchestra diese Zusammenarbeit mit der Musikwoche endet, dankbar für die vielen Eindrücke und Einblicke, die grandiose Musik sowie all die tollen Menschen, die wir kennenlernen durften, und voller Zuversicht, dass es im kommenden Jahr mit der 41. Musikwoche ebenso schön weitergeht und wir außerdem den einen oder anderen MCOler einmal wiedersehen werden.
Und wir möchten uns von Herzen für das Vertrauen und die Wertschätzung bedanken, die uns entgegengebracht wurden. Im Folgenden zeigen wir eine kleine Auswahl unserer Lieblingsbilder.
02. März – Silence
Ein Festival. Zehn Tage. Hundert Fotos am Tag. Tausend Minuten Musik.
Und heute – der Tag nach der Musikwoche: Ruhe.
Morgennebel liegt wie ein leiser Schleier. Dann bricht die Sonne hindurch.
Frühstück in aller Ruhe. Schritte in den Garten.
Den Schneeglöckchen beim Wachsen zusehen.
Ganz ohne Musik.
Gegen Abend noch eine Runde an die Elbe.
Der Mond zeigt sich nur zaghaft, als müsste er sich erst noch trauen.
Eine Kirchenglocke schlägt mit einem einzigen Ton.
Und wir wollen noch immer keine Musik hören.
Silence.
01. März – Finale
Kaum begonnen, und schon wieder vorbei. Zehn Tage voller Begegnungen, Musik und Emotionen. Zehn Tage, die wir zwischen Proben, Backstage und Bühne beziehungsweise Zuschauerraum verbracht haben. Die 40. Ausgabe der Musikwoche Hitzacker schloss heute mit dem Ausnahme-Bratschisten Antoine Tamestit und seiner Fassung für Streichorchester des Streichquintetts Nr. 2 in G-Dur von Johannes Brahms. Was wie eine reine Aufzählung von Fakten klingt, entfachte auf der Bühne im Verdo eine Kraft, die das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss. Danach zu erleben, wie sich die Musiker des Mahler Chamber Orchestra glücklich in den Armen lagen, gehört für uns zu den eindrucksvollsten Bildern dieses Festivals. Hier spielt nicht einfach ein Orchester – hier spielen Menschen, die sich mögen, und genau das hört und spürt man als Besucher. Ein beeindruckendes Finale eines grandiosen Musikfestivals an der Elbe.
28. Februar – In Bewegung
Musik berührt und bringt uns in Bewegung: ein leichtes Wippen mit den Füßen – oder der ganze Körper fängt an zu schwingen. Auch die Orchestermusikerinnen und –musiker bewegen sich. Einige ausgeprägter, andere kaum wahrnehmbar.
Ein besonderes Highlight der diesjährigen Musikwoche Hitzacker war für uns am Donnerstag ein Werk von Terry Riley. Sein 1964 entstandenes Stück "In C" gilt als Meilenstein der Musikgeschichte. Es ist der Versuch, Demokratie in die Ensemblemusik zu bringen: Es gibt keinen Dirigenten, alle müssen aufeinander hören, reagieren und gestalten so das musikalische Geschehen gemeinsam.
Ohne dass wir uns vorher abgestimmt hätten, begannen wir, die Bewegungen der Musiker sichtbar zu machen: Wir wählten längere Belichtungszeiten und arbeiteten mit Wischeffekten, um das Musikerlebnis fotografisch einzufangen.
27. Februar – Dankbarkeit
"Ich danke Ihnen von Herzen, Ihr Musikspiel hat mich so berührt." Diese Aussage einer Bewohnerin eines Seniorenheims in Hitzacker hat auch die jungen Musikerinnen und Musiker des Mahler Chamber Orchestra tief berührt. An vier unterschiedlichen Orten wurden unter anderem ein Tango und ein Auszug aus dem "Erlkönig" dargeboten. Anders als im meist abgedunkelten Konzertsaal konnten die Musiker hier die Reaktion des Publikums sofort sehen – und am Ende eben auch hören. Mitzubekommen, wie sehr Musik berührt, ist ein Geschenk dieser so gelungenen Musikwoche, die noch bis Sonntag mit einem außergewöhnlich schönen Programm weitergeht.
26. Februar – Klassik rockt Kinder
Abends sitzen auf diesen Plätzen brav und gesittet Menschen, die so gut wie keinen Mucks von sich geben, wenn das Mahler Chamber Orchestra auf der Bühne ist. Heute Morgen saßen dort etwa 700 Grundschulkinder mit ihren Lehrkräften und rockten das Verdo. Es wurde getanzt, gesungen, gelacht – und etwas ganz Wesentliches entdeckt: die Freude an der Musik. Ja, gewiss, Freude kann man auch im Stillen, in innerer Einkehr empfinden, doch man kann sie auch unmittelbar teilen. So wie die Schülerinnen und Schüler heute, die über die Scherze der Bühnenshow lachten und gleichzeitig andächtig lauschten. Zum Beispiel wenn das Cello Bachs Solosuiten anspielt. Den Musikerinnen und Musikern des Mahler Chamber Orchestra, die gemeinsam mit dem Duo Carrington-Brown und Suli Puschban – bei "Klassik rockt Kinder" mit auf der Bühne saßen, hat es offensichtlich ebenfalls ein Riesenvergnügen bereitet hat, vor einem so ausgelassenen und begeisterungsfähigen Publikum zu musizieren. Zusammenfassend können wir sagen, dass Klassik nicht nur Kinder rockt ...
25. Februar – Das Trio Gaon katapultierte uns in andere Sphären
Was im ersten Moment für uns etwas sperrig klang (der Name), ging dann aber ab wie Schmidt's Katze. Entschuldigung für diesen etwas unpassenden Begriff für ein Trio, das sich der ernsten Musik (Klassik) widmet. Aber die Entschuldigung kommt auch nur sehr halbherzig daher, denn was die drei Musiker – Jehye Lee (Violine), Samuel Lutzker (Violoncello) und Tae-Hyung Kim (Klavier) – heute Abend in der St.-Johanniskirche in Hitzacker ablieferten, war überirdisch, intergalaktisch, unaussprechlich: phänomenal-verrückt – und das wirklich alles auf einmal. Weltklasse. Weltklasse. Basta.
www.musikwoche-hitzacker.de
24. Februar – Aller guten Dinge …
Halbzeit bei der Musikwoche Hitzacker – das bedeutet, dass heute Abend das Kneipenquiz auf dem Programm stand. Es war unser drittes Mal, und wir hatten von Anfang an eine "Kernrunde", bestehend aus Albert, Wolfgang, uns beiden und ein bis zwei weiteren Mitratern. Bisher hatte es mit dem Sieg nur ganz knapp nicht klappen wollen; die Konkurrenz war immer sehr stark gewesen. Doch heute sollte alles anders werden. Zu unserem Team "Weinberg" gesellte sich Tim vom MCO dazu, und wir ahnten schon: Das ist ein gutes Omen. Und dann waren da natürlich noch Kendo und Greta, die den ganzen Abend brav unter dem Kneipentisch lagen und als treue Maskottchen mitfieberten und fest an uns glaubten.
Natürlich spielte heute im Quiz auch die klassische Musik eine Rolle – aber eben nur eine von vielen. Gefragt war ein bunter Mix: Pantomime, Kinderlieder, skurrile musikalische Begebenheiten, und sogar Jimi Hendrix’ legendärer Woodstock-Auftritt von 1969 war dabei. (Unsere Rategruppe lag mit 1967 leider knapp daneben und musste diesen Zusatzpunkt liegen lassen.)
Zum Schluss wurde es noch einmal richtig turbulent: Jedes Rateteam sollte in kürzester Zeit ein Kinderlied einstudieren und auf den unterschiedlichsten Instrumenten präsentieren.
Der Ausgang für uns: Nach zwei zweiten Plätzen in den vergangenen beiden Jahren wurde es endlich der erste Platz. Wie wir am Ende erfuhren, waren unsere pantomimischen Fähigkeiten ausschlaggebend für den deutlichen Sieg. Der Preis: ein Gutschein der gastgebenden Drawehner Torschänke, den wir bis Ende der Woche noch gemeinsam einlösen werden.
23. Februar – Zwanzig Minuten Unendlichkeit
Allein in einer Kirche. Mit einem Pianisten, der sich für sein Klavierkonzert am Abend einspielt. Da werden unsere Kameras zur Nebensache. Das Eintauchen in die Musik ist es, was in diesem Moment zählt. Sein Spiel ist unaufgeregt, lyrisch und voller Transparenz. Wir freuen uns schon auf heute Abend, wenn Pianist (und Dirigent) Benjamin Hochman unter anderem Werke von Brahms, Beethoven und Kurtág spielt. Ein paar Fakten gibt es dann doch noch über ihn und sein Wirken: Der 1980 in Jerusalem geborene Pianist studierte bei Claude Frank (Curtis) und Richard Goode (Mannes). Nach seinem Debüt mit dem Israel Philharmonic in der Carnegie Hall unter Pinchas Zukerman trat er mit renommierten Orchestern wie dem New York Philharmonic und der Prague Philharmonia sowie Dirigenten wie Gianandrea Noseda, Trevor Pinnock und John Storgårds auf. Als Gewinner des Avery Fisher Career Grant konzertiert er weltweit in bedeutenden Sälen und bei Festivals, darunter die Berliner Philharmonie, das Marlboro Music Festival und der Louvre. Und heute ist er zu Gast bei der Musikwoche in Hitzacker an der Elbe – Glück muss man haben.
22. Februar – Ich habe genug
Hitzacker, 40. Musikwoche, 22. Februar 2026, 17 Uhr, St. Johanniskirche: "Ich habe genug".
Von was oder wem habe ich die Nase voll? Oder meint dieses "Ich habe genug" eher: ich habe schon genug davon – bin satt, vielleicht sogar übersättigt?
Heute würden wir sagen: Bach spielt bewusst mit dieser Mehrdeutigkeit. Und doch führt der Text – damals wie heute – an einen ganz bestimmten Ort: zur biblischen Szene um den Propheten Simeon, der das Entscheidende gesehen hat und darum sagen kann, er habe genug vom Leben – nicht im Sinn von Überdruss, sondern als Erfüllung.
Im Hören verschob sich die Bedeutung fast von selbst. Der Satz klang weniger nach Abwehr als nach Ruhe. Als ob "genug" nicht trennt, sondern entlastet: nicht "lass mich", sondern "es ist gut". Besonders deutlich wurde das in der Schlussarie "Ich freue mich auf meinen Tod": als freudiger Tanz geschrieben, in dem der Tod nicht als Drohung, sondern als Erfüllung einer Sehnsucht erscheint.
Eine eindrucksvolle Aufführung mit Musikerinnen und Musikern des Mahler Chamber Orchestra, David Fasold am Cembalo (zugleich Moderator) und dem Bariton Halvor Melien. Und am Ende blieb im Raum genau diese eine Frage: Was heißt das eigentlich: Ich habe genug?
21. Februar – Musik aus der Orchesterperspektive
Alle Jahre wieder ist dieser Programmpunkt einer der absoluten Lieblinge: das Mahler Chamber Orchestra "Close-Up". Normalerweise trennt das Publikum ein klarer Raum von den Ausführenden. In diesem besonderen Konzertformat wird diese Grenze bewusst aufgehoben: 20 Teilnehmende nehmen direkt zwischen den Musikerinnen und Musikern Platz und erleben, wie sich Klang im Raum formt – vom ersten Atemzug vor dem Einsatz bis zum vibrierenden Nachhall eines gemeinsamen Akkords.
Und plötzlich wird hörbar, was sonst verborgen bleibt: das feine Ineinandergreifen von Stimmen, die kleinen Signale im Zusammenspiel, die Energie der gemeinsamen Bewegung. Das Orchester ist nicht mehr "da vorne" – es ist um einen herum. Eine Zuhörerin beschrieb sogar, wie faszinierend sie es fand, sogar die Vibration der Musik unter ihren Füßen zu spüren. Mehr Nähe geht nicht.
20. Februar – Prolog
Heute war es endlich so weit: Mit dem Prolog im Verdo wurde die 40. Musikwoche Hitzacker feierlich eröffnet. In den kommenden Tagen werden die Geheimnisse der "Geheimen Botschaften" nach und nach enthüllt.
Die Idee zu diesem faszinierenden Thema stammt vom MCO-Musiker Tim Summers, der sich intensiv mit verborgenen Botschaften in der Musik beschäftigt hat – insbesondere mit jenen in den Werken von Johann Sebastian Bach. Seine Recherchen und Ideen bilden das inspirierende Gerüst dieser besonderen Musikwoche.
Den Auftakt gestaltete ein gelungenes Zusammenspiel von Wort und Klang: Der Schauspieler Devid Striesow verlieh jahrhundertealten Briefen mit eindringlicher Stimme neues Leben, während der Bassist Henning Sieverts sowie Musikerinnen und Musiker des Mahler Chamber Orchestra den musikalischen Rahmen bildeten. So wurde das Publikum Schritt für Schritt in die faszinierende Welt der geheimen Botschaften hineingeführt – ein Auftakt, der auf die kommenden neun Tage neugierig macht.
19. Februar – Endlich ist es soweit
Jetzt geht’s los: Die 40. Musikwoche Hitzacker startet zwar offiziell erst am Freitag – für die Musikerinnen und Musiker und auch für uns beginnt sie aber schon heute mit vielen unterschiedlichen Proben. Erste Fotoeindrücke gibt’s hier zu sehen. Und zu hören bekamen wir heute schon einmal Bach – der natürlich wunderbar zum Motto der diesjährigen Musikwoche passt: „Geheime Botschaften“.
18. Februar – Genussreise
Mit Ralf ging es zur Freelens-Geschäftsstelle, wo eine Fotoausstellung auf uns wartete. Zu sehen waren Arbeiten aus dem jahrzehntelangen Schaffen des Hamburger Fotografen Volker Hinz – ein Bildmacher, der über viele Jahrzehnte hinweg die visuelle Sprache führender deutscher Zeitschriftenmagazine mitgeprägt hat. Ob beim Stern oder später als Leiter der Agentur Sven Simon.
In der Hamburger Ausstellung standen vor allem Porträts im Mittelpunkt – Fotografenkollegen und Ikonen der Szene, darunter Robert Mapplethorpe, Nan Goldin sowie June und Helmut Newton. Wir ließen die Bilder nachwirken, staunten über die Energie und Konsequenz seines Werks und beschlossen den Nachmittag ganz bodenständig: mit Bauernfrühstück und einem Bier im Wirtshaus.
17. Februar – Die Schwänzerin
Wenn man manchen Aussagen meiner damaligen Lehrer Glauben schenken möchte, könnte man tatsächlich meinen, der Titel unserer Abizeitung sei eigens für mich gewählt worden. Einer meiner Biolehrer war jedenfalls fest davon überzeugt, ich hätte seinen Unterricht nur in homöopathischen Dosen genossen – wobei ich wirklich nichts dafür konnte, dass wir uns einfach regelmäßig verpasst haben.
30 Jahre nach meinem (mehr oder weniger) erfolgreichen Bestehen des Abiturs habe ich gemeinsam mit einer Freundin dieses brisante Zeitdokument wieder zur Hand genommen. Papier ist ja bekanntermaßen geduldig – und offensichtlich auch ziemlich ehrlich. In der Rubrik "Schüler über Schüler" finde ich über mich unter anderem: "Herr Lux, haben Sie mir eigentlich meine Entschuldigung vom letzten Mal abgenommen?", "Schwänzerin" oder auch "Leckere Bio-Kurstreffen – fehlt grundsätzlich nach einem solchen." (Noch peinlichere Aussagen über mich möchte ich an dieser Stelle unerwähnt lassen ...)
Und ich betone, dass ich nicht behaupte, Ideengeberin für den Titel gewesen zu sein – auch wenn die Indizienlage erdrückend wirkt. Zur abschließenden Wahrheitsfindung werde ich die Lektüre in den kommenden Tagen noch einmal vertiefen. Rein wissenschaftlich natürlich.
16. Februar – Generationsübergreifend
Zwei Bilder, ein Gefühl: Mutter und Tochter, vereint durch die Liebe zur klassischen Musik und ganz besonders zur Musikwoche Hitzacker, die in diesem Jahr bereits zum 40. Mal stattfindet. Für uns, die wir erst seit 2024 dabei sind, fühlt sich jede Ausgabe an wie ein Eintauchen in die Musik: Proben, Pausen, Konzentration kurz vor dem Auftritt – und diese Intensität, die selbst nach dem letzten Ton noch nachklingt. Wir begleiten die Musiker des Mahler Chamber Orchestra mit der Kamera so unaufdringlich wie möglich – und sind am Ende jedes Mal ein wenig traurig, dass es vorbei ist. Und sehr dankbar für alles, was bleibt: Bilder, Stimmen, Begegnungen – und der Blick auf die Elbe, der all das umrahmt.
15. Februar – Weltklang am Elbhang
Nur noch wenige Tage bis zum Start der Musikwoche Hitzacker 2026.
Es gibt Festivals, die vergisst man nicht – weil die Musik bleibt, aber auch, weil Orte und Menschen eine ganz eigene Stimmung erzeugen. Die Musikwoche Hitzacker gehört für uns genau in diese Kategorie. Nach 2024 und 2025 freuen wir uns riesig, auch in diesem Jahr wieder dabei zu sein. Wir erleben und erzählen das Festival erneut in Bildern.
Das Motto des Programms lautet in diesem Jahr „Geheime Botschaften“ – mit dem Fokus auf dem Zusammenspiel von Musik, Code und Bedeutung und der Idee, verschlüsselte Strukturen und Muster hörbar zu machen.
Das Festival läuft vom 20. Februar bis 1. März und steht unter der künstlerischen Leitung des Mahler Chamber Orchestra. In unserem heutigen Beitrag zeigen wir einige Fotos der letztjährigen Ausgabe der Musikwoche und stimmen uns damit selbst schon einmal auf die Kommende ein.
14. Februar – Fahles Licht
Die Hunde: meilenweit entfernt.
Der Wind eisig.
Jeder Schritt knirscht.
Weit und breit kein Mensch.
Es wird dunkler –
schneller als erwartet.
Bekanntes verschwimmt vor den Augen.
Zurück bleiben kleine Spuren.
Im Schnee.
Ein kleiner Kosmos.
Dann kommen die Hunde zurück,
als wollten sie sagen:
Lass uns nicht allein.
13. Februar – Eine ganz besondere Woche
Es war uns eine Freude, für die Social-Media-Kampagne der Musikwoche Hitzacker Menschen in Schwarz-Weiß zu fotografieren. Nicht farbig und schrill, sondern intensiv und ausdrucksstark erzählen die Bilder – in Kombination mit den Zitaten – von der einzigartigen Atmosphäre dieses Musikfestivals an der Elbe. Sie erzählen von der Beziehung der porträtierten Personen zu der Musikwoche, die in diesem Jahr bereits zum 40. Mal stattfindet.
Für uns, die wir erst seit 2024 dabei sind, ist diese Zeit wie ein Eintauchen in Musik. Wir fotografieren die Musiker des Mahler Chamber Orchestra bei den Proben, in den Pausen, während der Konzerte – und in der kommenden Woche ist es wieder soweit. Am Ende dieser intensiven Tage sind wir jedes Mal ein wenig traurig und sehr dankbar für das Erlebte.
https://musikwoche-hitzacker.de
12. Februar – Unsere Zusammenarbeit – jetzt auch online sichtbar
Vor einiger Zeit kam Torsten Schmees mit der Bitte um aktuelle Fotoaufnahmen für seine Homepage zu einem Vorgespräch zu uns.
Er begleitet Unternehmer, Vorstände und Führungskräfte bei strategischen und persönlichen Entscheidungen. Dabei unterstützt er sie, klare Strategien zu entwickeln, tragfähige Lösungen zu erarbeiten und messbare Ergebnisse zu erzielen.
Im Consulting steht er Unternehmen direkt im Veränderungsprozess zur Seite – von der strategischen Neuausrichtung über Restrukturierung und Transformation bis hin zur nachhaltigen Umsetzung neuer Strukturen.
Als Rechtsanwalt für Arbeitsrecht berät und vertritt Torsten Schmees Arbeitgeber, Führungskräfte und Arbeitnehmer in allen Fragen des individuellen und kollektiven Arbeitsrechts.
Gemeinsam sprachen wir über eine geeignete Foto-Location, entschieden uns für wenige ausdrucksstarke Schwarz-Weiß-Fotografien und sind nun von der Umsetzung der Website begeistert.
Unser Dank geht an Torsten Schmees für sein Vertrauen in unsere Arbeit und an Alexandra Wollweber von Querformat-Design für die großartige Umsetzung der Website.
https://torsten-schmees.de/
11. Februar – Ein Herz für …
Ein Herz für Tiere, Kinder, Familien, Nichtraucher, Biertrinker, Sonnenanbeter, Gartenliebhaber, Meerschweinchen, Igel, Buntspechte, Giraffen, Artisten, Mädchen, Jungen, Zauberer, Träumer und Schauspieler.
Was, Sie kommen in dieser Liste gar nicht vor? Skandalös! Geradezu herzlos!
Dabei gibt es doch gefühlt an jedem zweiten Tag ein Herz für irgendetwas oder irgendwen. Internationaler Tag des Sofakissens? Herz! Tag der linkshändigen Briefmarkensammler? Natürlich Herz! Und Sie? Noch keines bekommen?
Dann wird es höchste Zeit.
Falls Sie sich bereits als nahezu ausgestorbene Spezies fühlen, überreichen wir Ihnen heute feierlich dieses Herzbild. Es wurde bei uns am Studio in den kahlen Rosenbüschen vergessen – und das auch noch bei diesen Witterungsbedingungen.
Wer lässt denn bitte ein Herz im Rosenbusch zurück? Eben.
Jetzt gehört es Ihnen.
10. Februar – Auf dem Weg
Es ist immer wieder schön, Menschen wie Vivien fotografisch zu begleiten – wenn man miterleben darf, wie sich Talent, Fleiß und Persönlichkeit Schritt für Schritt entfalten.
Vivien Kohrs (geb. Dezember 2008) ist eine klassische Gitarristin, die trotz ihres jungen Alters bereits auf eine bemerkenswerte musikalische Entwicklung zurückblicken kann.
Im Alter von sieben Jahren begann sie ihre gitarristische Ausbildung an der Musikschule Lüchow-Dannenberg bei Jan Erler. Ihr Talent zeigte sich früh – und mündete in mehreren erfolgreichen Teilnahmen am Wettbewerb "Jugend musiziert": In den Jahren 2018 und 2021 errang sie in der Solowertung jeweils einen 1. Preis. Zudem wurde sie im Bundeswettbewerb mit einem 3. Preis ausgezeichnet.
Vivien konzertiert regelmäßig als Solistin. Sie erhielt einen Förderpreis bei der Schubertiade Schnackenburg und wurde 2022 mit einem Stipendium der "Anja-Fichte-Stiftung" gefördert. Dieses ermöglichte ihr über drei Jahre Unterricht bei Professor Frank Bungarten (Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover).
Ihr künstlerisches Portfolio erweiterte sie 2023 durch die Teilnahme am Meisterkurs des Festivals "Federico Cesi" in Trevi (Italien). 2024 folgte ein Auftritt bei den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker.
Derzeit erhält sie privaten Gitarrenunterricht bei Negin Habibi in Hannover.
09. Februar – Die Welt ist ein Dorf
Helmut Tausch kam Mitte der 1980er Jahre als junger, angehender ITler in Kontakt mit Joseph Weizenbaum – vermittelt über einen Kontakt von Professor Benno Müller-Hill in Köln, den Helmut privat kannte. Für Helmut war diese Begegnung mehr als nur ein kurzer Austausch: Weizenbaum, damals für viele so etwas wie der "IT-Gott" seiner Zeit, stellte Fragen, die hängen bleiben. Fragen nach Verantwortung, nach dem, was Computer können – und was sie vielleicht niemals ersetzen sollten.
Helmut nahm aus diesem Treffen etwas mit, das ihn lange begleiten sollte: die Idee, dass Informatik nicht nur aus Code und Logik besteht, sondern immer auch aus Haltung. Wer Software baut, gestaltet Realität – und trägt damit Verantwortung.
Dabei war Helmut zu diesem Zeitpunkt bereits fachlich tief verwurzelt. In den 1970er Jahren studierte er Mathematik und Informatik – ein Fundament, das ihn über Jahrzehnte tragen sollte. Bis 2015 arbeitete er als Softwareentwickler: praxisnah, strukturiert, lösungsorientiert. Doch die Begegnung mit Weizenbaum gab diesem Weg eine zusätzliche Dimension: das Nachdenken darüber, wofür Technologie eingesetzt wird, wem sie dient und welche Grenzen man ihr setzen muss.
Auch wir denken gerne an unsere Begegnungen Anfang der 2000er Jahre mit Joseph Weizenbaum in Berlin und Hamburg zurück. Damals stand er mehrfach vor unseren Fotokameras und fand Zeit, sich von uns interviewen zu lassen – Begegnungen, die wir nie vergessen werden.
08. Februar – Alte Liebe
Vor über 30 Jahren begann sie, meine Liebe für die Serie Twin Peaks von David Lynch. Damals fieberte ich von Woche zu Woche der neuesten Folge entgegen – heute, im "Binge-Watching-Zeitalter", ist das kaum noch denkbar. Am Ende der zweiten Staffel hatte ich (fast) nichts verstanden, und auch das erneute Sehen auf DVD einige Jahre später sollte daran nichts ändern. Die Faszination blieb jedoch unverändert. Bis heute. Denn aktuell gibt es in der ARTE-Mediathek alle drei Staffeln. Gute 42½ Stunden – so lange dauern alle Folgen zusammengerechnet.
Was vor ein paar Wochen noch recht harmlos mit ein oder zwei Folgen pro Tag anfing, endete an diesem Wochenende in einem wahren Marathon. Denn nachdem ich die ersten beiden Staffeln erneut gesehen hatte, wollte ich endlich wissen, wie es „ausgeht“. Was dann folgte, war jedoch ein Schock: Kaum noch etwas erinnerte an den Look und die Erzählweise der ersten 30 Folgen. Nun gut – es lagen ja auch schlappe 25 Jahre zwischen der zweiten und der dritten Staffel. Und fast genauso ewig dauerte es, bis ich so richtig reinkam.
Doch die Sogwirkung von damals war wieder da: das Mystische, das Nichtgreifbare, das Verrückte, das langsame Erzähltempo, die Filmkunst, die Musik, die Skurrilität, das logisch Unlogische. Am Ende jeder Folge wollte ich wissen, wie es weitergeht, und konnte an diesem Wochenende meiner Sucht hemmungslos frönen.
Bin ich jetzt schlauer? Ja und nein. Aber endlich fertig. Die Serie wird noch lange nachhallen. Und da sie noch bis Ende des Jahres in der Mediathek zu finden sein wird, könnte es sein, dass ich erneut die eine oder andere Folge schauen werde.
Worum geht es eigentlich in Twin Peaks? Um den FBI-Agenten Dale B. Cooper, der in Twin Peaks den Mord an der beliebten Schülerin Laura Palmer aufklären soll. Um die großen und kleinen Verstrickungen und skurrilen Eigenschaften der Einwohner. Um die weiße und die schwarze Hütte. Um Riesen und Zwerge. Um die Parallelität der Zeit. Um Gewalt und Liebe. Und um so viel mehr.
Doch all das zu entschlüsseln braucht mehr als 42½ Stunden – und ich brauche jetzt erst einmal eine Pause.
Was Christian in der Zeit gemacht hat? Ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung …
07. Februar – Gedanken im Nebel
Im Wendland hat der Nebel nichts Dramatisches. Er macht die Welt einfach leiser – für Augen und Ohren. Die Felder werden zur Fläche, der Horizont verwischt, und nichts lenkt ab. Beim Gehen merken wir, wie gut diese Leere tut: kein Ziel, keine Ablenkung, nur ein Schritt nach dem anderen. Die Gedanken laufen mit. Plötzlich steht der Waldrand dunkel im Grau, als Orientierung für den Heimweg. Nur noch ein paar hundert Meter, dann sind wir zu Hause. Manchmal braucht es nicht mehr Landschaft.
06. Februar – Nachbarschaftsliebe
Das Glück liegt oft so nah – so nah, dass man es nicht jedes Mal erkennt. Oft liegt es im Kleinen: in den kleinen Gesten, die umso berührender sind, weil kein Drehbuch dafür geschrieben wurde, keine Absicht dahinterstand, sondern weil es einfach von Herzen kommt.
Vor vier Tagen stellten wir unsere Mülleimer an die Straße, wohl wissend, dass wir sie bei unserer Rückkehr heute wieder zurückholen würden. Pustekuchen: Die beiden standen bereits wieder dort, wo sie hingehören. Und im Schnee erwarteten uns diese zwei Herzen – von Unbekannt.
Wir können nur spekulieren. Und deshalb schicken wir zwei Herzen ins Universum zurück. In Dankbarkeit.
05. Februar – Ehrenamt am Badesee
Für unsere Ausstellung in den Räumen der Haspa-Filiale in Reinbek haben wir stellvertretend für den Verein Tonteichbad e.V. Ralf Klages im Studio fotografiert.
Sommer am Tonteichbad in Wohltorf: ein Sprung ins klare Wasser, Wald drumherum, Liegewiese – es fühlt sich an wie ein Kurzurlaub.
Was man leicht übersieht: So ein Naturbad macht richtig viel Arbeit. Vor der Saison müssen Stege, Wege und Anlagen fit gemacht werden. Im Alltag kommen Aufsicht, Kasse, Reinigung, Müll, Rasenpflege und kleine Reparaturen dazu – jeden Tag. Und weil es ein See ist, heißt es außerdem: Wasserqualität im Blick behalten, Infos kommunizieren, schnell reagieren. Damit das alles läuft, braucht es neben dem Bademeister noch viele fleissige Helfer. Einer davon ist Ralf Klages aus Wohltorf.
Weitere Informationen: www.tonteichbad.de
04. Februar – Brown – iiih!
Das Internet bringt ja bekanntlich die seltsamsten Trends hervor, und bei manchen bin ich leider (oder zum Glück) sofort dabei.
So lief mir vor einigen Tagen ein "darmfreundliches, gluten- und (industrie-)zuckerfreies Rezept für Brownies" über den Weg. So weit, so gut. Der Clou dabei? Der Teig besteht zur Hälfte aus Süßkartoffel. Und wer jetzt skeptisch ist, den kann ich gut verstehen – denn ich war es auch.
Schließlich ist nur selten das, was irgendwelche Influencer auf Instagram empfehlen, auch wirklich so gut, wie es angepriesen wird. Da ich aber ein neugieriger Mensch bin, der alles Mögliche erst einmal selbst ausprobieren muss, habe ich dem Rezept eine Chance gegeben.
Der Teig ließ sich gut verarbeiten, und das Ergebnis sah nach dem Backen tatsächlich aus wie ein echter Brownie – vor allem, nachdem ich ihn noch mit Zimt, dunkler (nicht industriezuckerfreier) Schokolade und Walnüssen verziert hatte.
Spannend wurde es dann am Nachmittag, als ich Christian, dem größten mir bekannten Kuchenkritiker, ein Stück kredenzte. Und siehe da: Aus dem "Iiih" wurde ein "Aaah". Auch mir schmeckte der Brownie ganz vorzüglich. Eine köstliche Alternative zur klassischen Variante – und wer das Rezept haben möchte, kann sich gerne bei mir melden.
03. Februar – Ehrenamt: Freiwillige Feuerwehr Reinbek
Für unsere Ausstellung in den Räumen der Haspa-Filiale in Reinbek haben wir stellvertretend für Freiwillige Feuerwehr Reinbek Tom und Justin im Studio fotografiert.
"Eine starke Gemeinschaft im Dienste Ihrer Sicherheit", so beschreibt sich die freiwillige Feuerwehr Reinbek auf ihrer Internetseite. 365 Tage im Jahr setzen sich die Mitglieder der Wehr für unsere Sicherheit ein. Tag und Nacht. Natürlich auch an Weihnachten und Silvester. Wenn die meisten anderen Menschen feiern, fernsehen oder schlafen, stehen die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr oft "mit einem Ohr im Einsatz", falls es irgendwo brennt, eine Naturkatastrophe wie zum Beispiel Starkregen hereinbricht oder der Sturm Bäume umknickt und dadurch Straßen blockiert werden. Ohne diese vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer wären wir nicht nur hilflos sondern auch als Gesellschaft um so vieles ärmer.
Weitere Informationen: https://ff-reinbek.org
02. Februar – Schnee, Schnee, olé
Es gibt sie noch – die Dinge, die ein wenig aus der Zeit gefallen sind. So wie dieser Schneemann, den wir heute gesehen haben. Oder die Ostereier bei unseren Nachbarn, die allerdings das ganze Jahr über hängen bleiben. Und unser Herrnhuter Stern leuchtet auch immer noch – und das bereits seit Ende Oktober.
Aber es geht doch um die Freude, die man dabei empfindet, und nicht um das Abgleichen von Kalenderdaten oder deren korrekte Verwendung. Einfach mal locker bleiben: Der Schneemann schmilzt schon früh genug.
Die ersten Schneeglöckchen jedenfalls recken bereits ganz mutig ihre Köpfe in die Höhe – sie stehen sozusagen schon in den Startlöchern. Doch bis dahin genießen wir noch diesen herrlichen Winter.
01. Februar – Ehrenamt: Reinbeker Kirchentisch
Für unsere Ausstellung in den Räumen der Haspa-Filiale in Reinbek haben wir stellvertretend für den Verein Reinbeker Kirchentisch Carola, Ulrike, Josefine, Christiane und Nicola im Studio fotografiert. Seit 2015 besteht der Reinbeker Kirchentisch – ein Ehrenamt, das auch heute noch genauso wichtig ist wie am ersten Tag. Mit viel Engagement und Herz sorgt das Team dafür, dass Menschen in schwierigen Lebenslagen verlässlich Unterstützung erhalten.
Unterstützt von der Bergedorfer Tafel sowie durch zahlreiche kleine und große Spenden werden montags und freitags ab 12.00 Uhr Lebensmittel und Hygieneartikel ausgegeben. Je nach Verfügbarkeit umfasst das Angebot unter anderem Backwaren, Molkereiprodukte, Obst und Gemüse.
An beiden Ausgabetagen kommen jeweils etwa 60 Abholerinnen und Abholer. Insgesamt werden so über 120 Haushalte erreicht und mehr als 250 Personen mitversorgt – ein starkes Zeichen dafür, wie groß der Bedarf ist und wie wertvoll diese Hilfe bleibt.
Ab Januar 2026 findet die Ausgabe im Kirchenvorraum statt. So bleibt der Kirchentisch auch in Zukunft ein verlässlicher Anlaufpunkt für Unterstützung und Zusammenhalt in Reinbek.
Weitere Informationen: kirche-reinbek-west.de/fuereinander
31. Januar – Träumen erlaubt
Man wird ja noch mal … Genau, man darf träumen: von Sonne, Strand und Meer. Auch wenn es zurzeit nicht gerade danach aussieht – es kommen wieder sonnigere Zeiten auf uns zu.
Diese beiden Aufnahmen sind vor wenigen Tagen in Ahrenshoop an der deutschen Ostseeküste entstanden. Ahrenshoop liegt auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst in Mecklenburg-Vorpommern – eingeklemmt zwischen Ostsee, Dünen und den ruhigen Boddengewässern. Berühmt wurde der Ort ab dem späten 19. Jahrhundert als Künstlerkolonie, die Malerinnen und Maler wegen des besonderen Lichts und der wilden Küstenlandschaft anzog. Heute erinnert das Kunstmuseum Ahrenshoop an diese Tradition, während gleich hinter dem Ort der zu den schönsten Stränden Europas zählende Weststrand und der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft beginnen.
30. Januar – Ehrenamt: Verein Freunde des Schlosses Reinbek
Für unsere Ausstellung in den Räumen der Haspa-Filiale in Reinbek haben wir stellvertretend für den Verein Freunde des Schlosses Reinbek Ralf, Marie-Therese, Ronny, Helmut und Christoph im Studio fotografiert. Der Verein Freunde des Schlosses Reinbek engagiert sich dafür, das historische Schloss als kulturellen Ort lebendig zu halten – und seine Bedeutung für Reinbek und die Region zu stärken. Mit viel ehrenamtlichem Einsatz unterstützt der Verein Projekte rund um Erhalt, Vermittlung und Veranstaltungen im und am Schloss Reinbek.
Dabei geht es nicht nur um Geschichte, sondern vor allem um Gegenwart: Ausstellungen, Konzerte, Lesungen oder Sonderführungen werden begleitet, ermöglicht oder ergänzt – oft dort, wo zusätzliche Ideen, helfende Hände oder finanzielle Mittel gebraucht werden. So trägt der Verein dazu bei, dass das Schloss nicht nur ein Denkmal bleibt, sondern ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen.
Wer die Freunde des Schlosses Reinbek unterstützt, hilft mit, Kultur vor Ort zu fördern und ein besonderes Gebäude für kommende Generationen zu bewahren. Ob durch Mitgliedschaft, Spenden oder Mitarbeit: Jede Form des Engagements ist ein Beitrag dazu, dass das Schloss weiterhin ein offenes Haus für Kunst, Geschichte und Begegnung bleibt.
Nähere Informationen gibt es unter:
https://www.schloss-reinbek.de/de/schloss/schlossfreunde/wer-sind-wir/
29. Januar – Der Sommer zu heiß, der Winter zu weiß.
Und dazwischen lauern die wahren Gefahren. In den 70er Jahren warb die Deutsche Bundesbahn noch mit dem Slogan: "Alle reden vom Wetter – wir nicht" – ein Versprechen, das Zuverlässigkeit auch bei widrigem Wetter versprach. Heute zeigt ein kurzer Blick auf die Anzeigetafel am Hamburger Hauptbahnhof, wie sehr sich die Zeiten geändert haben: Züge werden gestrichen (kein Personal), fahren in verkehrter Wagenreihenfolge (egal), kommen nur mit einem Teil der Wagen (mittel ärgerlich) oder erreichen ihr Ziel fast nie pünktlich (für Anschlussreisende ein Abenteuer). Manchmal bleiben sie sogar auf freier Strecke stehen oder landen an einem anderen Bahnhof (auch nicht optimal, aber immerhin ein Stück Bahnfahren gibt’s gratis obendrauf). Von Kleinigkeiten wie defekten Toiletten, geschlossenen Bordbistros oder ausgefallenen Klimaanlagen will schon lange niemand mehr hören.
Aber meckern bringt nichts – wir hoffen auf Besserung. Schließlich macht Bahnfahren immer noch Spaß. Meistens zumindest.
28. Januar – Ehrenamt: Der Ambulante Hospizdienst in Reinbek
Für unsere Ausstellung in den Räumen der Haspa-Filiale in Reinbek haben wir stellvertretend für den Ambulanter Hospizdienst Reinbek Dagmar, Stephanie, Kurt und Hannelore im Studio fotografiert. Die meisten Menschen möchten ihre letzte Lebensphase in einer vertrauten und umsorgten Umgebung verbringen. Der Ambulante Hospizdienst Reinbek e.V. unterstützt diesen Wunsch, indem er schwerkranke und sterbende Menschen sowie ihre Angehörigen begleitet.
Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die Betroffenen mit ihren Ängsten, Wünschen und Bedürfnissen. Ziel ist es, einen würdevollen Abschied zu ermöglichen und gleichzeitig die Angehörigen zu entlasten und zu stützen. Auch nach dem Tod bleiben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Hinterbliebenen da, um sie im Umgang mit Schmerz und Trauer nicht allein zu lassen.
Die Begleitung findet dort statt, wo sie gewünscht wird – sei es in der eigenen Wohnung, in einer Seniorenwohnanlage oder auf der Palliativstation eines Krankenhauses. Der Dienst begleitet die Betroffenen auch dann, wenn deren eigene Kräfte nachlassen.
Der Ambulante Hospizdienst Reinbek e.V. arbeitet offen für Menschen jeder Herkunft und Konfession und unterliegt der Schweigepflicht.
Nähere Informationen gibt es unter: www.hospizdienst-reinbek.de
27. Januar – Kunst im Kleinen
Jeder Mensch ist ein Künstler. Sagte Josef Beuys. Und der musste es ja schließlich wissen. Manche Kunst muss auch wachsen. Und zu dieser Kategorie gehört für uns dieses kleine Kunstwerk.
Zuerst war da nur das Kinderklo für die Tochter. Hinein kam ein Kaktus. Später noch ein Zettel mit der Aufschrift "Denken hilft!" Und ein Spaßvogel ergänzte das Gesamtwerk noch mit dem Ausspruch "... kacken auch."
Gerüchteweise gab es sogar schon Anfragen, das Werk einem breiten internationalen Publikum zugänglich zu machen, zum Beispiel vom Museum of Modern Art in New York – allerdings hat sich das Künstlerkollektiv noch nicht endgültig entschieden.
26. Januar – Ehrenamt: Die AWO-Kinderkiste aus Reinbek
Für unsere Ausstellung in den Räumen der Haspa-Filiale in Reinbek haben wir stellvertretend für die AWO-Kinderkiste Margot, Annegrete, Alexandra und Angelika im Studio fotografiert. Die AWO-Kinderkiste sammelt gut erhaltene Kindersachen und geben sie gegen eine Spende nach dem Motto „Was es dir wert ist“ weiter. So erhalten Kleidung, Spielzeug und viele andere schöne Dinge ein zweites oder drittes Leben, während Familien nachhaltig und unabhängig vom Geldbeutel stöbern und passende Schätze finden können. Für Mädchen und Jungen bis etwa 12 Jahre gibt es Kleidung bis Größe 164, Schuhe, Bücher, Spielsachen sowie Baby- und Kinderausstattung. Nähere Informationen gibt es unter: https://awo-reinbek.de/kinderkiste
25. Januar – Wenn uns die Geschichte einholt
Der Himmel hängt tief. Der Wind pfeift mir und den Hunden um Nase und Ohren. Sturmböen nehmen uns mit peitschendem Sand immer wieder die Sicht. Alles ist Grau auf Grau. Und plötzlich liegt er da: schwer, schief, allein. Halb versunken.
Kendo und Greta suchen kurz Schutz im Windschatten des Bunkers am Strand von Haurvig, bis ich sie für das Foto zu mir rufe. Er ist kein Denkmal und hat heute keine Funktion mehr – außer, ein Mahnmal zu sein.
Unwillkürlich frage ich mich: Was hat dieser Koloss alles gesehen? Wofür wurde er genutzt? Und wie viele Menschenleben mögen hier geopfert worden sein?
Zurück im Ferienhaus beginne ich zu recherchieren. Ich erfahre, dass dieser Bunker Teil des Atlantikwalls war – eines gigantischen Verteidigungssystems, das sich über etwa 5.000 Kilometer von Nordnorwegen bis an die spanische Grenze erstreckte. Allein in Dänemark entstanden mehr als 6.000 Bunkeranlagen. Wirklich zum Einsatz kamen sie jedoch kaum, denn die entscheidende Landung der Alliierten fand 1944 in der Normandie statt.
Der Bunker diente vermutlich als Beobachtungsposten, Munitionslager oder Mannschaftsunterkunft für eine kleine Besatzung. Viele dieser Anlagen wurden einst in oder auf die Dünen gesetzt. Doch Wind und Meer haben sie im Laufe der Jahrzehnte freigelegt, verschoben, gekippt oder gedreht. Die Natur hat ihre eigene Ordnung durchgesetzt.
Und obwohl diese Bunker nie Teil größerer Kampfhandlungen waren, haftet Blut an den Überresten der langsam im Sand versinkenden Kolosse. Errichtet wurden sie größtenteils von Zwangsarbeitern – Menschen, die durch Unfälle, Misshandlungen, Mangelernährung oder Krankheiten ums Leben kamen und deren Namen heute niemand mehr kennt.
Ich frage mich, warum die Dänen die Bunker nie vollständig haben entfernen lassen, zumal sie nicht einmal für deren Bau verantwortlich waren. Die Antwort ist so schlicht wie unprätentiös: Es wäre zu teuer, zu gefährlich – wegen möglicher Munition im Inneren – und außerdem dienen sie heute als stille Mahnmale.
Ich erschaudere bei der Erkenntnis: Geschichte kommt an diesem Ort nicht laut zurück. Sie liegt einfach da. Unbeweglich. Unübersehbar.
Vielleicht ist das die Lektion dieses Bildes:
Nichts bleibt unberührt. Nicht einmal Beton.
Und Freiheit beginnt dort, wo wir hinschauen – statt achtlos daran vorbeizugehen.
24. Januar – Ehrenamt: Die DRK-Rettungshundestaffel aus Reinbek
Für unsere Ausstellung in den Räumen der Haspa-Filiale in Reinbek haben wir stellvertretend für die DRK-Rettungshundestaffel Tanja und Christine mit ihren Hunden Skadi und Pia im Studio fotografiert.
Die Rettungshundearbeit hat ihre Wurzeln in den Weltkriegen und wurde in Deutschland lange Zeit nur von wenigen engagierten Spezialisten weitergeführt. Durch ihr beharrliches Engagement entstand schließlich auch beim DRK Reinbek eine eigene Staffel. Seit Mitte 2023 ist die Rettungshundestaffel des DRK-Ortsvereins Reinbek e. V. offiziell im Einsatz.
Mehrere ausgebildete Hundeführerinnen sind mit ihren Hunden vor allem nachts in unwegsamem Gelände unterwegs, um nach vermissten Personen zu suchen. Geeignet sind motivierbare, geländegängige Hunde verschiedener Rassen, die sich durch Futter oder Spielzeug antreiben lassen. Die Ausbildung zu einem geprüften Rettungshunde-Team dauert etwa zwei bis drei Jahre.
Nähere Informationen zur Rettungshundestaffel erhalten Sie beim DRK-Ortsverein Reinbek e. V., Staffelleitung: Christine Rademacher.
23. Januar – "Da ist dem Künstler wohl die Farbe ausgegangen."
Diesen witzig gemeinten Spruch habe ich vor vielen Jahrzehnten einmal beim Anblick einer Fotoausstellung mit SW-Bildern gehört. Immerhin hielt der Besucher den Fotografen für einen Künstler, könnte man meinen – aber ganz so freundlich hatte es sich in meiner Erinnerung damals nicht angehört.
Gibt es eigentlich Maler, die in Schwarz-Weiß malen? Nicht Radierungen, Kohle- oder Bleistiftzeichnungen, sondern in Öl oder Acryl? Ich könnte jetzt ChatGPT befragen, nur wird das auf die Dauer etwas eintönig, wenn bei jeder Frage, die auftaucht, sofort per künstlicher Intelligenz nach der Lösung (wenn sie denn stimmt) gesucht wird. So denke ich lieber weiter nach, ob mir da jemand einfällt – und bis dahin genieße ich den Blick auf diese SW-Bilder aus Zingst.
22. Januar – Vorahnung
Der Darß ist eine Halbinsel mit ausgesprochen schönen Ostseestränden. Nach ausgiebiger Erkundung von Ahrenshoop, Prerow und Zingst – alles Orte mit einer großen Zahl an Übernachtungsmöglichkeiten und einem riesigen Angebot an Parkplätzen – beschleicht mich die Vorahnung, was hier in der warmen Jahreszeit los sein muss. Dann ist es bestimmt in der Nähe der Strandübergänge rappelvoll. Auch die Dichte an Bekleidungsgeschäften in Zingst deutet auf einen wahren Kaufrausch im Sommer hin.
Umso schöner und ruhiger wird es dagegen in Richtung Bodden – jedenfalls war das heute mein Eindruck beim Besuch des Zingster Hafens. Der Bodden, oder romantischer klingend: die Lagune, ist ein durch Inseln oder Landzungen vom Meer abgetrenntes flaches Küstengewässer, das hier meist von Schilf eingerahmt ist.
21. Januar – Unschuld
Gibt es so etwas wie Unschuld überhaupt – in diesen bewegten Zeiten? Oder ist sie längst nur noch eine Reliquie der Vergangenheit? Schwer zu sagen, ob es früher einmal ruhiger oder wirklich unschuldiger war, denn auch die Vergangenheit ist alles andere als makellos. Dennoch musste ich beim Anblick dieser beiden Werbetafeln, die irgendwie an das vergangene Jahrtausend erinnern, unwillkürlich schmunzeln. Wären sie heute noch "korrekt"? Sind sie – denn die Fotos der Reklametafeln stammen aus dem Hier und Jetzt und nicht aus dem Jahr 1985. Irgendwie bleibt doch alles beim Alten – zumindest fast.
20. Januar – Falsche Frage
Auf meine Frage, wo denn der beste Parkplatz in der Nähe des Weststrandes des Darß läge, bekam ich als Antwort nur:
"Ne, ne, ne, junger Mann, das machen Sie mal bitte ganz anders. Zuerst gehen Sie hier gleich am Gebäude in Richtung Weststrand. Einfach immer geradeaus. Wenn Sie dann dort ankommen, halten Sie sich rechts in Richtung Leuchtturm. Den können Sie dann auch gleich noch umrunden – das lohnt sich unbedingt. Danach halten Sie sich westwärts in Richtung Prerow, und schon sind Sie wieder hier am Hotel."
Auf meinen erstaunten Blick hin sagte die Dame nur:
"Nun stellen Sie sich bitte nicht an, Sie sollen sich ja schließlich erholen, und außerdem können Sie so die Schönheit der Landschaft viel mehr genießen."
Viereinhalb Stunden und 16,5 Kilometer später erreichte ich dann endlich das Hotel. Die Füße schmerzten etwas, und der Rucksack mit all den Kameras wurde auf die Dauer dann doch schwerer als gedacht. Im Sand zu laufen ist mit dem Gewicht auf dem Rücken ebenfalls kein Zuckerschlecken – stellenweise kommt man kaum vorwärts. Zwischenzeitlich habe ich mich für meine Frage gescholten, aber schön war es dann am Ende doch.
19. Januar – Rechts-/Linksschwäche
Von der legendären Rechts-/Linksschwäche, die dem einen als Märchen erscheint und dem anderen als Realität gilt, ist Mareike aktuell betroffen. "Ich fahre für eine Woche an die Nordsee, zwischen Nordsee und Ringkøbing-Fjord." beschloss sie vor ein paar Wochen. Es war von wundervollen Spaziergängen die Rede, die gleich hinter den Dünen beginnen sollten. Die Realität sah dann doch etwas anders aus. "Komisch, ich bin irgendwie auf der falschen Seite gelandet ... habe mich noch gewundert, wie schön und preiswert das Ferienhaus ist ..." hieß es bei unserem ersten Telefonat. Ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Jetzt schaut Mareike in der Ferne zum Fjord hin und hat eben einen etwas weiteren Weg an die Nordsee, um dort spazieren zu gehen. Mir soll es Recht sein. Ich freue mich für sie, dass sie dort ihren Spaß hat und für mich, dass ich nicht eine Woche lang mal links und mal rechts herum am Strand entlang wandern muss.
18. Januar – Des Einen Freud …
Wenn es etwas gibt, womit man Christian quälen kann, dann ist es ein Urlaub an der dänischen Westküste – vor allem im Winter. Es gibt für ihn kaum etwas Langweiligeres. Ich hingegen kann wunderbar für einige Zeit in einem spärlich belegten Sommerhaus-Gebiet verbringen, einen Tag links- und den anderen rechtsherum am Strand entlang wandern und am dritten Tag wieder von vorn. Den Kopf dabei immer auf Höhe der Knie, denn ich liebe es, am Strand nach Versteinerungen, Muscheln und Bernstein zu schauen. Schon als Kind habe ich tütenweise Steine aus unseren Dänemark-Urlauben mit nach Hause geschleppt.
Somit haben wir vor ein paar Monaten beschlossen, mal eine Woche getrennt voneinander Urlaub zu machen. Während ich meinen Sammelleidenschaften fröne, hat Christian sich etwas anderes ausgesucht, wovon er hier in den nächsten Tagen berichten wird.
Kendo und Greta teilen meine Strandbegeisterung, auch wenn sie mich hin und wieder irritiert anschauen, wenn ich über längere Strecken gedankenverloren auf den Sand starre und nach Bernstein suche. Heute war ich sogar „erfolgreich“! Zugegeben: die Ausbeute fiel sehr bescheiden aus. Aber darauf kommt es ja nicht an.
17. Januar – Unsichtbar – Auf dem Meer
Wenn die Nacht fällt.
Kalt. Feucht. Stürmisch.
Wenn wir ein letztes Mal mit den Hunden hinausgehen, nur um hastig wieder ins Licht und in die Wärme zurückzukehren, sind andere längst (oder immer noch?) draußen. Menschen in kleinen Nussschalen, verloren auf der weiten See. So wie auf diesem Bild.
Erst viel später, als der Film aus dem Labor zurückkam, haben wir es gesehen: Winzig klein, beinahe verschluckt vom Horizont, treibt ein Fischerboot durch das Dunkel. Wohin es unterwegs war? Wir wissen es nicht. Wie sich die Stunden an Bord angefühlt haben mögen? Ungewiss. Ist es schlicht gelebte Routine? Wir hätten nicht tauschen wollen.
16. Januar – Warum?
Warum haben wir dieser Frau in Lübeck keine Fragen gestellt? Sie sprach uns an, lachte, erzählte kurz und ging dann wieder mit ihren Freundinnen. Doch dieser Blick blieb. Dieses intensive Schauen, dieses Beobachten. Zu bequem waren wir, als dass wir sie um ein Gespräch gebeten hätten. So bleiben viele Fragen unbeantwortet: Was hat sie erlebt, gesehen, verarbeitet, gearbeitet, gedacht, geträumt und erhofft? Wir trösten uns mit dem Gedanken, dass es bestimmt einen Grund für das Nichtfragen gab – etwas Intuitives, das man nicht ergründen kann. So bleiben nicht erzählte Geschichten Geheimnisse – und das ist auch gut so.
15. Januar – Verrückt
"Den muss ich haben!" Was sich anhörte wie eine ernst zu nehmende Drohung, war in Wahrheit nur eine weitere der vielen kleinen Verrücktheiten von Mareike. Kaum ein Vehikel bei uns hat eine Überlebenschance ohne Kulleraugen – nicht einmal der selbstfahrende Saugroboter. Schuhe werden gerne spontan "veredelt", Türen mutieren zu echten Hinguckern und grundsätzlich gilt: Wenn etwas Augen hat, ist es lustiger.
Hinzu kommt Mareikes unerschütterliche Begeisterung für kleine Überraschungen aus Kaugummiautomaten. Oder – wie erst vor wenigen Tagen – aus dem Schreibwarenregal. Nicht, dass sie noch einen Stift gebraucht hätte (wo sind eigentlich all die anderen?), sondern dieser hier war einfach zu schräg, um ihn zurückzulassen. Ein Stift mit Charakter.
Und was soll ich sagen: Ich schmunzle inzwischen nicht nur mit – ich ertappe mich dabei, wie ich heimlich prüfe, ob der Toaster vielleicht auch noch Augen vertragen könnte.
14. Januar – Mystische Schönheiten
Nicht nur auf Bornholm ist es schön. Einige Tage vor unserer Reise nach Bornholm waren wir mit Kendo und Greta kurz vor Sonnenuntergang noch einmal spazieren. Mit dem letzten Restlicht erreichten wir schließlich unser Auto und waren froh, nicht mit unseren Handy-Taschenlampen durch die Wildnis stapfen zu müssen.
Das späte Erreichen des Wagens lag nicht zuletzt an Christians Begeisterung für Kiefern. Woher das jetzt wieder kommt – ich kann es mir auch nicht erklären. Aber seit über einem Jahr spricht er schon von den vielen Kiefern im Wendland, die unbedingt von ihm fotografiert werden wollen. Als könnten die Kiefern sprechen.
Na ja, ich denke mir meinen Teil und lasse ihm die Freude an diesen in der Tat sehr schönen Bäumen.
13. Januar – "So komm’ doch, mein Täubchen"
So oder so etwas ähnliches dachte sich vorgestern früh vermutlich dieser Bussard, als er die acht Tauben auf unserem Parkplatz sah, die sich inmitten diverser anderer Vögel an den vier Futterstellen die schönsten Körner herauspickten. Auf die erfolgreiche Jagd wurden wir erst durch ein ohrenbetäubendes, dumpfes Geräusch aufmerksam – so, als würde ein riesiges, schweres Buch aus zwei Metern Höhe auf die flache Seite fallen (jedenfalls stellen wir uns so das Geräusch beim Aufprall auf einen Holzboden vor). Danach absolute Ruhe. Kein Vogel weit und breit zu sehen, sondern nur dieses possierliche Tierchen und in seinen Krallen in der Beute. Heute kam er zurück, um die Reste zu verspeisen.
Ab sofort haben wir kleine Warnhinweise für die verbliebene Taubenschar aufgestellt.
12. Januar – Fotoausstellung: Gemeinsam für Reinbek
Die Welt wird zunehmend digitaler, und dennoch macht das Zwischenmenschliche das Leben aus. Sich zu engagieren, für andere Menschen da zu sein – in der Not, im Alltag oder bei der Ausübung eines Hobbys – ganz egal: Immer spielt die Interaktion zwischen Menschen eine entscheidende Rolle.
Als wir vor einigen Monaten gefragt wurden, ob wir Lust hätten, eine Ausstellung in der Reineke-HASPA-Filiale mit unseren Fotos zu gestalten, sagten wir spontan zu. Zunächst dachten wir an bereits vorhandene Bilder, doch im Laufe der folgenden Tage wurde uns bewusst, dass wir etwas zeigen wollten, das zu Reinbek passt.
Schnell war die Idee geboren, ehrenamtlich tätige Menschen zu fotografieren und ihnen beziehungsweise ihrem Anliegen ein Gesicht zu geben. Und wenn wir es damit schaffen, ein paar weitere Personen für ehrenamtliches Engagement zu begeistern, wäre unser Wunsch erfüllt – einfach eine schöne Vorstellung. Seit heute kann man die Bilder in der HASPA Filiale in Reinbek anschauen und sich vielleicht sogar inspirieren lassen, selbst ehrenamtlich tätig zu werden.
11. Januar – Von zu kleinen Leinwänden – Traumata in der Schulzeit
Als heute für kurze Zeit mal wieder die Sonne durchkam, mussten wir an dieses Foto und die damit verbundene Erinnerung an Christians Schulzeit denken: Zeichenblock DIN A4. Den mussten wir zum Kunstunterricht mitbringen. Dazu den 12er-Tuschkasten oder die Luxusvariante mit 24 Farben. Nicht zu vergessen: einige Pinsel. Fröhlich wurde getuscht. Komisch nur, dass ich immer am schnellsten fertig war.
"Christian, das kannst du bestimmt viel besser!"
Nein. Das konnte ich nicht – und ich kann es bis heute immer noch nicht besser. Deshalb fotografiere ich.
Beim Anblick dieses Pegelhäuschens beschlich mich allerdings eine ganz andere Erkenntnis: DIN A4 war für mich wahrscheinlich einfach viel zu klein und beschränkt. Hätte ich solche großen Leinwände zur Verfügung gehabt – wer weiß, ob nicht doch ein großer Maler in mir zum Vorschein gekommen wäre. Jedenfalls muss sich dieser "Wandverschönerer" für einen genauso großartigen Künstler halten.
10. Januar – Es gibt kein schlechtes Wetter …
… sondern nur die falsche Kleidung. Bullshit. Natürlich gibt es beim Wetter keine offizielle Definition von gut und schlecht. Trotzdem gibt es Situationen, in denen wir dann doch lieber im Warmen sind und dankbar dafür, als draußen durchnässt zu werden. Dazwischen liegen all die Spaziergänge und Wanderungen, die schön beginnen und bei denen es mittendrin dann doch mehr als nur ungemütlich wird. So wie bei einer unserer Wanderungen im Norden Bornholms. Neben dem zunehmenden Wind brach auch noch ein heftiger Regenguss los. Trotzdem – oder gerade deshalb – konnten wir nicht an den Kiefern vorbei hasten, ohne zumindest zwei Bilder gemacht zu haben. Jetzt, im Warmen, beim Betrachten der Fotoaufnahmen, freuen wir uns, dass wir dem Wetter getrotzt haben.
09. Januar – In Bewegung
Mindestens 10.000 Schritte sollte jeder Mensch am Tag zurücklegen. Das sei gesund, heißt es. Und das ist nur einer von unzähligen Fitness-Tipps, die mit schöner Regelmäßigkeit hinausposaunt werden. Dass Bewegung besser ist als Sitzen oder Liegen, ist unbestritten. Ob es allerdings wirklich 10.000 Schritte sein müssen? Irgendein Guru oder Wissenschaftler wird das bestimmt ausgiebig untersucht haben – oder eines der zahlreichen Gadgets à la Ring, Armreif, Smartwatch oder Handy-App muss sich einfach besonders gut verkaufen lassen.
Uns beschäftigte dagegen die Frage, wie man Bewegung in einem Foto zeigen kann. Also begaben wir uns zu Fuß (am Ende waren es genau 8.365 Schritte – das reichte uns an diesem Tag) in die Wentorfer Lohe in die Nähe des „Panzerbergs“. Dort steht dieses entzückende kleine Birkenwäldchen, das geradezu um eine Fotoaufnahme bat. Dieser Bitte sind wir gern nachgekommen.
08. Januar – An Tagen wie diesen …
… an denen es draußen schneit, an denen die Straßen rutschig sind und sich die Warnungen vor noch mehr Schnee und Sturm häufen, denken wir gerne an unsere Zeit auf Bornholm zurück. Wir fragen uns, ob es dort wohl auch gerade schneit und stürmt und ob sich die Nachrichten dort ebenso überschlagen wie hier. Und das gefühlt für einen Winter, der früher mal als normal galt. Wir werden sehen, wie sich die kommenden Tage entwickeln, werden uns an dem Schnee erfreuen und immer mal wieder an Bornholm denken. Dort würden wir viele Warnungen vermutlich ohnehin nicht verstehen. Ob das nun gut oder schlecht wäre wissen wir nicht. Aber morgen werden wir sehen, ob sie hier für uns gut waren.
07. Januar – Kiwi
Ab und zu haben wir das Vergnügen, dass ein Kunde seinen Hund mit zum Shooting bringt. Manchmal nur als Begleitung, manchmal auch als Fotomodell. So wie heute, als Kiwi, ein Mischlingsrüde mit deutlichem Irish-Terrier-Einschlag, mit seinem Menschen Melanie zu uns kam (oder anders herum). Und siehe da: Er war sofort der Star in der Manege. Kendo und Greta buhlten um seine Aufmerksamkeit, und am Ende staunten unsere beiden Hunde nicht schlecht, wie souverän Kiwi sich vor der Kamera bewegt hat. Eine echte Schönheit eben. Und ein echtes Mimik-Talent.
06. Januar – Reisen bildet …
… sagt man jedenfalls. Und tatsächlich haben wir uns auf dem Weg nach Magdeburg ein klein wenig mit der Stadt beschäftigt. Bis dahin wussten wir nicht einmal, dass die Stadt an der Elbe zugleich die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt ist. Nach ein wenig weiterer Lektüre wurde uns bewusst, dass diese Stadt nicht nur für Richard Wagner von großer Bedeutung war (Magdeburg war von 1834 bis 1836 seine erste Wirkungs- und Kompositionsstätte), sondern auch der Lieblingsort von Kaiser Otto I. (912–973).
Otto I. war der einflussreichste Herrscher Mitteleuropas im 10. Jahrhundert. Als Herzog von Sachsen und König des Ostfrankenreichs stützte er seine Macht auf die Kirche und schuf so ein stabiles Herrschaftssystem. Nach seiner Krönung zum König im Jahr 936 machte er Magdeburg zu seinem wichtigsten Machtzentrum, insbesondere zur Sicherung der Ostgrenze und zur Christianisierung slawischer Gebiete. Berühmt wurde Otto 955 durch den Sieg über die Ungarn auf dem Lechfeld, der ihm den Beinamen „der Große“ einbrachte. Wenige Jahre später erhielt er nach einem Italienzug die Kaiserkrone und gilt seither als Begründer des Heiligen Römischen Reiches. Als er 973 in Memleben starb, wurde er im Magdeburger Dom beigesetzt.
Apropos Schlacht auf dem Lechfeld: Sie spielt auch eine Rolle in Richard Wagners Oper Lohengrin, als der König um Unterstützung für seinen Abwehrkampf gegen die Ungarn bittet.
05. Januar – Freiheit
Ach ja, da war doch mal eine Partei, die sich die Freiheit auf ihre Fahnen geschrieben hatte. Das wirkt heute wie ein historisches Ereignis aus grauer Vorzeit, dabei ist der Rauswurf aus dem Bundestag noch nicht einmal ein Jahr her. Doch wer zählt schon mit? Erinnerungen verblassen bekanntlich schnell, vor allem dann, wenn sie politisch unangenehm sind.
Immerhin genießen die ehemaligen Abgeordneten nun wieder jene Freiheit, die sie einst so leidenschaftlich propagierten: die Freiheit, sich nicht mehr durch den (mutmaßlich) drögen Politikeralltag quälen zu müssen. Keine Ausschüsse mehr, keine Sitzungen, keine endlosen Debatten über Formulierungen, die am Ende doch niemand liest.
Ein Bundestagsabgeordneter erzählte uns vor einigen Jahren im kleinen Kreis, er habe drei Jahre seines Lebens in Ausschusssitzungen verbracht, damit in einem Gesetz vier Zeilen geändert werden konnten. Vier. Zeilen. Und nein – nicht solche, die plötzlich alles anders machten. Eher kosmetische Eingriffe, politisches Feintuning im homöopathischen Bereich. Er beschrieb seine Arbeit als zutiefst frustrierend, und das wohlgemerkt als Mitglied einer Partei mit Regierungsverantwortung.
Man fragt sich unweigerlich, was Menschen dennoch dazu bewegt, diesen Beruf freiwillig zu ergreifen. Idealismus? Macht? Sendungsbewusstsein? Oder doch eine sehr spezielle Form von Leidensfähigkeit? Ganz ausschließen lässt sich jedenfalls nicht, dass ein gewisser Hang zum Masochismus hilfreich ist.
04. Januar – Moonrise
Trotz der weißen Winterlandschaft sind unsere Gedanken durchaus noch ein wenig auf Bornholm. Dabei war ein Wanderweg ganz besonders unwirklich. Zuerst ging es durch ein Spaltental hinab zur Steilküste, an der wir von einer stürmischen See empfangen wurden. Auf einem schmalen Pfad entlang der Küste in Richtung Hammershus erreichten wir kurz vor Vang einen alten Steinbruch, der heute vorwiegend im Sommer als Kletterparadies genutzt wird. Nachdem wir den Steinbruch erklommen hatten, erwartete uns für wenige Augenblicke ein tiefblauer Himmel mit dem aufgehenden Mond. Das letzte Sonnenlicht hob die rote Färbung des Gesteins besonders schön hervor, und wir fühlten uns ein klein wenig an ein Foto von Ansel Adams erinnert: Moonrise, Hernandez.
03. Januar – Winterwunderland
Bis zu 15 Zentimeter Schnee und mindestens genauso viele Gründe zum Lachen. Abgesehen von ein paar Gewehrschüssen in der Ferne bestand das heutige Nachmittagsprogramm in der Wentorfer Lohe aus zwei restlos glücklichen Vierbeinern – und uns als begeistertem Publikum. Kendo und Greta beim Toben zuzusehen war ein Garant für Dauergrinsen, spätestens als der Schneemann sein vorzeitiges Ende fand.
Wie zwei lebende Schneefräsen pflügten sie durch die weiße Landschaft. Zeitweise verschwanden sie komplett im Schnee, nur um Sekunden später wieder aufzutauchen – verraten allein durch ein fröhlich wedelndes Schwänzchen.
Das absolute Highlight folgte jedoch noch: Kinder, die sich mit ihren Schlitten von einer sagenhaften Höhe von etwa fünf Metern hinabstürzten, als ginge es um olympisches Gold. Begleitet von lautem Gejohle und erstaunlicher Furchtlosigkeit. Das können eben nur echte Norddeutsche.
02. Januar – Spuren im Schnee
Kaum sind wir aus dem Haus, beginnt es auch schon zu schneien. Und zwar so richtig – jedenfalls nach norddeutschen Maßstäben. Ein echter Gebirgler kann darüber wohl nur müde lächeln, wir jedenfalls sind beeindruckt von der weißen Pracht. Jedes zarte Weiß auf den Zweigen wird bestaunt, jede Fußspur im Schneematsch gibt uns Rätsel auf (wer kam und wohin wollte er/sie?). Jede Schneeflocke wird gezählt, während der Autofahrt erleben wir eine geradezu hypnotische Wirkung der auf die Frontscheibe auftreffenden Flocken. Und überhaupt träumen wir von weißen Weihnachten. Aber man kann nicht alles auf einmal haben, und so hoffen wir auf die kommende Weihnachtszeit – zumindest was den Schnee angeht. Ach ja: Angesichts des Schnees freuen wir uns auch schon wieder auf die ersten Frühlingsboten – die Schneeglöckchen.
01. Januar – "Die sind wohl verrückt geworden, die Dänen"
Seit Jahren steht diese Löwenfamilie unbeirrbar und wacht über ein Grundstück, das verzweifelt einen neuen Besitzer sucht. Doch offenbar traut sich niemand, dieses Fleckchen Erde in Besitz zu nehmen, um hier seine ganz persönliche Vision vom Leben an der nördlichsten Spitze Bornholms zu verwirklichen. Verständlich, denn der aufgerufene Preis bewegt sich selbstbewusst in Regionen, die man sonst nur aus den besten Hamburger Lagen kennt. So bleibt dem steinernen Wächter samt Familie wohl nichts anderes übrig, als weiter tapfer auszuharren – in der leisen Hoffnung, dass irgendwann doch noch jemand vorbeikommt, der den Mut (oder das nötige Kleingeld) mitbringt, diese Tristesse zu beenden.
31. Dezember – "Was hast du gesagt?"
Keine Ahnung. Ich habe wirklich kein einziges Wort verstanden. Lauter als unser Radio kann man es physikalisch vermutlich gar nicht aufdrehen – irgendwo zwischen startendem Düsenjet und vibrierender Waschmaschine. Und das alles nur für Kendo, der dem Geböller leider gar nichts abgewinnen kann und bei jedem Knall Silvester für immer abschaffen möchte.
Völlig egal übrigens, dass hier im Norden Bornholms bis kurz vor 19 Uhr absolute Totenstille herrschte. Jetzt sind es zwar erst ein paar vereinzelte Böller, aber wir gehen lieber auf Nummer sicher. Also läuft dänisches Radio: Bumm bumm tapp oder so ähnlich. Melodie? Text? Völlig überbewertet. Hauptsache laut. Und ohne Pause.
Später gibt es dann noch das Neujahrskonzert von André Rieu – bewährt gegen jedes Knalltrauma und vermutlich auch gegen kleinere Naturkatastrophen. Zur Beruhigung unserer Nerven folgt gleich eine selbst belegte Pizza. Ohne die wäre die musikalische Lärmbelästigung für uns nämlich kaum auszuhalten. Prost Neujahr!
30. Dezember – Orte der Zuflucht
Sie sind nicht nur die innere Zuflucht im Glauben, sondern waren auch ganz handfeste Zufluchtsorte: die Rundkirchen auf Bornholm. Die Wahrzeichen dieser schönen Insel dienten hauptsächlich im 12. und 13. Jahrhundert dem Schutz der einheimischen Bevölkerung vor angreifenden Barbaren. Das konnten im Mittelalter eigentlich nur die Schweden sein, denn die Bornholmer wollten schon immer zu Dänemark gehören – und das, obwohl man von der Insel aus an manchen Stellen das schwedische Festland sehen kann, während Dänemark deutlich weiter entfernt liegt.
Die Rundkirchen sehen nicht nur schön aus, sondern haben alle eine Besonderheit gemeinsam: In ihrer äußeren Mauer befindet sich eine schmale Treppe, die sich im Uhrzeigersinn nach oben windet. Im Ernstfall konnte hier jeweils nur eine Person – mehr kriechend als stehend – nach oben gelangen. Durch diese extrem schwer zugängliche Treppe war ein Angreifer schutzlos, denn das Schwert wurde meist von Rechtshändern geführt und befand sich damit auf der "falschen" Seite. So konnte der Zugang von nur einer einzigen Person verteidigt werden.
"Eine feste Burg ist unser Gott", schrieb Martin Luther später als Kirchenlied – ein Satz, der gut zu dieser Rundkirche in Olsker passt. Sie wurde um das Jahr 1150 erbaut. Ob Luther sie wohl gekannt hat?
29. Dezember – Auch der Süden kann …
… romantisch sein. Zumindest ein bisschen. Zugegeben, wir sind voreingenommen. In den Süden Bornholms fahren wir nur zur Not – beziehungsweise dann, wenn es sich nicht vermeiden lässt. So wie heute. Es gibt halt ein oder zwei Orte, die wir im Süden einmal pro Inselaufenthalt gesehen haben müssen. Nein, nicht die Natur. Die haben wir im Überschwang im Norden – und dort dazu noch viel beeindruckender – sondern da ist dieser zauberhafte Garten, von dem wir uns nur zu gerne inspirieren lassen (jetzt ist dieser allerdings im Winterschlaf), und zum anderen gibt es ein Bekleidungsgeschäft in Boderne (dazu kein Kommentar von mir).
Und so verbinden wir das Angenehme (ich gehe zwei Stunden mit den Hunden am Strand spazieren) mit dem Nützlichen (Mareike kauft Klamotten). So ganz nebenbei gesagt, ist auch hier die Natur doch den einen oder anderen Blick wert – und das sagen wir als eingefleischte Nordbornholmer. Denn die Ostsee umspielt auch im Süden die Insel auf gar zauberhafte Weise.
28. Dezember – Hat sich das jetzt gelohnt?
Die heutige Geschichte fing vor ein paar Tagen an, als ich gegen Ende unseres Spaziergangs meinte, einen Eisvogel im Augenwinkel entdeckt zu haben. Farbe und Flugbahn stimmten jedenfalls. Meine bisherigen Eisvogel-Sichtungen ließen sich bis dato an einer Hand abzählen, und noch nie habe ich einen gesehen, wenn ich es geplant hatte. Die Beobachtung ließ mich jedoch nicht mehr los, und ich plante, in den kommenden Tagen noch einmal früh am Morgen an die Stelle der Sichtung zu gehen, um nachzuschauen, ob ich den Vogel wiederentdecken würde. Eine schnelle Recherche im Internet machte allerdings keine große Hoffnung: Einen Eisvogel in Dänemark zu sehen – und dann noch auf Bornholm – sei bei gerade einmal ca. 300 Brutpaaren im ganzen Land eher unwahrscheinlich. Und so waren in den Folgetagen der innere Schweinehund zu groß und das Bett zu gemütlich. Bis heute. Denn da weckte mich Greta gegen acht Uhr, weil sie raus musste. Da ich nun schon einmal wach war und Christian noch schlief, nutzte ich die Gunst der frühen Stunde und machte mich auf den Weg. Zwanzig Minuten später war ich am Ziel und machte mich mit der Umgebung vertraut. Bis ich am Ufer etwas Türkises entdeckte. "Ach, das ist sicher nur ein Stück Plastik", dachte ich noch, nahm aber dennoch mein Fernglas zur Hand und war sprachlos: Da saß er. Der Eisvogel, den ich zu finden hoffte. Er saß da ganz ruhig im Geäst am Ufer und machte keine Anstalten wegzufliegen. Selbst dann nicht, als ich mich in eine bessere Position brachte. Da saßen wir nun. Ich mit Fernglas und Kamera, der Eisvogel pausierend oder auf Beute wartend. Ich konnte mein Glück kaum fassen, und es gelangen mir, trotz nicht ganz geeigneter Kameraausrüstung, einige Aufnahmen des seltenen Vogels. Selbst ein vorbeikommender Mink konnte die Freude nur kurz trüben, denn der Vogel schreckte zwar hoch, doch ich entdeckte ihn schnell wieder. Dieses Mal ein wenig tiefer im Dickicht. Nach einer Dreiviertelstunde der Glückseligkeit war ich durchgefroren genug und hatte auch keine Hoffnung auf bessere Fotos, und so verließ ich den immer noch ruhig abwartenden Vogel und freute mich auf einen heißen Tee und mein Frühstück. Besser hätte dieser Tag kaum beginnen können.
27. Dezember – Wenn der Abend kommt ...
... dann singt entweder Helge Schneider – oder wir sind am Hammersø im Norden Bornholms. Zugegeben, wir sind sehr viel häufiger auf Bornholm, als dass wir jemals ein Lied von Helge Schneider gehört hätten. So sehr wir auch seine subtile Art des Humors mögen: Vor die Wahl gestellt, ein Konzert von ihm zu besuchen oder eine Seeumrundung zu unternehmen, würde Helge jedes Mal verlieren.
Frühmorgens im Sommer, noch herrlich schattig und von einer kühlen Brise begleitet, verwandelt sich der See im Winter in eine große Reflexionsfläche für die untergehende Sonne. Der Abendhimmel spiegelt sich dann so schön und intensiv auf seiner Oberfläche, dass nicht wenige Dänen sich genau deshalb noch einmal an die Ostspitze des Sees begeben – nur um dieses Naturschauspiel zu erleben. Wir können sie nur zu gut verstehen.

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26. Dezember – Bergziegen
Man, sind wir aus der Puste. Es sind zwar nicht die Alpen, aber dafür geht es hier über Stock und Stein, beziehungsweise hoch und runter. Ohne Unterbrechung. Da ist im Vorteil, wer vier Beine hat. So wie diese Kletterexperten: die Bornholmer Ziegen. Wettererprobt. Klettererprobt. Nur ein müdes Meckern hatten sie für uns übrig, als wir schwer atmend an ihnen vorbeikraxelten. Interessiert und zugleich distanziert betrachteten sie allerdings unsere Klettermaxen Kendo und Greta, die ebenfalls wie für dieses Gelände geboren zu sein scheinen.
Es gibt Menschen, die laufen sogar in solch einem hügeligen Gebiet. Über Stock und Stein. Stundenlang. Wohin eigentlich? Oder geht es vielleicht nur um die Bewegung? Denen stellt sich diese Frage vermutlich nie. Uns schon. Und so waren wir am Ende unseres sieben Kilometer langen Gewaltmarsches froh, endlich wieder ins wohltemperierte Apartment zurückzukehren. Die Zimtschnecken warteten schon.
25. Dezember – Zu viel und zu lang
Zu viel gegessen und getrunken, zu lange geschlafen und vor allem zu lange "Sissi" im Fernsehen geschaut. Das ist ja nun fast schon Tradition, so wie "Dinner for One" fest zu unserem Silvesterprogramm gehört. Dadurch sind wir heute tatsächlich erst kurz vor knapp – also kurz vor Sonnenuntergang – nach draußen gekommen. Dafür wurden wir umso mehr mit einer schönen und beeindruckenden Lichtstimmung belohnt.
Die untergehende Sonne im Rücken schien wundervoll auf die Wolken über der Ostsee. Das von den Wolken reflektierte Licht spiegelte sich im Wasser wider und versetzte nicht nur uns in Erstaunen, sondern auch zahlreiche andere Urlauber. Noch nie haben wir auf diesem Küstenabschnitt so viele Menschen gesehen, nicht einmal zu Hochsaisonzeiten. Wahrscheinlich lag es daran, dass wir nicht die Einzigen waren, die etwas länger ausgeschlafen haben – oder lag es doch an "Sissi"?
24. Dezember – Augenblicke
Heiligabend. Am Morgen. Draußen 4 Grad kalt, drinnen 20 Grad warm. Keine Frage: Wir blieben erst einmal in der Ferienwohnung. Und blieben und blieben. Bis zur Mittagszeit. Schließlich verließen wir kurz vor 14 Uhr unser Appartement. Zunächst widerwillig, dann entschlossen in Richtung Hammershavn. Tatsächlich wird es eine größere Runde entlang des Hammersø, am Fuße von Hammershus vorbei und zurück in Richtung Allinge. Gerade noch rechtzeitig erreichen wir Sandvig vor Einbruch der Dämmerung.
Plötzlich schauen uns aus der Finsternis zwei Augen an. Erschrocken greift Mareike zur Kamera und macht auf die Schnelle zwei Aufnahmen, bevor wir weiter hasten. Endlich in der Ferienwohnung angekommen, entdecken wir auf dem Foto mit den vermeintlich gefährlichen Augen diese lustige Weihnachtsfigur. Noch einmal Glück gehabt, denken wir – und freuen uns über den dänischen Humor. Fröhliche Weihnachten!
23. Dezember – Luxus
So viele verschiedene Grautöne wie heute haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Vorausgegangen war eine stürmische und verregnete Nacht, die wir selig verschlafen haben. Erst heute Morgen verstanden wir, warum etliche draußen stehende Weihnachtsbäume zusätzlich mit Spanngurten gesichert sind. Wo, wenn nicht hier, pfeift der Wind um jede Ecke. So schnell, wie er gekommen ist, löst er sich allerdings auch wieder auf.
Schon kurze Zeit später schiebt sich auf der dazu spiegelglatten Ostsee ein kleines Fischerboot ins Bild, wendet – wie nach einem Drehbuch – vor unserem Kamerastandpunkt und fährt anschließend wieder in Richtung Tejn davon. Ob mit oder ohne Fang, wir wissen es nicht. Genauso wenig wissen wir, wie es ist, bei einem Sturm auf einem kleinen Boot zu sein. Wir Landratten sind froh, bei solch ungemütlichem Wetter in einer beheizten Unterkunft zu sitzen. Das ist Luxus.
22. Dezember – Wenn Träume wahr werden sollen
Dann ist oft harte Arbeit nötig. So auch in diesem Fall. Blut, Schweiß und Tränen – all das kam zusammen, weil Mareike ihren Traum von einem eigenen Gin endlich in die Tat umsetzen möchte. Eines der größten Hindernisse auf diesem Weg war bisher, dass die dafür benötigten Wacholderbeeren zwingend von der Trauminsel Bornholm stammen müssen. Und die gibt es nun mal erst im Winter. Sämtliche Reisepläne wurden dafür in diesem Jahr über den Haufen geworfen beziehungsweise komplett umgestellt, nur um dieses Ziel zu erreichen.
Gestern war es dann so weit. Wir wanderten um die Nordspitze Bornholms, als Mareike bereits nach wenigen hundert Metern einen spitzen Schrei ausstieß: "Hier sind sie!" Ohne Rast, dafür aber durchaus schmerzhaft, wurden die reifen Wacholderbeeren geerntet. Nicht sehr viele, aber für den Anfang reicht es. Die Wacholderpflanzen sind hier weit über 50 Jahre alt und verteidigen ihre Früchte mit spitzen Nadeln.
Am Ende waren es einige Handvoll Wacholderbeeren als Grundstock für die erste Charge – inklusive blutender Hände, gepaart mit einem zufriedenen Lächeln. Das Gin-Imperium nimmt seinen Lauf.
21. Dezember – Harte Schale – weicher Kern
Noch drei Tage bis Weihnachten. Letzte Vorbereitungen für die Feiertage. Ein kurzer Spaziergang durch den Hafen von Sandvig brachte Erstaunliches zutage. Die ansonsten so hartgesottenen Fischer schmücken einen Tannenbaum, dekorieren ihre Fischerhütten und haben es sich darin richtig gemütlich gemacht. Sie sitzen zusammen, plaudern, lachen und genießen einfach die gemeinsame Zeit. Auch Seebären haben ein Herz (für Weihnachten).
20. Dezember – Danke
Jetzt wird es rührselig.
Oder vielleicht auch nur still.
Danke darf man sagen, angesichts dieses Ausblicks.
Wasser. Himmel. Mee(h)r nicht — und doch für uns fast alles.
Denn es ist nicht irgendein Blau oder Grau
nicht irgendein Horizont.
Es ist dieser Ort, den wir so lieben.
Ein Unterschied liegt darin,
ob man den Blick über das Meer wandern lässt
oder immer wieder
an derselben Stelle verweilt.
Manchmal scheint es,
als kennten wir die Wellen,
den Himmel,
den ersten Sonnenstrahl des Morgens.
Als hätten wir uns das Blau eingeprägt.
Vielleicht, weil Wiederholung vertraut macht.
Und weil im Wiedersehen
etwas Schönes, Beglückendes liegt.
Also doch rührselig?
Nein.
Nur zufrieden.
19. Dezember – Land in Sicht und der Himmel so weit
Jetzt geht es los. Sassnitz. Der Fähranleger.
Dann das offene Wasser, Kurs Bornholm.
Wenige Menschen an Bord.
Pommes mit Mayo, ein Svanneke in der Hand –
kleine Rituale für die Überfahrt.
Vier Stunden zwischen Himmel und Meer.
Vorfreude.
Auf graue Tage, auf Wolken, die tief hängen.
Auf Stille.
Vielleicht ein Buch. Vielleicht auch nicht.
Keine Pläne machen.
Jeden Tag hinauf zu den Felsen.
Nachsehen, ob das Meer noch da ist.
Ein Foto. Oder zwei.
Gut essen, gut trinken.
Natur.
Die Hunde.
Und alles andere
darf sich von selbst ergeben.
18. Dezember – Frauen können es einfach besser
Was hat diese Überschrift eigentlich mit dem Foto zu tun? Zunächst einmal: nichts. Denn dazu gehört die gesamte Vorgeschichte dieses "Kunstwerks". Entstanden ist das alles vorletzte Nacht, so gegen 2.30 Uhr. Da muss ich mich allerdings ganz auf die Aussage von Mareike verlassen, denn ich schlummerte zu diesem Zeitpunkt glücklich und zufrieden neben ihr.
Nicht so Mareike. Durch lautes Geschrei, gepaart mit noch lauteren Klängen aus einer Boombox, geweckt, schnellte sie aus dem Bett, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Wenige Minuten später – nach anhaltend wummernden Bässen – traf die Polizei ein, und der Spuk nahm ein Ende.
Als ich am nächsten Morgen auf das Geschehen angesprochen wurde, hielt ich es zunächst für einen Aprilscherz. Doch beim Gang zum Mülleimer entdeckten wir nicht nur eine fast leere Kiste Corona-Bier direkt neben unseren Mülltonnen (und somit auch direkt neben unseren Schlafzimmerwand, sondern auch die kunstvolle HSV-Verzierung am Eisenbahntunnel. Nun also HSV-Fans auch bei uns in Wohltorf – mit leicht schrägem Musikgeschmack, und auch das Bier ist nicht gerade der Hit.
Und was können Frauen nun einfach besser? Mareike hat für ein mögliches erneutes Auftauchen dieser Gruppe bereits eine Strategie entwickelt: Vom Fenster aus will sie die ganze Truppe mit Blitz und Spotreflektor ununterbrochen anblitzen. Keine schöne Vorstellung für die armen Fans – aber ich kann dann dafür umso beruhigter weiterschlafen. Von daher: Frauen können es eben besser ...
17. Dezember – Wahre Meisterschaft
Nicht jedes Geheimnis können (oder wollen) wir auf unserem Blog ausplaudern. Sonst wäre es ja auch irgendwie langweilig – ganz ohne Überraschungen. Nur so viel sei verraten: Die wahren Meister im Fahrstuhlspielen heißen Ingo und Karin. Da dürfen wir hoffen, bangen, schreien und zittern, wie wir wollen – am Ende heißt es (mit ganz wenigen Ausnahmen): Spiel, Satz und Sieg für die beiden Bargteheider.
Schon unzählige Male haben wir auf der Heimfahrt gedacht, dass ein knallhartes Trainingslager vielleicht doch keine so schlechte Idee gewesen wäre. Nur ein einziges Mal ganz oben auf der ewigen Bestenliste im Fahrstuhl-Spiel stehen – wäre das nicht was? Ob dieser Traum jemals wahr wird, bleibt offen.
Aber hey: Wir haben jedes Mal riesigen Spaß beim gemeinsamen Spielen – und allein dafür lohnt sich die Reise nach Bargteheide schon.
16. Dezember – Professor Bienlein …
… oder: warum wir einen wie ihn so gern haben.
Tim und Struppi. Helden der Jugend. Kaum ein Abenteuer, das sie nicht bestanden haben. Kaum ein Ort, den sie nicht bei der Lösung eines Falles bereist hätten. Sogar auf dem Mond waren sie. Tim, der Kluge. Struppi, der instinktiv immer das Richtige tut. Und natürlich der gute Kapitän Haddock. Ohne ihn und sein ewiges Fluchen würde ein notwendiger Gegenpol zum smarten Tim fehlen.
Und Professor Bienlein?
Der geht meist sinnierend durch die Gegend. Staunt hier, spricht dort über Rätsel – und bleibt dabei selbst oft ein Rätsel. Ein liebenswerter Zeitgenosse. Manchmal geraten seine Erfindungen ins Visier der Bösewichte, manchmal ist er einfach "nur" eine Figur am Rand der Geschichte. Aber immer sympathisch. Immer liebenswert.
Ein liebenswerter Spinner.
Von denen brauchen wir mehr.
15. Dezember – Wo gibt es denn so etwas noch?
Es gibt Bahnstrecken, die führen fast ins Nirgendwo – so wie die Verbindung zwischen Lüneburg und Dannenberg. Besteigt man in Lüneburg die kleine Lokalbahn, ist zunächst alles noch "normal". Doch kaum hat der Zug den Bahnhof verlassen, beginnt eine neue Welt: die Welt der Entschleunigung.
Gefühlt könnte man im leichten Trab neben der Bahn herlaufen, so ruhig und gemütlich zuckelt der Triebwagen durch die Landschaft. Vorbei an Feldern, Wäldern und kleinen Bahnhöfen, die oft nur aus einer befestigten Haltestelle bestehen, endet die Fahrt nach rund einer Stunde im Bahnhof Dannenberg-Ost.
Dieser Bahnhof war früher tatsächlich einmal ein Knotenpunkt mit den Strecken Buchholz–Wittenberge, Salzwedel–Dannenberg und Uelzen–Dannenberg. Aus dieser Zeit stammt vermutlich auch noch der Fernmeldeapparat zur Öffnung der Schranke.
14. Dezember – Zeit der Dunkelheit
Fern vom Weihnachtstrubel.
Regen. Kiefern.
Tropfen auf Haut und Boden.
Blicke in den Himmel.
Schritt für Schritt durch den Wald.
Spuren verschwimmen.
Die Welt nimmt uns zurück.
Laut.
Doch die Gedanken bleiben.
Zeit der Dunkelheit.
13. Dezember – Niemals ohne
Und sei sie noch so klein: Besser, ich habe immer eine Kamera dabei, als in entscheidenden Momenten (und dazu zähle ich diesen) aus reiner Faulheit keine dabei zu haben. Denn das Glück liegt oft direkt vor der Nase. So wie vor zwei Abenden in Lübeck. Da hatten wir gerade die Aufführung "Wagner zu dritt mit Vogt und Schmidt" gesehen. Noch ganz beseelt von der Darbietung lag etwas in Mareikes Blick, das ich "festhalten" wollte. In solchen besonderen Momenten ist da ein inneres Drängen – dann kann ich gar nicht anders, als um ein Foto zu bitten. Was für ein Glück, dass ich meine Faulheit in solchen Momenten fast immer besiege.
12. Dezember – Das muss Liebe sein
"Ich warte hier auf meine Frau, die sich noch ein wenig umschaut."
Der Mann stand so ruhig und gelassen in all dem Trubel, dass er uns sofort auffiel. Auf dem Weihnachtsmarkt in Lübeck herrschte schon gegen Mittag dichtes Treiben, und die Blicke der Menschen wirkten eher "auf der Suche" als in sich ruhend. Kein Wunder, denn als wir diesen Stand betraten, fühlten wir uns wie lebende Figuren in einem Wimmelbild. Nie zuvor hatten wir so viele Weihnachtsartikel auf so engem Raum gesehen. Christian war froh, dass er schnell wieder aus dieser Weihnachtshöhle herauskam, ohne in eine der zahlreichen Dekorationen hineinzustolpern.
Ich hingegen fand dann doch noch eine Kleinigkeit, um die Weihnachtszeit wieder ein wenig schöner zu gestalten. Ein weiteres Teil geht halt immer.
11. Dezember – Pointiert, stimmgewaltig, musikalisch
Lübeck in der Vorweihnachtszeit: Hier wird der Traum vieler Norddeutscher nach Besinnlichkeit gelebt. Die Parkplätze sind zu dieser Jahreszeit hart umkämpft. Nach einer gefühlten Ewigkeit hatten wir endlich auch einen gefunden – und stürzten uns ins Getümmel. Allerdings nicht auf den Weihnachtsmarkt, sondern ins städtische Theater.
Mit einem Programm über den Komponisten Richard Wagner und sein Werk gastierten dort Harald Schmidt, Klaus Florian Vogt und Pianist Jobst Schneiderat, um zahlreiche (musikalische) Fragen über Wagner zu stellen und sogleich zu beantworten. Schmidts pointierte Scharfzüngigkeit, Schneiderats feines Klavierspiel und Vogts stimmgewaltige Präsenz machten diesen Abend zu einem Hochgenuss – weit abseits des Weihnachtstrubels vor der Tür.
10. Dezember – Der Tanz um den Weihnachtsbaum
Das haben wir heute zwar nicht gemacht, dafür gab es eine andere schöne dänische Weihnachtstradition – dazu am Ende des Textes mehr.
Was vor einigen Jahren als ein Volkshochschulkurs begann, hat sich inzwischen zu einer kleinen, feinen Gruppe entwickelt, die sich zehnmal im Jahr trifft und mal mehr, mal weniger Dänisch miteinander spricht.
Dort lernten wir unter anderem, dass es in Dänemark viele Traditionen und Bräuche gibt, und eine kurze Befragung von ChatGPT hat neben den uns bekannten auch jede Menge unbekannte Bräuche ausgespuckt. Hier ein kleiner Eindruck:
Zimtattacke für Singles
Wer mit 25 noch unverheiratet ist, bekommt von Freunden eine riesige Ladung Zimt übergeschüttet.
Mit 30 gibt’s Pfeffer.
Tanz um den Weihnachtsbaum
Die ganze Familie fasst sich an den Händen und tanzt singend im Kreis um den geschmückten Baum.
Der launische Nisse
Der Hauswichtel möchte an Weihnachten Reisbrei mit Zimt, sonst macht er Unfug.
Dänemark: das einzige Land, in dem man kleine Fabelwesen regelmäßig „durchfüttert“.
J-Dag – der Tag, an dem das Weihnachtsbier kommt
Am ersten Freitag im November erscheint um exakt 20:59 Uhr das dänische Weihnachtsbier.
Die ganze Nation feiert, Kneipen sind voll, Menschen tragen Weihnachtsmützen – alles wegen eines Bieres.
Risalamande
Im Weihnachtsdessert versteckt sich eine einzelne Mandel.
Wer sie findet, gewinnt ein Geschenk.
Pakkeleg
Ein Würfelspiel, bei dem alle hektisch Geschenke ergattern und sie sich gegenseitig wieder wegnehmen.
Am Ende herrscht fröhliches Durcheinander und mindestens eine Portion Schadenfreude.
Katzen aus dem Fass (Fastelavn)
Kinder schlagen auf ein Holzfass ein, um „die Katze herauszulassen“.
Heutzutage natürlich nur noch eine gemalte Holzkatze – aber die Tradition ist geblieben.
Adventskerze mit Zahlen – und viel zu wenig Selbstkontrolle
Die dänische Kalenderkerze soll jeden Tag nur ein Stückchen abbrennen.
Ergebnis: Sie brennt ständig zu weit herunter – und jedes Jahr muss man eine neue kaufen.
Das Flaggen-Faible
Die dänische Flagge taucht überall auf: Geburtstage, Kuchen, Vorgärten, Frühstückstische, Weihnachtsbäume.
Dänen dekorieren mit ihr wie andere Leute mit Servietten.
Julefrokost – das legendäre Weihnachtsgelage
Eine Mischung aus Festessen, Schnaps, Hering und wildem Humor.
Julefrokost gilt als dänischer Ausnahmezustand: Je später der Abend, desto „dänischer“ die Stimmung.
Doch zurück zum "echten Leben", denn dort haben wir heute vorzeitig Weihnachten gefeiert – und das sogar verbunden mit ein klein wenig "Unterricht": Wir spielten BINGO auf Dänisch. (Wer sich noch nie mit den dänischen Zahlen befasst hat, wird sicher nicht ohne eine Übersetzung herausbekommen, welche Zahlen sich hinter fireoghalvtreds oder syvoghalvfjerds verbergen …)
Wir wussten es zum Glück und durften uns nach jedem "Bingo" ein liebevoll verpacktes "Spaßgeschenk" aussuchen (am Ende hatten wir alle je sechs Geschenke), welche in einer Extrarunde im Anschluss noch wild hin- und hergetauscht wurden.
Im Anschluss gab es noch die wundervolle Tradition "Risalamande", die nicht nur lecker war, sondern auch noch mit einem schönen "Mandelgave" endete. Bräuche sind doch etwas Schönes!
09. Dezember – Was wäre nur alles möglich, wenn …
Man müsste,
man sollte,
man könnte
– wenn man nur wollte.
Doch am Ende ist es wie immer
– so wie mit dem Schnee:
Es bleibt einem nichts.
Oh weh.
Ich erinnere mich noch ganz genau. Es war 1983 – vielleicht auch 1982. Berufsschule in Kiel, Blockunterricht. Nach einer ausgedehnten Kneipentour gingen wir höchst motiviert – begünstigt durch eine große Anzahl an Touborg-Bieren – in Richtung unserer Berufsschule. Auf die Frage einer Mitschülerin, wie ich denn meine Zukunft in der Fotografie sehen würde, entgegnete ich vollkommen unbescheiden: "Ich möchte der Picasso der Fotografie werden."
Hätte ich mich schon damals an meine Kindheit erinnert, an meinen ausgeprägten Sinn für Faulheit, und hätte ich (dazu passt jetzt aber wirklich das oben stehende Gedicht) an mein geschriebenes Wort gedacht, dann hätte ich in diesem Moment sicherlich nicht diese Aussage getroffen.
Ein sehr weiser Mensch sagte öfter zu mir:
"Christian, maximal zehn Prozent sind Talent, der Rest ist Fleißarbeit."
08. Dezember – "Keine …
... Knoten in die Taue machen!!!“ steht auf dem Schild. Das Wort keine ist sogar unterstrichen, und am Ende stehen drei Ausrufezeichen. Hilft so ein Hinweis wirklich? Es ist wohl eher die schiere Verzweiflung, die den Hausmeister der Sporthalle zu diesem Hinweis veranlasst hat. Bei uns hätte so ein frommer Wunsch in Jugendjahren eher das Gegenteil bewirkt: erst recht viele feste Knoten in die Seile machen, dann herumkichern und dem wütenden Hausmeister beim Enttüddeln durchs Fenster zuschauen. Natürlich kannte der seine Pappenheimer. Manchmal bekamen wir dann zu hören: "Wenn ich euch erwische …" Hat er aber nie.
07. Dezember – Erinnerung – Vom Kochen und Backen
Woran erinnern wir uns, wenn wir an Menschen denken? Manchmal ist es ein Lied. Ein Foto. Ein Gespräch. Eine Begegnung. Ein Essen. Oder ein Buch. Ein Buch mit dem Titel Kochen und Backen – voller Rezepte, alphabetisch geordnet.
Kochen war nie ihre Leidenschaft, das Backen dagegen umso mehr: Torten, Törtchen, Napfkuchen und, besonders zu Weihnachten, Kekse.
"Nicht so runterschlingen!", war ein geflügeltes Wort unserer Mutter. Nun ist ihre Stimme für immer verstummt. Was bleibt, ist die Erinnerung – und das Buch mit all ihren Rezepten.
06. Dezember – Himmlische Lammbratwurst
Jedes Jahr am Sonnabend vor dem zweiten Advent findet in Hitzacker der Adventsmarkt in der Altstadt auf der Insel statt. Familiär, gemütlich und lecker. So richtig zum Rumschlendern kommen wir leider kaum, denn die Lammbratwurst ist einfach zu begehrt. Erst eine, dann eine zweite. Und auch die dritte Bratwurst ginge noch – wäre da nicht irgendwann das Verlangen, wieder ins Warme zurückzukehren. Wer weiß, vielleicht hätten wir uns sonst noch zu einer weiteren Verlockung hinreißen lassen.
Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Ausgabe dieses so schönen Adventsmarktes im kommenden Jahr.
05. Dezember – Man muss die Feste feiern ...
Vor genau zehn Jahren wurde Der Sachsenwalder geboren. Im Dezember 2015 erschien die erste Ausgabe. Zehn Jahre und 120 Ausgaben später wurde dieses Jubiläum heute entsprechend gewürdigt und gefeiert. In den Räumlichkeiten der Agentur von Alexandra Wollweber in Wohltorf kamen Wegbegleiter der ersten Stunde zusammen, um sich über die besondere Bedeutung dieser Regionalzeitschrift auszutauschen. Vereine, Verbände, Kirchen, Gemeinden und Parteien veröffentlichen Monat für Monat ihre Neuigkeiten, geben Termine bekannt und sorgen so für einen regen Austausch in den Sachsenwaldgemeinden. Und wir waren ein bisschen stolz, denn in einem Raum hingen zwei Poster mit all unseren Titelbildern. Besser geht’s nicht!
04. Dezember – Game over
Spieleabend bei Freunden. Es gab ein paar Snacks und eine Runde Hitster zum warm werden. Dann kam die verhängnisvolle Frage: "Wollen wir, bevor wir richtig spielen, erstmal eine Proberunde spielen, um das neue Kartenspiel aus Frankreich zu testen?" Gesagt, getan. In "La suite infernale" geht es darum, eine Kartenreihe von 1-10 zu legen. Doch leider gibt es auf dem Weg dorthin jede Menge Fallstricke und Gemeinheiten. Zwei Stunden später beendeten wir die "Testrunde" und waren neben dem Spaß auch ein wenig erleichtert (oder vielmehr: ermattet) – dachten wir doch zwischendurch, dass das Spiel niemals enden wollte oder enden könnte. Wie oft wähnten wir uns bereits auf der sicheren Siegerstraße, nur um kurz vor der Ziellinie wieder bei fast null anzufangen. Bei welchem anderen Kartenspiel gibt es schon die Möglichkeit, kurz vor Schluss sämtliche Spielkarten aus der Hand geben zu müssen, nur damit die Gegenspieler sich für wenige Augenblicke ebenfalls wie die sicheren Sieger fühlen?
Am Ende gewann Mareike – was auch den großen Vorteil hatte, dass ich im Auto mit nach Hause fahren durfte. Zwischenzeitlich hatte ich mir nämlich durch meine allzu gemeine Spielweise die Mitfahrgelegenheit verscherzt. Und da wäre dann in der Tat game over gewesen.
03. Dezember – Zehn Jahre
120 Monate. 120 Titelbilder für den Sachsenwalder und nahezu genau so viele Begegnungen.
An dieser Stelle sagen wir einfach Danke an Alexandra Wollweber, die Herausgeberin des Sachsenwalders. Monat für Monat schenkt sie uns das Vertrauen für das nächste Titelfoto. Dadurch haben wir bisher so viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen kennenlernen dürfen. Das hat uns die Region Sachsenwald noch nähergebracht und unseren Blick dafür geschärft, welche wundervollen Dinge in unserer unmittelbaren Nachbarschaft passieren.
02. Dezember – Die Schönheit steckt im Detail
Oder, wie in diesem Fall, in der Gleichmäßigkeit der Form und dem nicht endenden Fließen des Wassers an dieser kleinen Staustufe. Wasser übt eine große Faszination auf uns aus – nicht nur auf Bornholm, wo wir immer wieder an derselben Stelle Himmel und Meer fotografieren, sondern auch an der Elbe oder, wie hier, am Mühlenteich. Vielleicht liegt das daran, dass alles Leben aus dem Wasser stammt. Oder an dem Sprichwort: Stille Wasser sind tief.

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01. Dezember – Genuss beim Schlendern
Genuss am Nachmittag. Keine Menschenseele. Nur Kendo und Greta – und wir zwei – waren heute Nachmittag an der Elbe unterwegs. Die Schatten wurden länger, die Dämmerung kam schneller als erwartet. Feuchtigkeit stieg empor. Die Hunde auf Mäusejagd. Wir fixiert aufs Nachhausekommen. Und natürlich vorher noch schnell einkaufen. Überhaupt: schnell. Alles soll schnell gehen – schnell noch eben einkaufen, zur Post, die Besorgung machen, das Geschenk versenden, die Tickets buchen, die Fotos fertig machen. Fast alles soll schnell gehen. Oder soll es nur schnell weggehen, uns also nicht mehr als zukünftige Aufgabe belasten?
Fast egal, wie die Antwort lautet – heute haben wir uns bewusst dazu entschieden, zu schlendern, nicht zu hasten, sondern mit Zeit und Ruhe Schritt für Schritt voranzugehen. Kein Hasten. Nur ein Schreiten. Eine ganz neue Erfahrung.
30. November – Erster Advent.
Bei nahezu frühlingshaften Temperaturen waren wir heute zu Gast bei einem Adventskonzert auf Gut Dötzingen und um Punkt 17 Uhr ging es los. Ksenia und Aaron bestritten den zweistündigen Klavierabend unter anderem mit Werken von Brahms, Chopin und Edward Elgar – hingebungsvoll und eindrucksvoll dargeboten. Mal zwei-, mal vierhändig. Bereits zum dritten Mal in Folge durften wir die beiden angehenden Pianisten an diesem Ort erleben und waren besonders beeindruckt von der selbst erarbeiteten Klavierversion des ersten Satzes des Cellokonzerts von Edward Elgar. Einfach grandios.
29. November – Respekt
Traurig, aber wahr: Der Respekt vor unseren Mitmenschen schwindet zusehends. Davon betroffen sind auch zahlreiche Mitarbeitende im öffentlichen Dienst, in Vereinen und Verbänden, Lehrkräfte, Krankenhauspersonal und viele andere, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Menschen zu helfen.
Immer häufiger begegnen ihnen in ihrem Arbeitsumfeld Personen, die sich respektlos verhalten, keine Distanz wahren und jegliche Höflichkeit vermissen lassen. Nicht selten werden einzelne Menschen mit einer Institution, Behörde oder Schule gleichgesetzt – und stellvertretend beschimpft, bedroht oder beleidigt.
Die Stadt Reinbek hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, auf diesen Missstand aufmerksam zu machen und so den einen oder anderen Menschen zum Nachdenken anzuregen. Es war uns eine Freude, dieses Projekt fotografisch zu begleiten.
28. November – "Zwinker mir doch mal zu"
Mal eben auf die Schnelle geht es zwar nicht, aber es funktioniert – und das erstaunlich gut. Bilder lassen sich animieren. So wie in unserem Beispiel mit Alfred: real fotografiert und anschließend mithilfe einer selbst verfassten Eingabeaufforderung sowie künstlicher Intelligenz zu einem kurzen Video animiert.
Das Ergebnis? Erstaunlich. Beeindruckend.
Aber! Viele werden einwenden: Man sieht doch die Künstlichkeit.
Stimmt. An einigen Stellen erkennt man die künstliche Umsetzung – noch. Denn die Entwicklung schreitet weiter voran.

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27. November – Chansonmanie – "Vergiss nie, dass ich dich liebe!"
Vor über einem halben Jahr hatten wir die drei sympathischen Musiker*innen vor der Kamera, um neues Bildmaterial für ihr aktuelles Programm zu erstellen. Und heute feierte dieses in den Prismeo Studios in der Hamburger Hafencity Premiere.
Isabella Rapp (Gesang), Mathias Weinrich (Klavier und Gesang) und Lars Hansen (Kontrabass und Gitarre) erzählen und musizieren als Trio Chansonmanie von der besonderen Verbindung zwischen Édith Piaf und Marlene Dietrich, die sich 1947 in New York kennenlernen.
Piaf, damals eine junge, leidenschaftliche und freche Sängerin aus Paris, berührt die Menschen mit ihrer Stimme und fasziniert sofort auch die bereits weltberühmte, elegante Marlene Dietrich. Aus ihrer Begegnung entsteht eine tiefe Freundschaft – und eine große Liebe. Ein bewegender Beweis dafür ist ein vergilbter Zettel, den man nach Dietrichs Tod fand und den sie stets bei sich getragen hatte. Darauf stand Piafs Satz: "Vergiss nie, dass ich dich liebe!"
Ein berührender Abend – sehr persönlich, gefühlvoll, detailreich und publikumsnah in einer tollen und inspirierenden Umgebung.
26. November – Ja, wo laufen sie denn?
Dieser legendäre Ausspruch drängte sich uns heute Morgen geradezu auf, als ein kleiner Demonstrationszug der IG Metall tröpfelnd durch die Sachsenwaldgemeinde Wohltorf in Richtung Bahnhof zog. Warnstreik? Hier bei uns? Wofür – und vor allem: für wen? Auch die sonst üblichen Menschenmassen, die Protestzüge begleiten, waren weit und breit nicht zu sehen.
Kurz wähnten wir, die Gruppe habe sich schlicht verlaufen, und wollten schon helfend eingreifen. Doch bei näherem Hinsehen wurde klar: Die IG Metall wusste sehr genau, wohin sie marschiert. Wohltorf – später auch Wentorf – hatten sie bewusst ausgewählt. In beiden Gemeinden wohnen mehrere bedeutende Anteilseigner des Unternehmens, das aktuell bestreikt wird.
Hintergrund des Protests ist die geplante Schließung eines Werks in Lüneburg – einer Fabrik, die nach Angaben der Gewerkschafter durchaus profitabel arbeitet.
25. November – Farbe – und nichts als Farbe
Hatten wir eigentlich schon einmal über unsere Leidenschaft, die SW-Fotografie, berichtet? Ja, hatten wir das schon? Sogar mehrfach? Dann bitten wir Sie, liebe Leserinnen und Leser unseres Blogs, vielmals um Entschuldigung. Manchmal gehen einfach die Pferde mit uns durch.
Heute jedoch singen wir zur Abwechslung ein Loblied auf die Farbfotografie. Denn es gibt Motive, die wirken ausschließlich in Farbe – nicht nur im echten Leben, sondern eben auch im Foto. Oder können Sie sich diese Aufnahme in SW vorstellen? Da müssen sogar wir einmal passen.
24. November – Graubrot
Ein Brot so grau wie der Alltag im Krankenhaus. Wenige Menschen kümmern sich aufopferungsvoll um viele. Sie messen Blutdruck, helfen bei der Körperpflege, beim Anziehen, operieren, beraten, haben Nachtdienst und arbeiten auch dann, wenn die meisten frei haben. Und sie teilen das Essen aus. Abendbrot. Graubrot. Tomate, Kräuterquark, Käse, Geflügelstreichwurst und eine Banane.
"Ich habe überhaupt keinen Appetit!" Diesen Satz höre ich nun schon seit einigen Jahren. Doch heute war etwas anders. Ich reagierte nicht genervt (jedenfalls nicht nach außen), sondern fing seelenruhig an, mir das Graubrot erst mit Butter zu schmieren und dann mit Kräuterquark zu bestreichen. Nach dem ersten Bissen wuchs das Interesse an den verbleibenden Scheiben – und, oh Wunder, der Appetit (oder vielleicht auch nur der Futterneid) setzte ein.
Schon meine Söhne haben schnell gemerkt, dass ich ihnen fast alles wegesse, wenn sie sich nicht beeilen. Das hat schon in frühen Jahren extrem gut bei einsetzender Essensunlust am Tisch geholfen. Und es scheint noch heute zu funktionieren.
23. November – Erinnerungen
Dieser Hinweis, den wir gestern im Gemeindehaus entdeckten, weckte Erinnerungen in uns.
Es war 2022, und der Krieg in der Ukraine dominierte die Nachrichten in Europa. In Deutschland entdeckte man plötzlich, dass die geringfügige Abhängigkeit von russischem Gas vielleicht doch ein Problem sein könnte. Also wurde ein Importstopp verhängt, und fieberhaft suchte man nach alternativen Wegen, die Gasspeicher zu füllen – vorzugsweise solchen, die nicht geradewegs nach Russland führten.
Die Aussicht auf einen eisigen Winter ohne vernünftige Heizmöglichkeiten löste verständliche Nervosität aus. Gleichzeitig schossen die Preise in allen Lebensbereichen in ungeahnte Höhen. Und natürlich tauchten überall vermeintliche Geheimtipps zum Heizkostensparen auf. Unvergessen bleibt für viele das legendäre DIY-Keramikheizkraftwerk: ein umgedrehter Blumentopf, darunter ein Teelicht – fast schon Hightech.
Auch die damalige Bundesregierung trug ihren Teil zur kollektiven Erheiterung bei, mit dem Werbespot "Damit wir alle gut durch den Winter kommen", der wohl eher das Gegenteil bewirkte.
Und heute? Heute kaufen wir unser russisches Gas nicht mehr von Russland – nein, das wäre ja viel zu direkt. Stattdessen beziehen wir es ganz offiziell über Umwege, natürlich zu deutlich höheren Preisen. Aber Hauptsache, wir tun es mit gutem Gewissen.
22. November – Einfach himmlisch
Drei Farben Blau. Blue Hour. Blue Curaçao. Diese Aufzählung ließe sich endlos fortsetzen, wenn nicht irgendwann Mareike gerufen hätte: "Das Essen ist fertig." Das schlägt dann selbst das schönste Blau am Abendhimmel über Meudelfitz. Vor allem diese kalten, klaren Tage und Nächte bescheren uns einen Himmel, wie wir ihn nur selten zu sehen bekommen. Und wenn um 23 Uhr die Straßenlaternen ausgeschaltet werden, eröffnet sich uns ein Sternenhimmel von beeindruckender Klarheit. Eindrucksvoll, was der Blick nach oben dann zu bieten hat. Beglückt kehren wir anschließend ins Haus zurück und träumen vom Mann im Mond.
21. November – Einfach schön
Bei Alfred und Monika zu Gast zu sein, ist wie in eine andere Welt einzutauchen. Alles, wirklich alles in ihren vier Wänden und dem dazugehörigen Garten ist von Kunst durchdrungen – nicht nur von der eigenen, sondern auch von der vieler befreundeter Künstlerkollegen. Als Kendo für einige Minuten auf einem dunklen Stück Holz herumnagte, beschlich uns sogar der Gedanke, ob es sich nicht ebenfalls um ein Kunstobjekt handeln könne. Denn wer möchte schon etwas so Kurioses erleben – oder gar verursachen – wie die Reinigungskraft, die einst die berühmte "Fettecke" von Joseph Beuys einfach wegputzte?
Zum Glück entpuppte sich das Stück Holz als Spielzeug ihres Hundes. Auch die zahlreichen Hühner, Laufenten und anderen Tiere atmeten hörbar auf, als wir ohne weitere "Beute" den Rückweg antraten. Nur ungern erinnern wir uns an eine unserer letzten Begegnungen, als ein Huhn im Angesicht von Kendo in eine Schockstarre verfiel und erst nach einiger Zeit wieder erholte. Ansonsten war unser Besuch reines Glück und einfach nur schön.
20. November – Einfach glücklich
Wie schon so oft geschrieben, freuen wir uns sehr, wenn unsere Fotoaufnahmen gedruckt werden. Ein besonders schönes Beispiel ist jedes Mal die aktuelle Ausgabe der Lieblingsadressen. Was uns aber ebenso glücklich macht, ist, wenn unsere Foto- und Filmaufnahmen so gut zur Geltung kommen wie auf der neu gestalteten Website der Zahnarztpraxis von Frau Dr. Kowalski. Einfach dem folgenden Link folgen – und schon öffnet sich die neue Homepage, die zeigt, was wir in Zusammenarbeit mit unseren Kundinnen und Kunden erreichen können.
19. November – Genie und Chaos
Was geschieht denn hier? Erste Möglichkeit: Die Koalitionsverhandlungen der neuen Bundesregierung dauern jetzt schon länger als eine Woche. Oder zweitens: Fünf Menschen treffen sich zum Dänisch lernen. Die Antwort ist doch ganz einfach, oder?
Als ich das Foto sah, wusste ich sofort, dass es sich nur um eine Gruppe leicht verrückter Menschen mit einem Hang zum Chaos handeln kann. Aber weit gefehlt! Hier arbeiten einige Dänemark-Verrückte an der Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse – unter Zuhilfenahme diverser kleiner Helferlein wie Kaffee, Keksen, Nüssen, Schokolade, Schreibblöcken und allerlei Basteleien.
Dass dabei nur Großes herauskommen kann, versteht sich von selbst. Und an Weihnachten gibt es dann natürlich landestypisch Risalamande – das ist allerdings so rein gar nichts für mich …
18. November – Support
Es war uns erneut eine große Freude, junge Künstlerinnen und Künstler am Beginn ihrer Karriere zu unterstützen. Für den Verein Zukunftsmusik Wendland e.V. fotografierten wir vier vielversprechende Nachwuchstalente – für die Internetseite, Konzertankündigungen und weitere Pressearbeit.
Hatten wir eigentlich schon einmal erwähnt, wie sehr wir Schwarzweiß-Aufnahmen lieben? Vermutlich schon häufiger, doch es lässt sich gar nicht oft genug sagen: Schwarzweiß-Fotografien besitzen eine besondere Ausstrahlung. In einer bunten Welt wirken sie wunderbar reduziert, klar und zeitlos.
17. November – Nachdenklich
Liegt es an der Jahreszeit? Oder an der allgemeinen Stimmung? Ein wenig nachdenklich wurden wir schon, als wir heute dieses Schild lasen: Insolvent.
Klar, die Zeiten ändern sich ständig. Nicht alle Geschäfte überleben, und nicht jede Geschäftsidee von vor zwanzig Jahren funktioniert heute noch genauso gut wie damals. Und doch ist ein Trend erkennbar: Kleine Geschäfte haben es zunehmend schwerer, während die großen Ketten (trotz mancher Pleite) überleben. Einfach deshalb, weil ein schwächerer Standort durch andere Standorte ausgeglichen werden kann.
Und die Gastronomie? Entweder hilft die ganze Familie mit, oder es geht in Richtung Systemgastronomie. So wie kürzlich im Saarland entdeckt: Dort wird an einem zentralen Ort alles vorbereitet und in vier völlig unterschiedlichen Restaurants nur noch aufgewärmt. Das spart Fachpersonal vor Ort, bündelt die Köche in einer einzigen Küche – und das sogar zu arbeitnehmerfreundlichen Zeiten. Da können kleinere Restaurants oder Gaststätten kaum mithalten. Woher soll man das Personal nehmen – und es dann auch noch mit dem Mindestlohn bezahlen? Was bleiben wird, ist die Systemgastronomie. Na dann: guten Appetit.
16. November – Unverhoffte Schönheit
Regen, Regen, nichts als Regen. Stundenlang fiel er gleichmäßig vom Himmel und legte einen grauen Schleier über den Tag. Doch dann öffnete sich unerwartet die Wolkendecke. Ein zurückhaltendes, aber dennoch eindrucksvolles Farbenspiel breitete sich aus, begleitet von einer markanten Anordnung der Wolken, die der Szene eine stille Dramatik verlieh.
Für einen Moment schien die Landschaft wie verwandelt. Diese Atmosphäre erinnerte uns an unseren Besuch in der Galerie der Alten Meister in Dresden, wo viele Gemälde hängen, deren Licht und Komposition eine ähnlich ruhige, doch ausdrucksstarke Wirkung entfalten.
15. November – Analoger Nebel
Der Nebel war echt und erzeugte eine eindrucksvolle Stimmung an der Elbe. Analog war an diesem Tag auch die Kamera. Das Filmmagazin unserer alten Hasselblad wurde mit einem Rollfilm geladen, der Belichtungsmesser eingepackt (glücklicherweise funktionierten die Batterien noch), und los ging es zum "Fotowalk".
Ungewohnt war der Blick durch den Lichtschachtsucher der Kamera – nicht auf einen kleinen Bildschirm wie im digitalen Alltag, sondern auf eine echte Mattscheibe, auf der die Welt kopfsteht und zudem seitenverkehrt erscheint. Vor einigen Jahrzehnten war das noch gang und gäbe, genauso wie der Rollfilm, der nach zwölf Belichtungen gewechselt werden musste.
Kein Dauerfeuer wie im digitalen Alltag (kostet ja nichts mehr, außer der Zeit beim Auswählen). Stattdessen: Reduktion, Konzentration und die Neugier auf das Ergebnis. Als der Film aus dem Labor zurückkam, lichtete sich der "analoge Nebel", und die Freude war groß. So sind auch in früheren Zeiten auf diese Weise großartige Bilder entstanden – trotz der reduzierten Anzahl der Bilder pro Film. Warum auch nicht?
14. November – Nachlese
Schön war es gestern Abend im Reineker Waldhaus anlässlich der Präsentation der neuen Ausgabe der "Lieblingsadressen Sachsenwald". Heute konnten wir endlich in aller Ruhe und nach Herzenslust die Ausgabe durchblättern – ja, geradezu in ihr schmökern. Das ist das Schöne an einem gedruckten Werk: Es ist großartig, darin zu blättern, vorwärts wie rückwärts, mit oder ohne Eselsohren, im ganz eigenen Tempo, unabhängig vom Ladezustand eines Akkus und zudem um ein Vielfaches augenfreundlicher, als immerzu auf einen Bildschirm zu starren.
So sitzen wir jetzt gemütlich zusammen und erfreuen uns wieder einmal an der Vielfalt der Lieblingsadressen.
13. November – Jubiläum – Was für ein schöner Abend!
25 Ausgaben der Lieblingsadressen Sachsenwald – ein besonderer Meilenstein, den wir am heutigen Donnerstagabend im Waldhaus Reinbek feiern durften. In diesem wundervollen Ambiente wurde gelacht, geklönt, genetzwerkt, gegessen und angestoßen – einfach gemeinsam genossen.
Viele neue Kontakte sind entstanden, bestehende Verbindungen wurden vertieft, und die Stunden vergingen wie im Flug. Bei fast frühlingshaften Temperaturen lud sogar die Terrasse zum Verweilen und Austauschen ein – ein rundum gelungener Abend voller Herzlichkeit und guter Gespräche.
Wir sind dankbar und stolz, schon so lange Teil dieses großartigen Netzwerks zu sein – auf viele weitere gemeinsame Jahre!
12. November – Fast ohne Worte
"Wenn nur der Gesang nicht wäre …" – diesen Ausspruch hörten wir vor einigen Jahren über die Opern Richard Wagners. Heute Abend erlebten wir den "Ring ohne Worte", eine Bearbeitung von Wagners Opernzyklus Der Ring des Nibelungen durch Lorin Maazel, in der Hamburger Elbphilharmonie unter der Leitung von Teodor Currentzis.
In rund 70 Minuten durchlebten wir die Geschichte der vier Opern Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried und Götterdämmerung und wurden hineingezogen in den Klangkosmos dieses sonst etwa 16 Stunden dauernden Werkes.
Vor unserem inneren Auge zogen noch einmal die Bilder des kürzlich in Berlin gesehenen Rings vorbei – diesmal in Ruhe, konzentriert auf die Musik. Ein Besucher erzählte seiner Begleitung ganz begeistert, dass die Musik Richard Wagners schon für viele Kinofilme als Vorlage diente – etwa in Francis Ford Coppolas Apocalypse Now.
Im Orchester entdeckten wir auch einige Mitglieder des Mahler Chamber Orchestra, auf deren Wiedersehen wir uns anlässlich der kommenden Musikwoche Hitzacker im Februar 2026 freuen.
So ganz ohne Worte kommt man dann eben doch nicht aus – sonst gäbe es schließlich diesen Blogbeitrag nicht.
11. November – Ein Hoch auf die Freundschaft
Was? Das waren schon über vier Stunden? Mit Ingo vergeht die Zeit einfach wahnsinnig schnell – kein Wunder bei all den Themen. Angefangen bei den Kindern (überwiegend schöne Geschichten und Anekdoten), über die Eltern (die bekanntlich älter werden), die Politik (zwischen Verwunderung und Enttäuschung), die Musik (von Udo Jürgens über Pete Doherty bis hin zu Nick Cave), das Reisen (Bornholm, Madrid und Amsterdam – Hauptsache Italien) bis hin zu den Getränken (hier vorzugsweise diverse Brände) – all das waren Themen, über die wir stundenlang gesprochen haben. Nicht zu vergessen das köstliche Abendbrot – nur leider mit dem "falschen" Bier. Nur Dunkles und kaum Helles, das war ganz und gar nicht nach Ingos Geschmack.
10. November – Gewichtsrechnen
Jetzt aber mal schnell nachgerechnet – was wiegt eigentlich alles eine Tonne? Zum Beispiel eine kräftige Kuh, ein Kleinwagen, ein Würfel aus Wasser (1 m³), 1.300 Brote, 20 Säcke Kartoffeln à 50 Kilogramm, 1.000 Ziegelsteine, ein Walross oder ein Eisbär, ein großer Berg Käse, 100.000 Schallplatten, 2.000 Bücher oder 1.000.000 Legosteine (damit könnte man dann direkt noch eine zweite Brücke bauen).
Es ließen sich sicher noch unendlich viele Beispiele finden – doch bevor über diese Brücke mit der zulässigen Gesamt–Tragkraft von einer Tonne so viele Menschen gleichzeitig hinübergehen, fallen in China bestimmt zuerst die berühmten Reissäcke um. (Wie viele von denen wiegen wohl zusammen eine Tonne?) Für Kendo und Greta und uns beide hat es jedenfalls gereicht und die Brücke hat gehalten. Auf dem Hin- und auf dem Rückweg.
09. November – Die alles verschluckende Dunkelheit
War da eben ein Geräusch?
Nur schemenhaft zeichnen sich Umrisse im schwachen Dunklegrau ab. Alles scheint von der Nacht verschlungen, von diesem sich ausbreitenden Schwarz, das kein Ende kennt. Nur selten zerschneidet ein Lichtschein, der Scheinwerfer eines vorbeihuschenden Autos, den Schleier der Nacht.
In der Ferne bellt ein Hund – dumpf, verloren.
Da, wieder ein Rascheln. Oder war es nur Einbildung? Täuschen wir uns schon und sehen Gespenster, wo keine sind?
Feuchtigkeit legt sich auf die Haut, kriecht in die Kleidung, lässt uns frösteln. Die Hunde an den Leinen werden unruhig, ziehen, wollen weiter, fort von hier. Zu kalt, zu dunkel, zu unheimlich ist es ihnen um diese Stunde. Da werden selbst Jagdhunde zu Schoßhündchen.
Und wer wollte es ihnen verdenken?
08. November – Die fantastischen Vier
Silvie Violette, Magdalena Mahnke, Sophie Bergmann und Jacub Lücke rissen am Ende des Abends das Publikum zu Standing Ovations hin. Der Verein Zukunftsmusik Wendland e.V. hatte zum alljährlichen Konzert eingeladen, bei dem sich die durch den Verein geförderten jungen Musikerinnen und Musiker präsentierten. Mit Werken von Smit, Bach, Rodgers, Puccini, Velázquez, Chopin, Beethoven, Dvořák und Martinů kam ein abwechslungsreiches Programm zur Aufführung, das die Besucherinnen und Besucher durch die überaus gelungenen Interpretationen begeisterte.
Ein Ausspruch einer der anwesenden Besucherinnen blieb uns dabei besonders im Ohr: "So geht Zukunft!"
07. November – Die dunkle Jahreszeit
Jetzt ist sie da – die dunkle Jahreszeit. Schon um 16 Uhr beginnt es zu dämmern. Wenige Minuten später wird es zappenduster, und in den kommenden Wochen wird es noch früher dunkel.
Die nächsten Wochen bringen wieder diese besondere Stimmung aus Nebel, kühler Luft und fahlem Licht mit sich. Alles um uns herum scheint langsamer zu werden, stiller. Bis auf die letzten bunten Blätter ist nun die Zeit der Zwischentöne gekommen. Zarte Pastellfarben bestimmen das Landschaftsbild, gedämpft und friedlich.
Die letzten Vogelschwärme ziehen gen Süden, Kraniche trompeten hoch über uns, und die Gartenarbeit ruht. Jetzt heißt es: innehalten, durchatmen, zur Ruhe kommen.
Jede Jahreszeit hat ihre eigenen Reize – doch das Erwachen der Natur im Frühling und das sanfte Zur-Ruhe-Kommen im Herbst mögen wir am liebsten.
06. November – Nachbarschaft
Heute stand vollkommen unerwartet eine Schale mit Walnüssen vor unserer Haustür in Meudelfitz – ein lieber Gruß aus der Nachbarschaft. Einfach so, ohne jeden Anlass. Unsere Nachbarn sind wirklich großartig: sei es der zurückgeschobene Abfalleimer, die zur Verfügung gestellten Gartengeräte, das Instandsetzen eines Rasenmähers, die vielen Tipps zur Gartengestaltung, der kleine oder größere Klönschnack am Gartenzaun oder das Nachbarschaftsfest – stets sind wir von der positiven Energie überrascht und fühlen uns hier einfach sauwohl.
05. November – Partytime
Danach ist uns zwar zurzeit gar nicht zumute – und dennoch: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.
Wir waren heute zu Gast bei Claudia, einer anerkannten Expertin für Klemmbausteine aller Art. Es gibt halt noch so viel mehr als die Firma mit den berühmten vier Buchstaben.
Uns erwartete in einem leicht abgedunkelten Raum ein wahres Lichterfest ("Ja, ist denn schon Weihnachten?") mit zahlreichen beleuchteten Gebäuden und unzähligen Szenerien. Ganz besonders angetan hat uns Claudias Begeisterung für Musik und die dazugehörigen Klemmbausteinwelten.
Und so tanzten wir mit den Akteuren noch bis spät in den Abend, bevor wir den kurzen Heimweg antraten. Musik verbindet.
04. November – Am Ende des Regenbogens …
… befindet sich angeblich eine Schüssel voll Gold. Doch so oft wir auch geschaut haben – wir haben nie eine gefunden.
Und am Ende eines Fahrstuhl-Spieleabends wandert immer eine kleine Summe in dieses geheimnisvolle Trinkgefäß, streng bewacht von unserer Schatzmeisterin. Nur sie kennt die Summe, die sich in den letzten zwei (oder sind es bereits drei?) Jahren angesammelt hat. Vermutlich stammt der größere Anteil von uns, denn uns fehlt nach wie vor die Übung zur Meisterschaft dieses so einfachen wie genialen Spiels.
Was wir mit dem Geld einmal machen, ist noch unklar. Doch wenn wir nur fleißig genug sammeln, könnte es in zehn Jahren vielleicht für eine Flusskreuzfahrt reichen.
03. November – Versunken
Oder: unbeobachtet. Genau in diesem Moment habe ich Mareike fotografiert. Nicht gestellt. Nicht geschönt – das hat Mareike, und überhaupt kein Mensch, nötig. Einfach nur abgebildet. Schön. Entspannt. Ein wenig nachdenklich. Menschlich. Keine Pose, kein Sich-Präsentieren. Nur Sein. Jetzt. Echt und natürlich. Ihr Kommentar, als sie das Bild sah? "Oha ..." Aber nun gut – wieso sollte es ihr (uns) so anders gehen, als den meisten Menschen, die wir tagtäglich vor unseren Kameras haben. Schade ...
02. November – Aufgepasst
An alle Wühlmäuse dieser Welt:
"Ich finde euch. Egal, wo ihr seid – lauft, buddelt, versteckt euch –, ich gebe nicht auf, bevor ich euch habe."
Das waren Gretas Worte. Kurz darauf verschwand sie auf den Elbwiesen, hörte weder die lautesten Rufe noch wollte sie sie hören. Sie grub, schnaufte, witterte, grub weiter, verschwand zeitweise fast ganz im hohen Gras. Erst als wir sie schließlich am Schlafittchen herauszogen, kam sie langsam wieder zur Besinnung.
Das entstandene Loch füllten wir hastig mit der verstreuten Erde und suchten das Weite. Mareike bemerkte nur trocken:
"Sie ist im Tunnel. Aber du wolltest ja nicht hören – und sie an die Leine nehmen."
01. November – Sichtbarkeit
Entweder wir sind in Bewegung – oder die Welt um uns herum ist es. Das Spiel des Windes zu beobachten, seinem Heulen und Rascheln zu lauschen – all das gehört ebenso zum Herbst wie seine leuchtende Laubfärbung. Besonders eindrucksvoll sind die Birken, die ihre feinen Zweige und Blätter mit einer fast tänzerischen Leichtigkeit im Wind hin- und herwiegen. Und das Schilf, das sich majestätisch beugt, als würde es den Atem der Jahreszeit selbst spüren.
Wir wollen nicht verschweigen, dass wir nach jedem Hundespaziergang stets froh sind, wieder im Warmen zu sitzen und das Schauspiel der Natur von drinnen zu betrachten.

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31. Oktober – Erich von Deyn – Ein Leben auf Schienen
Fast sein ganzes Leben widmete Erich von Deyn der Eisenbahn. Zunächst lernte er Autoschlosser und Autoelektriker, doch bald zog es ihn zu den Schienen. Seine Ausbildung zum Dampflokführer absolvierte er auf einer preußischen P 8, der späteren Baureihe 38 der Deutschen Reichsbahn. Wenn Erich von seinem Alltag erzählte, meinte man, noch das Zischen der Ventile zu hören. Fünfzig Jahre war er unterwegs – mit Diesel, mit Strom, aber im Herzen blieb er dem Dampf treu.
Geboren in Hamburg, begann er seine Laufbahn als Busfahrer. Eines Tages stellte man ihm die Frage: "Wollen Sie Lokführer werden?" – und Erich sagte: "Ja."
Neben seinem Beruf setzte er sich mit Leidenschaft für den Erhalt historischer Lokomotiven ein. Er restaurierte alte Maschinen, schmiedete Ersatzteile und gründete die Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn (AKE). Deren Lok Karoline fährt bis heute mehrmals im Jahr die Strecke zwischen Geesthacht und Bergedorf – ein Stück lebendige Eisenbahngeschichte.
Erich von Deyn steht für eine Zeit, in der Technik noch greifbar war. Oder, wie er selbst sagte:
"Am Klang der Lok konnte man hören, ob alles in Ordnung war."
30. Oktober – Die Welt ist bunt
Der Einladung von Doris Hudson folgten wir nur allzu gern. An diesem Abend führte uns der Weg ins kirchliche Gemeindezentrum nach Mümmelmannsberg. Dort erwartete uns Doris Hudson, die charismatische Sängerin mit der unverwechselbaren Stimme. Sie begeisterte nicht nur mit hinreißenden Interpretationen von Liedern großer Diven wie Hildegard Knef und Marlene Dietrich, sondern führte mit Charme und Witz durch das Programm.
So wurde der Abend zu einer lebendigen Feier der Vielfalt: Neben Doris traten die Liedermacherin Christiane Beetz und die Autorin Violetta Hansen mit ihren eigenen, fein beobachteten Kurzgeschichten auf. Den krönenden Abschluss bildete Hamburgs ältester queerer Chor "Belle Alliance", der mit seiner Lebensfreude und seinem Klang die Botschaft des Abends auf wunderbare Weise zum Schwingen brachte – die Welt ist bunt.
29. Oktober – Der italienische Weg
"Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind", heißt es schon seit den 1950er-Jahren – und wer glaubt, dass diese Zeiten vorbei sind, irrt gewaltig. Noch immer sieht man Männer und Frauen, die am Samstagmittag in Waschstraßen und Selbstputzanlagen emsig ihre "Kinder" hegen und pflegen. Ein kleiner Kratzer im Lack? Undenkbar! Da wird poliert, retuschiert und, wenn alles nichts hilft, der Lackierer bemüht.
Umso herzerfrischender war es heute, als wir diese Szenerie am Straßenrand entdeckten: Auf einem parkenden Wagen klebte neben zwei unschönen Beulen das wütende Strichmännchen La Linea – jener grummelnde Held aus Osvaldo Cavandolis TV-Comic, der seit den Siebzigern mit seiner italienischen Art zu schimpfen begeistert. Offenbar hat hier jemand Humor bewiesen – vielleicht sogar der Unfallgegner selbst?
Humor ist ja bekanntlich, wenn man trotzdem lacht. Und dieser Autofahrer scheint davon reichlich zu besitzen. Statt die Blessuren zu verbergen, macht er sie zum Hingucker – mit einem Augenzwinkern und einer Portion Selbstironie. Vielleicht steckt darin sogar eine kleine Lektion: Während viele von uns ihr "liebstes Kind" am Wochenende stundenlang waschen und polieren, erinnert uns dieser unbekannte Witzbold daran, dass ein Kratzer im Lack manchmal einfach dazugehört – wie im "echten Leben" – und dass mit Humor das Meiste leichter zu ertragen ist.
28. Oktober – Nostalgie pur
Es gibt sie noch – die guten alten Dinge. So oder ähnlich beginnen Geschichten über Dinge, die uns einst vertraut waren und die heute vielerorts ein kleines Comeback feiern. Ob ein Kaiser wirklich eine gute Sache war oder nicht, sei einmal dahingestellt. Doch die Sehnsucht der Presse und vieler Fußballfans nach "dem Kaiser" Franz Beckenbauer nahm schon fast religiöse Züge an.
Offenbar steckt also ein wahrer Kern darin: Wir sehnen uns nach Menschen und Gegenständen, die wir mit unserer Vergangenheit positiv verbinden. Und dazu gehören ganz sicher auch die alten Kaugummiautomaten – am besten in Kombination mit bunten Überraschungskapseln.
"Oh, schau mal …" oder "Ach, war das schön!", denkt man unwillkürlich beim Anblick dieser nostalgischen Geräte. Sie wecken Erinnerungen an unbeschwerte Tage, an kleine Freuden, die damals ganz groß waren.
27. Oktober – Kindheitserinnerungen
Hellblau. Mit zwei Seitenflügeln für einen festeren Stand. Ein Vorhang – und die Vorstellung konnte beginnen. Kasperl, Seppl, die Oma, der Räuber, das Krokodil, der Wachtmeister, die Prinzessin und der Förster waren die Figuren, die auf der Bühne unseres Kasperletheaters regelmäßig auftraten.
Das Publikum bestand entweder aus Bruder oder Schwester oder eben uns – je nachdem, wer gerade die Vorstellung leitete.
Und das Ende? Am Ende siegte immer das Gute. Das Krokodil bekam vom Wachtmeister eins mit der Rute übergebraten, und der Räuber musste den Weg ins Gefängnis antreten. Blieben noch Kasperl und die Prinzessin. Happy End – was sonst.
26. Oktober – Gruselkabinett
Nicht nur das Wetter war heute größtenteils gruselig. Als wir in Neu Darchau ankamen, verschlug es uns beim Anblick dieses Vorgartens die Sprache. Keine hundert Meter weiter brachte Mareike nur ein leises "Ich dreh sofort um – das glaube ich jetzt nicht!" hervor. Kurz darauf sprang ich todesmutig bei laufendem Motor aus dem Wagen, zückte die Kamera, drückte zweimal auf den Auslöser und flüchtete mich wieder ins Innere des Autos. Mit quietschenden Reifen raste Mareike los und meinte noch im Rückspiegel einen hinter uns herlaufenden Zahnarzt wahrzunehmen. Wie soll das erst an Halloween werden?
25. Oktober – Ungeduld lässt grüßen
Letzte Woche haben wir bei einer Waldwanderung gelernt, dass ein Forstwirt frühestens nach 30 Jahren – oft sogar erst nach 60 Jahren – weiß, ob die Entscheidung, diese oder jene Baumart anzupflanzen, richtig war. Das hängt von so vielen verschiedenen Faktoren ab, dass es sich für uns als Zuhörer wie ein Rätselraten anfühlte. Wie wird sich das Klima in den kommenden Jahrzehnten entwickeln? Welche Schädlinge werden in Zukunft in welcher Region eine Rolle spielen? Welche Baumart wird sich in den nächsten Jahren mit welcher anderen Baumart vertragen?
Dass man das Ergebnis der eigenen Arbeit, Gedanken und Ideen womöglich nie selbst erlebt, ist kaum vorstellbar.
Heute brachte Mareike die Saat für eine Blumenwiese aus (die Mischung ist auf unsere Region abgestimmt), und schon wenige Minuten später sprach sie aus, was auch ich dachte: "Ich kann es kaum erwarten, zu sehen, was sich alles an Blüten zeigt."
24. Oktober – Die gebackene Helene
Oh, du liebe Birne. Du Birne Helene – oder wie auch immer du heißen magst. Mich jedenfalls hast du fast um den Verstand gebracht. Dabei kamst du so sorglos, so arglos und fast ein bisschen schüchtern aus unserem Garten daher. Ich hatte von alledem nicht die leiseste Ahnung, was heute aus dir werden sollte – nur dass etwas Besonderes in der Luft lag, das ahnte ich schon.
Aber dann, als ich gerade dabei war, meine Gedanken in eine vollkommen andere Richtung zu lenken, da kamst du – oder vielmehr: du wurdest feierlich inthronisiert. Der Kaffeetisch war gedeckt, zwei Teller mit Kuchengabeln warteten schon auf uns, als du als letzter Gast sozusagen am Tisch Platz nahmst, angeschnitten, schließlich probiert und am Ende verschlungen wurdest.
Die schönsten Momente im Leben sind oft die kürzesten. Ein paar Krümel – das ist alles, was von dir blieb.
23. Oktober – Abendstimmung – Urlaub im Alltag
Tastend setzen wir einen Fuß vor den anderen. Das fahle Licht schwindet zunehmend – viel Zeit bleibt uns nicht mehr. Dabei wollten wir doch nur kurz an der Elbe entlang schlendern. Doch es kommt wieder einmal ganz anders. Die Abendstimmung, das 360-Grad-Panorama, die milde Luft – all das begeistert uns, lässt uns verweilen. Schließlich schalten wir den Kopf aus und tasten uns in der Dunkelheit einfach weiter voran.
Rechtzeitig erreichen wir die Brücke; das Licht der Altstadt weist uns den Weg. Wenige Minuten später sitzen wir vor dem Weinkost Bergmann, erwarten die berühmte Donnerstags-Pizza und erfreuen uns an der schönen Abendstimmung der schönen Kleinstadt im Wendland.
22. Oktober – Analog
Analoge Fotografie. Auf Film gebannt. Ohne doppelten Boden, ohne Netz. Nur Licht, Zeit und ein Hauch Ungewissheit.
Der Himmel spielt mit: ein paar Wolken, ein sanftes Leuchten, das sich zwischen den Bildern verliert. Drama. Weite. Wildheit.
Genug der Worte.
Fotografie auf Film ist ein kleines Wagnis – besonders in einer Zeit, in der wir längst daran gewöhnt sind, nach dem Auslösen aufs Display zu schauen. Doch hier: kein Bildschirm, keine Vorschau, keine Gewissheit. Nur das leise Klicken des Verschlusses – und dann Warten.
Wie sind sie wohl geworden, die Bilder?
Scharf? Unscharf? Richtig belichtet oder ein wenig daneben?
Und schließlich der Moment:
Wenn die entwickelten Negative digitalisiert und bereitgestellt werden. Ein Link, ein Klick – und plötzlich sind sie da.
Ungewohnt. Überraschend.
Und inmitten all dessen: ein stiller Zauber.
21. Oktober – Augen auf
"Schau mir in die Augen." scheint dieser Uhu zu sagen, aber im Ernst: Wer kann diesem Blick schon widerstehen? Wir jedenfalls nicht.
Am Sonntag waren wir zu Gast im Waldmuseum in der Göhrde. Neben einer geführten Waldwanderung mit einem Förster, anschließendem Bogenschießen, Kuchenessen und einem Waldhornkonzert hatten wir auch noch Zeit, uns das Museum anzuschauen.
Wie viele Tiere wirklich im Wald leben, bleibt uns meistens verborgen – von Rehen, Hasen, Kaninchen und vielleicht auch mal einem Fuchs oder Wildschwein abgesehen – zu versteckt leben die meisten Waldbewohner. Umso eindrucksvoller ist es, sie einmal in Ruhe betrachten zu können. Und dann dieser Blick!
20. Oktober – Auf leisen Sohlen
In diesem Fall wohl eher auf ganz leisen Sohlen, nämlich gar keinen. Denn wer auch immer diese modisch fragwürdigen Gummistiefel dort abgestellt hat, hatte entweder extremen Hunger (hoffentlich nicht), brauchte einfach nur wasserdichte Wadenschoner (wozu auch immer) oder ist den Rest des Weges einfach barfuß gegangen (vermutlich). Es ist schon erstaunlich, was es alles zu entdecken gibt, wenn man nur mit offenen Augen durch die Gegend geht oder besser gesagt: was Menschen so alles liegen lassen.
Von zugeknoteten Hundekotbeuteln über Getränkeflaschen und Kondomen (vermutlich waren die Gedanken in diesem Moment eher eine Etage tiefer), bis hin zu einer kaputten Waschmaschine, haben wir schon so einiges gesehen.
Gerüchten zufolge soll es sogar Menschen geben, die ihre alten Autos vergraben, um sich die Entsorgung zu sparen. Sachen gibt's ...
19. Oktober – Reifeprüfung – oder: Die letzte Ernte
In der vergangenen Nacht gab es zum ersten Mal in diesem Herbst Bodenfrost – Zeit für uns, die restlichen Tomaten zu ernten. Zum großen Teil noch ganz grün, haben sie draußen kaum noch eine Chance, vollständig auszureifen: zu kalt, zu wenig Sonne und damit zu wenig Wärme im Tagesverlauf.
Laut Internetrecherche reifen sie nun am besten im Haus nach – in Gesellschaft von Äpfeln. Wir sind gespannt, hoffen natürlich auf ein erfolgreiches Experiment und freuen uns schon jetzt auf die nächste Tomatensaison, wenn es wieder heißt: Alte Sorten braucht das Land.
Bis dahin müssen wir jedoch den Boden gut vorbereiten – entweder austauschen oder gründlich düngen, denn Tomatenpflanzen sind Starkzehrer und laugen die Erde sehr aus.
18. Oktober – Ein Krimi-Abend im Museum – und die Erkenntnis: Auch Tiere können böse sein
Warum nicht mal wieder ins Heimatmuseum gehen? Beim ersten Mal spielten wir dort in gemütlicher Runde Bingo – gestern stand eine Krimi-Lesung auf dem Programm. Funky Chicken Blues – ein Wendlandkrimi aus der Feder von Hans Seelenmeyer. Schon nach wenigen Seiten war klar: Dieses Buch müssen wir haben! Die Geschichte ist herrlich absurd, dazu ein sympathischer Autor, der nicht nur die ersten vierzig Seiten vorlas, sondern auch viele kleine Anekdoten rund um die Entstehung des Buches zum Besten gab.
Worum geht’s?
Beim Biobauern Manni Macksen ist gerade rein gar nichts mehr funky. Seine Frau hat das Interesse an ihm verloren, und seine Hühner haben das Eierlegen eingestellt. Frustriert wünscht er das Federvieh kurzerhand in den Kochtopf – doch seine Drohung bleibt nicht ungehört. Unter der Führung von Hahn Che schmiedet die Hühnerschar einen mörderischen Plan: Bevor sie geschlachtet werden, bringen sie lieber den Bauern um. Kurz darauf liegt tatsächlich die erste Leiche auf dem Hof. Das Problem: Macksen lebt noch – und zwar putzmunter. Um nicht selbst ins Visier der Ermittlungen zu geraten, muss er die Leiche loswerden. Nur wie?
Wer jetzt noch nicht neugierig ist, dem können wir leider auch nicht mehr helfen. Allen anderen sei nur eins geraten: Holt euch dieses Buch!
17. Oktober – Deichtag
Einmal tief durchatmen, bitte! Knapp zwei Stunden spazieren zu gehen, ohne einem einzigen Menschen zu begegnen – das kommt nicht allzu oft vor. Unsere Hunde waren derweil unermüdlich auf der Suche nach Wühlmäusen. Zum Glück sind die kleinen Nager klug genug, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. So blieb es beim Schnüffeln, Rennen und ausgelassenen Toben – bis die beiden Vierbeiner schließlich merkten, dass es zurück zum Auto ging.
"Muss das jetzt wirklich schon sein?" – ihre Blicke sagten mehr als Worte. Nur eine Karotte konnte sie schließlich davon überzeugen, einzusteigen.
16. Oktober – Pfeffer, aber richtig.
Wie spannend das Thema Pfeffer ist, erfuhren wir Ende letzten Jahres während eines Fotoshootings bei der Stamer GmbH in Hamburg. Die Stamer GmbH ist ein traditionsreiches Hamburger Familienunternehmen, das bereits seit über 150 Jahren im Gewürzhandel tätig ist. Heute wird das Unternehmen in der 6. Generation geführt und hat sich über die Jahrzehnte einen exzellenten Ruf als Spezialist für Pfeffer und andere hochwertige Gewürze erarbeitet.
Von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis heute konzentriert sich Stamer stets auf Qualität, nachhaltige Beziehungen zu Produzenten weltweit sowie innovative Handelskonzepte. Das Unternehmen verbindet traditionelle Werte mit modernem Qualitätsmanagement und globaler Marktkompetenz. Dank langjähriger Erfahrung und enger Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten zählt die Stamer GmbH zu den führenden Pfefferimporteuren in Deutschland.
Soweit, so nüchtern formuliert. Was uns jedoch vor allem nachhaltig in Erinnerung geblieben ist, war der Spaß, den das Fotografieren gemacht hat. Das lag nicht nur an dem atemberaubenden Ausblick, den der Astra-Turm auf St. Pauli bietet, sondern vor allem auch an der guten Vorbereitung durch unsere Auftraggeber und den zahlreichen Einblicken vom Geschäftsführer Sven Stamer. Und wir wiederholen uns nur zu gern: Wir lieben die Schwarz-Weiß-Fotografie.
Unbedingt anschauen: www.stamer.biz
15. Oktober – Sichtbarkeit
Was unterscheidet das Geschäft vor Ort vom Online-Handel?
Die persönliche Beratung, der Service – und ganz besonders die Menschen, denen man als Kundin oder Kunde begegnet. Im Gegensatz zum oft unpersönlichen Online-Erlebnis bietet der stationäre Handel Nähe, Vertrauen und direkten Kontakt.
Es ist ein großer Vorteil, wenn man sich zum Beispiel bei einem Versicherungsschaden direkt an seinen Berater oder seine Beraterin wenden kann, um Unterstützung zu erhalten oder wenn man beim Kleidungskauf eine individuelle Stilberatung bekommt. Oder eben beim Brillenkauf von Fachwissen und Erfahrung profitiert.
In all diesen Bereichen arbeiten Menschen, die mit Leidenschaft und Engagement für ihre Kundschaft da sind. Die uns nicht als bloße Kundennummer, sondern als Mensch sehen.
Um genau das sichtbar zu machen, durften wir erneut das Team von Martin Busch Augen & Optic authentisch und mit Liebe zum Detail fotografieren. Einige dieser besonderen Momente zeigen wir hier.
14. Oktober – Wok the f**k
Wow. Einfach umwerfend. Mareikes Zauberstunde. Während ich auf den Computerbildschirm starre, Pixel für Pixel hin- und herschiebe, arbeitet Mareike in der Küche. Sie schnippelt, schneidet, köchelt, schmeckt ab – und das alles mit einer Hingabe, von der ich am Ende profitiere. Spätestens beim Essen des Wokgerichts wird mir klar, dass die Arbeit am Computer zu den langweiligsten Tätigkeiten der Welt gehört – und das Kochen ganz sicher nicht. Ganz zu schweigen von der Leichtigkeit des Essens, die die Zubereitung im Wok mit sich bringt: Die Vitamine bleiben besser erhalten, werden sie doch nicht zu Tode gekocht.
13. Oktober – Teamwork
Manchmal braucht es nur wenige Worte, um einen besonderen Moment zu beschreiben. Und oft zerstören zu viele Worte genau diesen Moment.
Am vergangenen Samstag trafen wir den ehemaligen Dampflokomotivführer Georg Tann in Weyhe bei Bremen – zum Fototermin und zum Gespräch.
Viel sprach Georg Tann nicht. Erst als wir mit ihm den Führerstand der alten Dampflokomotive betraten, lebte er richtig auf. Er zeigte uns die Funktionen, öffnete das Fenster, bewegte sich wie im Schlaf an diesem für ihn über viele Jahre vertrauten Arbeitsplatz.
Auf die Frage, was er bei der Umstellung auf Diesel- und später Elektrolokomotiven am meisten vermisst habe, antwortete er nur knapp: "Das Arbeiten im Team."
12. Oktober – Von der Gründung 1966 zum unvergessenen Sieg
Bei unserem Spaziergang durch Cottbus fallen sie sofort auf: die Wandbilder, Schriftzüge und Vereinsfarben – (mehr oder weniger) stille Hinweise auf die Bedeutung von Energie Cottbus für die Stadt.
Gegründet im Januar 1966, hervorgegangen aus dem SC Aktivist Brieske-Senftenberg, wurde die BSG Energie Cottbus rasch zu einem festen Bestandteil des ostdeutschen Fußballs. Auch nach der Wende behauptete sich der Verein – mit Engagement, regionaler Verwurzelung und oft gegen größere Namen.
Ein besonderer Moment in der Vereinsgeschichte war der DFB-Pokal 1996/97. Energie Cottbus besiegte im Viertelfinale überraschend den Karlsruher SC mit 3:0 – der bis heute als größter Sieg in Erinnerung bleibt. Unter Trainer Eduard Geyer, der die Mannschaft über Jahre prägte, erreichte der Klub sogar das Finale in Berlin. Dort unterlag man dem VfB Stuttgart, doch der Weg dorthin bleibt unvergessen.
Später führte Geyer den Verein in die Bundesliga – eine Zeit, die Cottbus national sichtbar machte und in der der Verein über die Region hinaus bekannt wurde.
Bis heute ist Energie mehr als nur ein Fußballverein – für viele ist er Teil der Identität dieser Stadt.
11. Oktober – Weißt du noch?
Weißt du noch, als wir damals im Kettenkarussell gar nicht genug bekommen konnten?
Als wir abends viel zu spät nach Hause kamen – vom Rummelplatz, wo die Lichter so schön glitzerten,
die Musik von fernen Ländern erzählte,
uns das Fernweh packte
und wir am liebsten mit den Schaustellern mitgereist wären?
Wenn wir nur etwas mutiger gewesen wären.
Welche Abenteuer uns wohl hinter der nächsten Ecke erwartet hätten?
Dabei immer den Geruch von gebrannten Mandeln in der Nase.
Stattdessen mussten wir heim.
Am nächsten Tag war Schule.
Die Hausaufgaben noch nicht gemacht – wie langweilig.
Wie wir die jungen Männer bewundert haben,
die so gekonnt mit dem Autoscooter fahren konnten.
Man, haben die die Mädchen mit ihren Fahrkünsten beeindruckt!
Wir dagegen blieben oft in einer Ecke der Fahrbahn stecken,
eingeparkt von den coolen Jungs, die es besser draufhatten.
"Wartet ab", haben wir uns gedacht,
"nächstes Jahr wird alles besser.
Dann müssen wir nicht mehr um 18 Uhr zu Hause sein,
dann nehmen wir Reißaus
und erleben die ganz großen Abenteuer."
Bis dahin allerdings aßen wir brav die geschmierten Brote,
die schon auf uns gewartet haben,
nahmen noch ein Sonntagsbad
und dann träumten wir –
von all den Abenteuern,
die wir gerne mal erleben würden.
10. Oktober – Spaß bei der Arbeit
Spaß haben. Beim Job. Wider den tierischen Ernst. Und trotzdem konzentriert. Motiviert. Liegt es am tierischen Hintergrund? Oder an den Menschen? Heute: An beidem!
Dass hier Menschen mit Humor arbeiten, hat uns nicht nur dieses Foto gezeigt – sondern auch die vielen kleinen Gespräche, die das Fotoshooting so angenehm und locker gemacht haben.
Die Produkte von ANIBIO kennen wir schon seit Jahren. Dass das Unternehmen seinen Sitz ganz in unserer Nähe hat, ist daher umso schöner. Toll, dass wir uns gefunden haben.
09. Oktober – Freiheit aushalten
Was für ein Satz. Was für eine Aussage. Auf einem Garagentor. Angebracht von einem Menschen mit Sinn für Hintersinn. Für Hinterlist. Für Gemeinheiten.
Es ist nämlich gar nicht so leicht, die eigene Freiheit auszuhalten. Denn mit der Freiheit kommt auch die Verantwortung. Die Verantwortung für das eigene Handeln – das eigene Leben gestalten zu dürfen und zu können. Das muss man wollen. Genauso wie die Freiheit selbst: Sie will ausgehalten werden.
Viele Menschen sind angesichts der schier unendlichen Möglichkeiten, die das Leben bietet, geradezu überfordert. Welchen Beruf soll ich ergreifen? Studieren oder doch lieber eine Lehre beginnen? Eine Familie gründen? Kinder bekommen? Ein Haus bauen?
Oder ganz profan: Was möchte ich von der Speisekarte essen?
Das letzte Mal, als wir die Verantwortung für unsere Bestellung dem Servicepersonal übertragen wollten, bekamen wir zur Antwort: "Das machen wir nicht, das müssen Sie schon selbst auswählen."
Freiheit kann auch anstrengend sein – und ist doch die schönste Art zu leben.
08. Oktober – It’s teatime!
Nur eben ohne Tee. Dafür mit Weintrauben, Mini-Biskuitrollen, Kaffee, dänischen Fähnchen und – das ist die wichtigste Zutat – mit jeder Menge Spaß. Spaß am gemeinsamen Lernen der dänischen Sprache. Mit lauter netten Menschen, die sich zum Teil schon seit vielen Jahren kennen und schätzen. Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen Freude daran haben, diese für deutsche Ohren nicht gerade leicht verständliche Sprache zu lernen.
Sei es aus familiären Gründen oder einfach, um geistig fit zu bleiben – alle eint die Liebe zu Dänemark: zu Land und Leuten, Nord- und Ostsee, Räucherfisch, Hotdogs, endlosen Stränden, ausgedehnten Spaziergängen, Softeis, Lakritz und unzähligen weiteren Dingen.
Und natürlich unsere besondere Liebe zu Bornholm – dieser kleinen Insel, die so viel näher an Schweden liegt, einst um ihre Freiheit gegen die Schweden kämpfen musste und uns jedes Mal aufs Neue begeistert.
07. Oktober – Weihnachten kann kommen
Zumindest fotografisch sind wir schon voll im Weihnachtsfieber. Diese kleine Engelschar haben wir heute für unseren Kunden Torquato fotografiert. Was mögen diese kleinen Geschöpfe gerade aushecken? Welchen Plan für die Weihnachtszeit schmieden sie – und wie wollen sie den Stress in den oft so anstrengenden Tagen rund um Heiligabend möglichst vermeiden?
All das sind Fragen, die in dieser illustren Runde besprochen wurden, während sie geduldig auf das Foto warteten.
Seit über 25 Jahren begleiten wir das Versandhaus Torquato bereits – und freuen uns jedes Mal aufs Neue, wenn wir die fertigen Kataloge in den Händen halten und beim Durchblättern an die vielen kleinen Begebenheiten während der Shooting-Tage zurückdenken.
06. Oktober – Wer, bitte?
Bitte wer kauft denn den ganzen Mist, den es auf so vielen Jahrmärkten und anderen Festivitäten gibt? Diese ganze überflüssige Mischung aus Dingen, die man nicht einmal seinem ärgsten Feind wünscht: Plüschtiere, Rasseln, Tischläufer, Motto-T-Shirts, Namensbecher – und, wie auf unserem Bild zu sehen, Straßenschilder. Oder besser gesagt: Pseudo-Straßenschilder.
Niemand?
Gesehen haben wir tatsächlich noch nie jemanden, der so ein Straßenschild als Trophäe unterm Arm spazieren trägt. Aber nur zum Spaß wird sich ein Marktbeschicker wohl kaum irgendwelche unverkäuflichen Scheußlichkeiten zulegen.
Eine mögliche Lösung des Rätsels? Vielleicht ein Mindestmaß an Alkohol. Man trinkt sich sozusagen die "Fickt-Euch-Allee" schön – und schwupps liegt das Schild auf dem Gabentisch.
Die "schöne Bescherung" folgt dann bei dem ein oder anderen vielleicht erst am nächsten Tag.
05. Oktober – Auftakt
Klaus-Dieter Schichan lebt mit seiner Frau in Cottbus und war Zeit seines Lebens Lokomotivführer – im Herzen jedoch immer Dampflokführer. Schon im Alter von elf Jahren wusste er, dass er Lokführer werden wollte. Statt seine Schularbeiten zu machen, saß er lieber auf dem Zaun am Bahndamm und beobachtete die vorbeifahrenden Lokomotiven.
Einige Jahre später erfüllte sich sein Traum: zunächst bei der Deutschen Reichsbahn, nach der Wende dann bei der Deutschen Bahn – und schließlich, nach dem Ende seiner Berufstätigkeit, als ehrenamtlicher Lokführer beim Lausitzer Dampflok Club e. V.
Der Besuch bei Klaus-Dieter Schichan bildet den Auftakt zu einer Serie über noch lebende Dampflokomotivführer, die sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland die Hoch-Zeit der Dampflok miterlebt haben.
04. Oktober – Herbstzeit
Nach der Götterdämmerung kommt der Herbst. Nach einer Woche in Berlin mit Oper, Sightseeing & Co. kommt unser Garten gerade recht, um einmal komplett herunterzufahren von all den Eindrücken, die Berlin bei uns hinterlassen hat. Empfangen wurden wir von unzähligen Äpfeln, die im Rasen liegen und nun auf ihre Verarbeitung warten. Etwas mit den eigenen Händen zu tun, nicht mehr nur zu konsumieren (auch wenn das für eine Weile durchaus schön ist) – das entspannt. Ganz nebenbei schmecken die Äpfel auch noch köstlich, etwa in der Tarte Tatin, die wir gerade genießen. Aus dem restlichen FAllobst wird morgen erst einmal Apfelmus gekocht.
03. Oktober – Götterdämmerung
Gestern Abend in Cottbus deutete der imposante Abendhimmel bereits auf die heutige Aufführung des Ring des Nibelungen von Richard Wagner hin. Mit der Götterdämmerung endet der Ring: Die alte Welt bricht vollständig zusammen – und doch, nach über sechzehn Stunden Spieldauer, nach Verzweiflung, Mord, Verrat, nach sich verzerrender Liebe, Hoffnung, Betrug und Trauer, erklingen in den letzten Takten dieser so berauschenden Musik leise Töne der Hoffnung.
Aus den Trümmern der alten Welt wird etwas Neues entstehen. Vielleicht beginnt das ewige Spiel einfach von vorn – oder es wird tatsächlich etwas ganz Neues und Schöneres geboren. Niemand weiß es.
Gewiss ist nur: Wir freuen uns schon heute auf weitere Aufführungen des Rings, um wieder an der einen oder anderen Stelle zu hoffen, dass sich die Mitwirkenden doch ein klein wenig anders verhalten könnten. Denn dann wäre vielleicht alles schön und friedvoll – zwischen Menschen, Göttern und Fabelwesen. Oder vielleicht auch fad und langweilig ...
02. Oktober – Stiller Beobachter
Da sitzt du im Café, und auf einmal flattert – fast unbemerkt – ein kleiner Spatz hinein und setzt sich ganz selbstverständlich auf eine Rückenlehne. Zuerst beobachtet er aufmerksam seine Umgebung, wiegt den Kopf mehrmals hin und her, bevor er dann zielgenau zu Boden segelt und beginnt, Krümel aufzupicken. Das Ganze dauerte gut zehn Minuten, bevor ihn der erste Gast überhaupt bemerkte. Dann gab es auf der einen Seite einen kleinen Aufschrei, aber die meisten Gäste freuten sich über den unerwarteten Besuch. Fast schon zutraulich flog und flatterte er in den nächsten Minuten seine Runden, machte reichlich Beute, bevor er schließlich seines Weges flog. In Berlin – und nicht nur dort – ist eben (fast) nichts unmöglich.
01. Oktober – Wenn einfach alles passt
Heute war Tag drei der Nibelungen-Sage von Richard Wagner: Siegfried. Mehr als vier Stunden reine Aufführungszeit, zwei Pausen und im Anschluss ein ausgedehntes Abendessen mit anschließendem Reinfeiern in einen Geburtstag. Später kamen wir auf dem Heimweg zum Hotel an diesem Schattenwurf vorbei: ein Herz auf dem Asphalt. Schöner können wir diesen Tag nicht zusammenfassen.
30. September – Das Glück im Unerwarteten
Heute stand ein Besuch der Fotografiska in Berlin-Mitte auf unserem kulturellen Programm – denn nur essen und trinken vernebelt auf Dauer dann doch zu sehr den Verstand. Unser Ziel war die Ausstellung Hysterica des Künstlerinnen-Duos Cooper und Gorfer. Glücklicherweise laufen zeitgleich noch drei weitere Fotoausstellungen in dem geschichtsträchtigen Haus in der Oranienburger Straße. Denn wie schon beim Programmtext zur Inszenierung des Ring des Nibelungen von Richard Wagner, gilt offenbar auch bei der Ausstellung von Cooper und Gorfer: Je unverständlicher der Einleitungstext, desto schwächer die Inszenierung – beziehungsweise in diesem Fall: die Bilder. Künstlerisch wertvoll, aber sie haben uns leider nicht so berührt. Sie waren jedoch – wie die anderen Ausstellungen auch – hochkarätig präsentiert. Zurück zu unserem Glück: Zum einen hat uns die Ausstellung des chinesischen Fotografen Feng Li begeistert, der in einem Video über sich sagte, er wolle einfach nur Spaß haben. Und tatsächlich: Jedes seiner Bilder brachte uns zum Schmunzeln – knallige Farben, schräge Kostüme und verrückte Arrangements.
Das Highlight der Ausstellungen war jedoch die Werkschau der Ostberliner Fotografin Helga Paris, von der wir bislang noch nie gehört hatten. Umso beeindruckender sind ihre vollkommen unaufgeregten Schwarz-Weiß-Fotografien, die von zarter Poesie durchzogen sind. Dazu ein gut verständlicher Einführungstext und kurze Zwischentexte zu einzelnen Bildstrecken. Das Fotografiska ist in jedem Fall einen Besuch wert. Ob nun Stockholm oder Berlin – egal. Hauptsache: Fotografie!
29. September – Ostalgie pur
Berlin rund um den Alexanderplatz ist fest in der Hand der Nachfolgepartei der SED – Die Linke. Zwischen Restaurants, Parteizentrale, Arbeiterdenkmal und Alexanderplatz flanieren gelangweilt wirkende Großstädter, trinken ihren Latte Macchiato und bestärken vor allem das Image, das man jedem Berliner nachsagt: schlecht gekleidet – das ist der Berliner Chic.
Wahrscheinlich lebt jeder Zweite von ihnen – wie ein Berliner einem Zugereisten am Nebentisch lautstark erklärte – direkt oder indirekt vom Staat: entweder als Angestellter oder über einen der unzähligen Fördertöpfe für eines der unzähligen Programme zum Schutz von diesem und jenem.
Wie lautet der Spruch auf einem Plakat der Linken? "Ist dein Einkauf zu teuer, macht ein Konzern Kasse." Ein bisschen Klassenkampf geht immer.
28. September – Gute Absichten, falsche Botschaften
Krieg dem Krieg – warum versuchen wir Menschen so oft, ein Übel mit dem gleichen Übel zu bekämpfen? Dieser Satz ist nur ein Beispiel von vielen. Wie soll etwa Hass auf Menschen, denen man selbst Hass unterstellt, zu etwas Positivem führen?
Macht uns die Überzeugung, auf der "richtigen Seite" zu stehen, am Ende blind für unsere eigenen Worte und Mittel? Glauben wir, besser oder gar auserwählt zu sein, nur weil wir das "Richtige" wollen?
Krieg dem Krieg überzeugt nicht wirklich – es ist weniger ein Appell an Andersdenkende als vielmehr ein Signal an das eigene politische Umfeld: "Seht her, ich gehöre zu euch."
27. September – Zum Einschlafen
Wir hatten noch lange nicht genug von der Oper und im Anschluss an das Rheingold begaben wir uns auf eine einstündige Führung durch die Staatsoper Unter den Linden in Berlin. Was wir sahen, war überaus interessant: die Größe der Bühne, ihre Höhe, Tiefe, Breite – einfach unbeschreiblich. Fast schon beängstigend. Auch die Probebühnen für Ballett, Chor, Orchester oder die große Bühne im Maßstab 1:1 – in jeder Hinsicht beeindruckend.
Aber – und hier passt das "Aber" im eigentlichen Sinne perfekt: Der Guide war leider so leise, so emotionslos, ohne jede Anekdote, dass wir fast eingeschlafen wären. Schade. Vielleicht hätte er heute lieber mit dem Pförtner tauschen sollen ...
26. September – Berlin Alexanderplatz
Nach einiger Zeit der Abstinenz sind wir wieder einmal für ein paar Tage in der Hauptstadt – der Oper wegen. Christian Thielemann dirigiert den Ring. An vier Abenden werden wir in die Mythologie eintauchen, die Richard Wagner in den Jahren 1848 bis 1874 schuf. Es geht um verschmähte Liebe, echte Liebe, Macht, Gier, Eifersucht, Rache, Hinterlist, Verrat, Treue – also um das ganz Große. Die Themen sind heute genauso aktuell wie schon zu Anbeginn der Menschheit.
Und die Erkenntnis? Geschichte wiederholt sich. Wir Menschen lernen wenig bis gar nichts daraus. Und doch gibt es am Ende des Rings ein klein wenig Hoffnung. Darauf freuen wir uns – sechzehn Stunden lang.
25. September – Drama, Baby, Drama.
"Der Himmel über Hollywood war schwarz oder blau …" – so beginnt ein Lied von André Heller, und es passt einfach perfekt zu unserem Bild des Tages. Drama am Himmel.
Die einen sichten lauter Drohnen und schließen aus Vorsicht – oder Angst – ihren Luftraum. Wir hingegen genießen einfach nur die dramatische Wolkenstimmung.
Wie gut, dass zwischen uns und dem vermeintlichen Bösewicht noch die ein oder andere Pufferzone liegt. Denn Dramen gibt es derzeit wirklich mehr als genug auf der Welt.
24. September – Dankeschön
Wie schön, dass es so viele liebe Kunden gibt, die oft regelrecht begeistert von ihren Foto-Ergebnissen sind. Heute gab es zum Abschied sogar noch einen Blumenstrauß. Dahlien, die in unseren Augen oftmals unterschätzten Blumen des Herbstes. Wer einmal die Artenvielfalt bestaunen konnte, wird sie nie wieder mit dem Oma-Image aus früheren Zeiten in Verbindung bringen. Seit zwei Jahren fahren wir ganz bewusst zur Dahlienblüte auf den Michaelshof in Sammatz. Dort stehen hunderte von unterschiedlichen Dahlienpflanzen und bezaubern die Besucher mit ihren Farben und Formen. Fast so sehr, wie dieser Strauß von heute.
23. September – Mit guter Laune in den Morgen
Kathrin Mallonn von der Fürst Bismarck Mühle in Aumühle ist für fast jede verrückte Fotoidee zu begeistern. So auch heute, als wir zum Fotoshooting für die Lieblingsadressen Sachsenwald bei ihr vorbeifuhren. Warum nicht einmal im eigenen Hotelzimmer und dazu noch im Bett frühstücken? Gemütlichkeit und Genuss vereinbaren, dazu noch der herrliche Ausblick auf den Mühlenteich, schöner kann ein Morgen kaum beginnen. Und das galt mit diesem Fototermin auch für den unsrigen. Die Auswahl der Bilder fiel zwar nicht so leicht, aber brachte dafür eine Menge Spaß – wie man sehen kann.
22. September – Mee(h)r geht immer
Ob auf Bornholm oder auf Sylt – Meer geht einfach immer.
Das Meer weitet den Horizont und stellt unserer eigenen Begrenztheit die Unendlichkeit gegenüber. Es lenkt den Blick vom Tellerrand (oder besser: von unseren Bildschirmen) in die Ferne.
Wo sonst können sich Gedanken so frei entfalten?
Wo fühlen wir uns gleichzeitig so energiegeladen und unbeschwert?
Wir lauschen dem Spiel der Wellen, hören das Kreischen der Möwen – und vergessen dabei all die Dinge, die den Alltag so oft grau erscheinen lassen.
Manchmal schauen wir uns nach einem langen Fototag einfach nur zur Entspannung ein paar Meeresbilder an – und schon beginnt das Träumen. Mee(h)r davon!
21. September – Für eine Handvoll …
… nicht "Dollar" (wie im gleichnamigen Film von Sergio Leone), sondern "Ringelbete".
Eine Ähnlichkeit gibt es an dieser Stelle allerdings: Beim Ernten des Gemüses strahlt Mareike genau die Ruhe und Gelassenheit aus, die Hauptdarsteller Charles Bronson im Italowestern von 1966 auszeichnet. Mareike bringt im Garten so gut wie nichts aus der Fassung – und es ist schon erstaunlich, wie viel Freude das Ernten von Porree, Bete, Tomaten und Co. machen kann. Vom Geschmack einmal ganz zu schweigen – oder?
An dieser Stelle liest man in ähnlichen Ernteberichten aus diversen Heimgärten fast immer überschwängliches Lob für den Geschmack des Selbst-Angebauten. Komisch? Komisch!
Denn bei uns ist das irgendwie anders: Die Tomaten erinnern (bis auf wenige Ausnahmen) eher an etwas bessere, aber leicht fade Supermarkttomaten – trotz der alten Sorten und bester Pflege. Die Äpfel schmecken super, haben aber den ein oder anderen Untermieter und an den Himbeeren sucht man die Beeren vergeblich. Und sparsam ist der Selbstanbau auch nicht – zeitintensiv dazu. Aber das macht überhaupt nichts, denn was bleibt, ist der große Spaß am Selbermachen. Und der Respekt vor den Menschen, die beruflich Tag für Tag Obst und Gemüse in Bioqualität anbauen wird dadurch um so größer.
20. September – Die Kirche im Dorf lassen
Dieses Zitat wird gerne in hitzigen Diskussionen verwendet, um zu mehr Mäßigung aufzurufen. Tatsächlich war es in früheren Zeiten von großer Bedeutung, dass die Kirche im Ort stand – bildete sie doch oftmals den Mittelpunkt des Dorfes und diente nicht selten auch als Zufluchtsort bei Angriffen finsterer Gesellen.
Ein schönes Beispiel für diese Wehrhaftigkeit sind die Rundkirchen auf Bornholm, die heute zu den touristischen Attraktionen der Insel zählen, vor einigen Jahrhunderten jedoch eine wichtige Schutzfunktion erfüllten. Die runden Treppenaufgänge zu den oberen Schutzräumen waren so angelegt, dass Angreifer mit der linken Hand kämpfen mussten – was ihre Kampfkraft deutlich einschränkte.
Wir hingegen genießen heute ganz friedlich den Anblick der Kirche mitten im Ort, die kurz vor der Vollendung ihrer Restaurierung steht und schon im nächsten Jahr wieder ein beliebter Aufführungsort der Musikwoche Hitzacker sein wird.
19. September – Aus fernen Zeiten
Früher – ja, früher – da hatten wir einen Kaiser. Später kam dann Franz Beckenbauer, der deutsche Fußball-Kaiser. Unvergessen: der Finalsieg 1974 gegen die Niederlande. Und unvergessen auch sein Spaziergang über das Spielfeld nach dem gerade gewonnenen WM-Endspiel 1990 in Italien – nach dem Elfmeter von Andy Brehme ins linke untere Eck.
Das waren in der Tat goldene Zeiten – Zeiten der Erinnerung.
Damals wurde auch das Parkhaus in Hamburg-Bergedorf hinter dem Sachsentor eingeweiht. Modern war es, und dazu noch mit einem Hotel. Bergedorf war fast eine Weltstadt – zumindest für uns Jungs aus dem Sachsenwald.
Wir gingen mit unserer Großmutter ins Restaurant Senator, das sich im ehemaligen Penndorf-Bekleidungsgeschäft am Sachsentor befand, und mussten anschließend beim Schuhkauf leiden. Welches Kind kauft schon gerne Schuhe?
Zurück ging es dann in das besagte Parkhaus – nicht ohne vorher noch einen schnellen Blick ins Foyer des Hotels zu werfen.
Und heute?
Heute gibt es das Hotel nur noch in der Erinnerung – oder allenfalls noch durch einen an der Wand vergessenen Schriftzug.
Wie in der Erinnerung daran, dass wir einmal einen Kaiser hatten. Oder besser noch: zwei.
18. September – Einfach lecker – oder vom Glück, probieren zu dürfen
Das Waldhaus Reinbek lud zum Fotoshooting ein. Neben Aufnahmen der Räumlichkeiten, des Teams und dem offiziellen Bild für die kommende Ausgabe der Lieblingsadressen Sachsenwald durften wir auch die neue Speisekarte des Restaurants fotografisch in Szene setzen – und glücklicherweise auch kosten.
Ein himmlischer Genuss! Besonders angetan haben es uns die schwäbischen Maultaschen.
17. September – Das Beste kommt zum Schluss
Und zwar in Windeseile: Kurz vor Einbruch der Dunkelheit liefen wir nach dem Fotoshooting mit den Ladies von "Anabanda" zurück zu unseren Autos, denn wenige Augenblicke zuvor hatte es zu regnen begonnen. Bis dahin hatten wir in fröhlicher Runde vor einem alten Holzschuppen in der Wentorfer Lohe fotografiert.
Würden wir uns nicht bereits durch zahlreiche frühere Shootings so gut kennen, wäre eine so schnelle Aktion kaum möglich gewesen. Die Grundlage dafür sind gute Planung, gegenseitiges Vertrauen und gut gelaunte Kundinnen und Kunden. Dann entstehen die schönsten Aufnahmen – und die Magie des besonderen Bildes wird lebendig.
16. September – Stille
An Tagen wie diesen, an denen ein Regentropfen auf den nächsten folgt – was nach der langen Trockenheit natürlich sehr gut für den Boden ist –, erinnern wir uns gern an ein Bild, das erst wenige Tage alt ist: Der Abendhimmel leuchtete noch in Blau, in der Ferne erklang das Röhren der Hirsche, und später in der Nacht war die Milchstraße klar zu erkennen.
Was Dunkelheit und Stille wirklich bedeuten, haben wir bereits auf Bornholm kennengelernt und im Wendland wiederentdeckt. Um 23 Uhr erlischt dort die ohnehin spärliche Straßenbeleuchtung. Nur gelegentlich fährt noch ein Auto vorbei – und dann ist es still. Ungewöhnlich still.
Zumindest für uns, die wir auch in Wohltorf zu Hause sind – wo durch die Nähe zur Bahnlinie Richtung Hamburg und ein höheres Verkehrsaufkommen stets ein gewisses Grundrauschen in der Luft liegt.
15. September – Schietwetter
Das dachte sich wohl auch diese Möwe und landete zielsicher mitten ins Geschehen. Ihr Gesichtsausdruck sagt alles: stürmisch, regnerisch und kühl. Doch ganz egal – es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur unpassende Kleidung.
Eines der kleinen Wunder der Natur ist, dass Tiere sich – ganz ohne Jacke, Mütze oder Schal – scheinbar mühelos an jedes Wetter anpassen können. Natürlich haben wir im Biologieunterricht gut aufgepasst, als es um das Gefieder von Vögeln ging. Aber war das damals wirklich einleuchtend?
Auch heute noch schauen wir ein wenig ungläubig auf unsere Hunde, wenn wir sie im Winter einfach so von wohliger Zimmertemperatur hinaus in minus zehn Grad Kälte führen – während uns schon beim Gedanken daran fröstelt.
Das Einzige, was unser heutiges Fotomodell an diesem Schietwetter wirklich stört ist wohl, dass es weniger Touristen mit Eis oder Pommes gibt, denen man im richtigen Moment so herrlich das Essen aus der Hand stibitzen könnte.
14. September – Hinter den Kulissen
Gestern Abend fand in Dannenberg die Lange Nacht der schönen Künste statt. Zahlreiche Geschäfte in der Innenstadt hatten von 18 bis 24 Uhr geöffnet, und an über zehn Orten traten verschiedene Musikformationen auf. Von der Coverband in der Sparkassenhalle über ein Gitarrenduo im Hauseingang bis hin zu Balkanpop – die Altstadt klang in vielen Facetten.
Neben Kunstausstellungen bot sich auch die Gelegenheit, verschiedene Altstadthäuser einmal von innen zu besichtigen und sich über den Stand der Renovierungsarbeiten zu informieren. Ohne diese gelungene Aktion wäre Christian vermutlich nie auf die Idee gekommen, das Marionettentheater zu besuchen.
Dieses liebevoll und ehrenamtlich bespielte Theater am Fuße des Waldemarturms lädt seit über dreißig Jahren zu Aufführungen ein – etwa zu Die Schneekönigin nach Hans Christian Andersen, Der kleine Wassermann nach Otfried Preußler oder Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry. Gerade einmal 53 Plätze fasst dieses Kleinod in der Dannenberger Altstadt und ist auf jeden Fall einen Besuch wert.
Mehr Informationen unter: www.marionettentheater.de
13. September – Hinter Gittern
Wir staunten nicht schlecht, als wir heute diese lustigen Gesellen auf einem Parkplatz zwischen Westerland und Rantum entdeckten. Mehrere Dutzend Augenpaare blickten uns – nur leidlich gesichert hinter einem Bauzaun – entgegen. Zuhause angekommen fanden wir heraus, dass es sich hierbei um Tetrapoden handelt, die in den 1960er Jahren zum Küstenschutz als Wellenbrecher an verschiedenen Stellen an der Westseite der Insel platziert wurden.
Etwa 1200 Stück der rund sechs Tonnen schweren Betonklötze mussten im Frühjahr 2022 von der Promenade in Westerland entfernt werden, da die Flutschutzmauer erneuert werden sollte. Hundert von ihnen liegen seitdem auf dem oben genannten Parkplatz. Ihre Augen erhielten sie Ende September 2023, als Unbekannte sich einen Spaß erlaubten, die Betonklötze "zum Leben" erweckten und so eine kleine Touristenattraktion schufen.
Bei längerer Betrachtung scheinen alle von ihnen sogar eine ganz eigene Persönlichkeit zu haben und nun wir stellen uns vor, wie sie nachts den Bauzaun zur Seite schieben und sich auf den Weg in die Fluten machen – dorthin, woher sie einst gekommen sind.
12. September – Halb getrimmt ist …
… noch lange nicht gut. Aber immerhin ein Anfang. Und was kann man an einem verregneten Tag auf Sylt Besseres tun, als den Hundefrisör zu mimen? Greta ist zwar nicht besonders begeistert davon, aber alle vier Monate ist es nun einmal notwendig. Seit zwei Jahren trimmt Mareike selbst und kann daher Zeitpunkt und Dauer frei bestimmen – und auch den "Status" der Frisur. So wie heute, als nach zweieinhalb Stunden genug war und eine Pause eingelegt wurde, um ein Sonnenfenster zu nutzen und an den Strand zu gehen. Dass Greta daher aktuell wie ein kleines Löwchen aussieht, ist ihr hoffentlich egal. Sie war jedenfalls erst einmal froh, die erste Sitzung überstanden zu haben.
11. September – Ich glaube, es hörlt!
Es "hörlt"? Was soll das denn bedeuten? Dieser Ausspruch kam uns heute in den Sinn, als wir in Westerland auf Sylt fast über diese kleinen Heuler gestolpert wären. Dass sie vom Konzeptkünstler Ottmar Hörl stammen, dem wir 2013 zum ersten Mal in Bayreuth begegneten – dort hatte er 500 dirigierende Wagner-Figuren auf dem Grünen Hügel aufgestellt –, bemerkten wir erst auf den zweiten Blick. Genauer gesagt beim Blick auf die Tafel, die am Rande der Kunstinstallation stand. Und ja, da erkannten wir sofort die Handschrift des Künstlers, zumal bereits ein pinkfarbenes Erdmännchen und zwei goldene Wagner-Skulpturen unser Studio und Zuhause zieren.
Ottmar Hörl ist für seine großflächigen Skulpturen-Installationen bekannt. Über seine Werke – und insbesondere über die aktuelle Installation Youngster auf Sylt – sagt er:
"Meine Tierskulpturen sind immer aus bestimmten Zusammenhängen, Ideen und Orten heraus entstanden. Ganz allgemein jedoch sind sie auch ein Symbol für das Leben an sich, die Existenz allen Lebendigen auf unserem Planeten. Wir sollten daher mit anderen Lebewesen sehr liebevoll und achtsam umgehen, sie respektieren und sie schützen. Darüber hinaus soll die Installation den Menschen auch Freude bereiten und sie miteinander ins Gespräch bringen. Und im Unterschied zu echten Heulern dürfen die Skulpturen achtsam berührt werden."
Noch bis morgen können die 200 kleinen Heuler in Westerland bestaunt und zum Vorzugspreis von 100,- Euro erworben werden, wovon 10,- Euro an die "Deutsche Stiftung Meeresschutz" gehen.
Was für eine schöne Idee!
10. September – Fundstück Nummer 2586
Uns begegnen jeden Tag so viele kleine und liebevoll gestaltete Details – oder, wie wir sie nennen: Fundstücke, dass wir uns am Abend gerne die schönsten und kuriosesten davon zeigen. Der heutige Gewinner begegnete uns in Hamburgs ältester Weinkellerei Heinrich von Have in Hamburg-Bergedorf. Dort gibt es tatsächlich viel zu entdecken, denn jeder Quadratzentimeter atmet Geschichte. Dieses besondere Fundstück stammt noch von Christoph von Haves Vater, der diesen skurrilen Wirt mit Hörnern als Beinen aus einer ehemaligen Hamburger Weinkneipe gerettet hat, bevor diese abgerissen wurde.
09. September – "Motte"
Ohne Motte geht nichts. "Motte" ist wirklich eine echte Motte (heißt in Wirklichkeit Josie und ist offensichtlich ein Hund) und brachte uns heute mal wieder mit einem Blick zum Schmelzen. Wann wir ihr begegnen? Immer dann, wenn wir zu Cécile Gryselka nach Reinbek fahren, um neue Fotos ihres Unternehmens für die Lieblingsadressen zu machen. So auch heute, als eine Gruppe Männer vor der Kamera stand – deren Hobby es ganz sicher nicht ist, fotografiert zu werden. Doch als Motte ins Spiel kam, oder genauer gesagt: mit aufs Foto durfte, fiel die Anspannung spürbar ab. Es wurde herzlich gelacht.
Motte, die Herzensbrecherin.
08. September – Betreutes Fahren
Brave new world. Piep. Piep. Piep. (Gildo hat euch alle lieb.)
Wie schön wäre es, wenn es bei diesem "Piep" aus Gildo Horns Lied geblieben wäre. Doch weit gefehlt. Stattdessen piept und blinkt es in so manchem modernen Auto um die Wette.
Bei jeder Geschwindigkeitsänderung auf einem Verkehrsschild ertönt ein einmaliges Piepen. Wird die zulässige Geschwindigkeit überschritten, folgt ein zweimaliges, etwas helleres Piepgeräusch.
Bitte Licht anschalten – diese freundliche Erinnerung erscheint bereits bei einer kurzen Passage durch ein Waldstück. Und das ist längst nicht alles.
Die Krönung kommt am Ende der Fahrt:
Nichts vergessen? Alle ausgestiegen?
Vergessen hätten wir nur zu gerne den Softwareentwickler dieser vielen reizenden Helferlein.
Ob wir ihn irgendwann vermisst hätten? Wer weiß ...
07. September – Apfeltraumtag
Wenn Träume wahr werden, spielt Kuchen – bei Christian – nicht selten eine entscheidende Rolle – vorzugsweise Apfelkuchen. Gerne mit Schlagsahne. Das volle Programm, sozusagen.
Heute war der Tag der Tage: Flohgarten in Schwinde. Seit vielen Jahren findet immer am ersten Sonntag im September im Wohngebiet "Apfelgarten" in Schwinde ein Nachbarschaftsfest statt – mit unzähligen Flohmarktständen, Kuchenverkauf und allerlei Aktivitäten. Und eben auch mit einem Apfelkuchenwettbewerb.
In diesem Jahr war Christian erstmals Teil der dreiköpfigen Jury und durfte 15 Apfelkuchen probieren – allerdings ohne Schlagsahne, denn ein guter Apfelkuchen muss auch pur überzeugen.
"Das könnte ich jeden Tag machen." war einer seiner Kommentare am Ende der Veranstaltung. Und damit meinte er nicht nur Kuchen, sondern ganz allgemein das Probieren der unterschiedlichsten Speisen. Wenn man das doch nur zum Beruf machen könnte …
06. September – Gefangen im Netzwerk
Woran merken wir, dass es Herbst wird? Es wird morgens später hell und abends früher dunkel. Hinzu kommt der Tau, der sich über alles im Garten legt, sowie leichte Nebelschwaden, die nur mühsam von der Morgensonne durchbrochen werden. Die Blätter verfärben sich und die ersten Kastanien liegen bereits am Boden. Doch am deutlichsten merken wir, dass der Herbst ganz nah ist, auf unseren Spaziergängen mit Kendo und Greta, denn auf diesen verfangen wir uns wieder immer öfter in Spinnweben.
Auch die Spinnennetze sind zum Teil riesengroß und zum Glück bekommen wir nur selten die dazugehörigen Bewohner zu Gesicht. Eine Ausnahme war das heutige Exemplar: Die Spinne ließ sich kaum beirren und posierte regelrecht für die "Kamera" (heute war nur das Telefon zur Hand), während sie geduldig auf Beute wartete. Aber den Gefallen taten wir ihr nicht, schlängelten uns an dem Netz vorbei und gingen unseres Weges. Bis wir die nächsten klebrigen Fäden im Gesicht hatten ...
05. September – Was wäre der Sommer ohne den Winter?
Und der Frühling ohne den Herbst? Schwarz ohne Weiß? Klein ohne Groß? Dick ohne Doof? Diese Gegensatz-Spielereien ließen sich fast endlos weiterspinnen – aber genug der Worte, heute geht es um Sommerhausen.
Richtig geraten: Wo ein Sommerhausen liegt, ist auch ein Winterhausen nicht weit – oder genauer gesagt, nur eine Brücke entfernt. Der Main trennt die beiden Orte, und kurz vor Kriegsende wurde die verbindende Mainbrücke bei einem Fliegerangriff zerstört. Längst wieder aufgebaut, verbindet sie heute die beiden im nördlichen Bayern gelegenen Ortschaften.
Eines haben Sommerhausen und Winterhausen gemeinsam: ihre Nähe zum Weinanbau. Das milde Klima des Mains bietet ideale Voraussetzungen für erstklassige Weine – ein geradezu himmlisches Klima, in dem auch zahlreiche andere Früchte gedeihen.
Und da der Mensch bekanntlich nicht vom Wein allein leben kann, haben wir an einem privaten Staßen-Stand heimische Pfirsiche gekauft. Die haben so unfassbar geduftet. Und der Geschmack? So gut, dass Mareike spontan den sofortigen Anbau eines Pfirsichbaumes in Hitzacker angekündigt hat.
04. September – Wie bei Oma
Wenn ein Gericht dieses Prädikat erhält, dann muss es schon verdammt gut sein, denn was könnte in der Erinnerung schöner sein als die gute alte Frikadelle von Oma?
Bulette, Bratklops, Fleischpflanzerl, Fleischküchlein, Fleischklops, Hacktätschli oder Hackepille – für dieses ebenso einfache wie raffinierte Gericht gibt es viele Namen, und es erfreut sich bundesweiter Beliebtheit. Selbst der ein oder andere eingefleischte Vegetarier könnten bei Frikadellen schwach werden (zumindest hörten wir davon). Das sagt doch alles.
Und nun haben wir durch eine glückliche Fügung des Schicksals die Landfleischerei Marx in Woltersdorf entdeckt. Dort konnten wir heute zum zweiten Mal diese fantastischen Leckerbissen erstehen. Nun aber genug der Worte – jetzt wird genossen.
03. September – Pepe Olé
Pepe war heute bei uns zu Gast. Er ist ein echter Star – und zwar nicht einer dieser abgehalfterten B-, C- oder D-Promis aus dem Asi-TV: ohne Allüren, ohne Berührungsängste, vollkommen natürlich, höflich, zuvorkommend, aufmerksam – und dabei äußerst charmant.
Das Einzige, was uns am Ende wirklich schwerfiel, war, ihn nicht einfach dazubehalten. Es gibt ja diesen viel zitierten Spruch: "Soundso eroberte die Herzen im Sturm …" – bei Pepe trifft das voll ins Schwarze.
Auch Kendo und Greta waren sehr angetan und umgarnten den jungen Herrn mit den guten Manieren, der am Ende doch überaus glücklich mit seiner Familie davonzog.
Zurück blieb eine kleine Träne im Augenwinkel – und die Erkenntnis: Einmal Hund – immer Hund.
02. September – Turteltäubchen
Gurrr, gurrr, gurrr … so klang es unter unserem Tisch, als sich zwei Tauben ihren Weg bahnten. Unentwegt umschritten sie einander, dann wieder ignorierten sie sich, bevor sie schließlich davonflogen.
Und wir kamen nicht umhin uns zu fragen: Woher kommt eigentlich der Begriff "Turteltäubchen"?
Die Turteltaube (Streptopelia turtur) ist bekannt für ihr sanftes, gurrendes Balzverhalten und die enge Bindung an ihren Partner. Diese Vögel wirken oft wie liebevoll miteinander beschäftigt, weshalb Menschen sie seit jeher mit verliebtem Verhalten assoziieren.
Deshalb bezeichnet man heute zwei Menschen, die frisch verliebt sind und zärtlich oder anhänglich miteinander umgehen, liebevoll als "Turteltäubchen" – eben so, wie es die Turteltauben tun. Lasst es uns den Tauben gleichtun!
01. September – Probieren geht über Studieren
OK, diese Überschrift hinkt ein wenig, es müsste eher heißen: Probieren steht vor dem Kaufen (oder so ähnlich). Denn bei unserem Verbrauch an Olivenöl und dem anstehenden Einlegen von Kräutern müssen größere Mengen her, und wir sind auf der Suche nach einem 5-Liter-Kanister des "flüssigen Goldes", der mit unserem aktuellen Favoriten mithalten kann. Schnell war ein Anbieter gefunden, der die Öle auch in Probiergrößen anbietet. Wir bestellten und frohlockten, der Olivenölverkostung freudig entgegenblickend – doch die Ernüchterung machte sich schnell breit. Denn so einfach, wie wir dachten, war es gar nicht, das "richtige" Öl herauszuschmecken. Außerdem machte es einen großen Unterschied, ob wir mit oder ohne Brot probierten.
Am Ende gab es zwar keinen eindeutigen Olivenölsieger – und so vertagten wir die endgültige Entscheidung auf unbestimmte Zeit. Spaß hatten wir aber allemal bei der Verkostung.
Experten für Olivenöl werden wir wohl nicht mehr. Man kann eben nicht alles können …
31. August – Räuchern ist (k)ein Hexenwerk
Oder etwa doch? Nun, wer weiß …?!
Der eine oder andere hat vermutlich bereits meine Vorliebe für das Räuchern erkannt – wo doch vor wenigen Tagen erst eine Großpackung meiner geliebten Räucherstäbchen geliefert wurde. Heute habe ich mich dann zum ersten Mal am Binden von Räucherbündeln versucht – mit Erfolg und sehr zum Leidwesen von Christian, der sich nun für den Rest des Jahres stets umnebelt von den verschiedensten Kräutern wähnt. Doch ich kann ihn beruhigen, es wird noch eine Weile dauern, bis die Bündel trocken genug sind, um sie abzubrennen. Dann aber kann er sich je dreimal auf "sanfte, aufhellende", "stark schützende" oder "tief reinigende" Räuchereien freuen. (Ich hoffe, dass ich die Bündel bis zum Abbrennen nicht durcheinander bringe.) Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf das Ergebnis. Und bis das erste Räuchern beginnt, können wir uns an den verschiedensten Gartenkräutern in unserem Essen erfreuen, denn diese trocknen ebenfalls vor sich hin. Wie schön, was man so alles aus seinem eigenen Garten zaubern kann.